Sicherheitsbilanz rund um den Eurovision Song Contest 2026 in Wien
Rund um den Eurovision Song Contest 2026 in Wien ziehen Innenministerium, Polizei und ORF eine Sicherheitsbilanz. Während der Songcontest-Woche galt in Österreich Terrorwarnstufe 4 von 5.
Innenminister Gerhard Karner, Staatssekretär Jörg Leichtfried, Bundespolizeidirektor Michael Takács, der stellvertretende Wiener Polizeipräsident Dieter Csefan und ORF-Direktorin Ingrid Thurnher bewerteten am Montag gemeinsam die Sicherheitslage.
Umfangreicher Polizeieinsatz und Personenkontrollen
Nach Angaben von Gerhard Karner war die Bedrohungslage ein Grund für die intensive Vorbereitung auf den Eurovision Song Contest. Der Staatsschutz habe im Vorfeld nach seinen Worten gute Arbeit geleistet. Insgesamt wurden im Zusammenhang mit der Veranstaltung über 22.000 Personen sicherheitsüberprüft.
Für die Sicherheit bei den ESC-Veranstaltungen und den damit verbundenen Kundgebungen waren rund 3.500 Polizistinnen und Polizisten im Einsatz, unterstützt von Kräften aus fast allen österreichischen Bundesländern sowie aus dem benachbarten Bayern. Österreichweit waren rund um den ESC etwa 5.000 Beamtinnen und Beamte im Dienst.
Anzeigen, Festnahmen und Kundgebungen
Während der ESC-Woche wurden 17 strafrechtliche und 57 verwaltungsrechtliche Anzeigen erstattet, außerdem kam es zu 78 Identitätsfeststellungen. Insgesamt wurden rund um den Eurovision Song Contest 16 Personen festgenommen.
Vierzehn dieser 16 Festnahmen erfolgten bei einer unangekündigten Veranstaltung am Finaltag, bei der vermummte Personen trotz Aufforderung der Polizei die Demonstration nicht beendeten. Ein weiterer Mann wurde am Samstag von einer Drohne gefilmt, als er über einen Zaun in das abgesperrte Veranstaltungsgelände bei der Stadthalle eindrang. Diese Festnahme steht laut Dieter Csefan nicht im Zusammenhang mit dem Eurovision Song Contest, sondern mit einem fremdenrechtlichen Verfahren. Eine weitere Festnahme steht laut Csefan im Zusammenhang mit laufenden Ermittlungen.
In der Stadthalle versuchte eine Person mit gültiger Eintrittskarte, sich mittels gefälschter Akkreditierung Zugang zum Backstage-Bereich zu verschaffen. Dieser Versuch wurde von Polizei und privaten Sicherheitsdiensten verhindert. Nach Angaben von Dieter Csefan musste die Polizei während der ESC-Woche kein einziges Mal körperliche Gewalt anwenden.
Es fanden 29 Kundgebungen mit ESC-Bezug statt, an denen insgesamt mehr als 130.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer teilnahmen. Rund 200.000 Besucherinnen und Besucher nahmen österreichweit an Nebenveranstaltungen zum ESC teil. Bei diesen Nebenveranstaltungen wurden zusätzlich 200 strafrechtliche und 1.600 verwaltungsrechtliche Anzeigen aufgenommen.
Cyberangriffe und Bedrohungslage
Die Polizei berichtete von rund 500 ernstzunehmenden Cyberangriffen im Zusammenhang mit dem ESC. Michael Takács erklärte, mit den Partnern der Stadt Wien und privaten Kräften sei es gelungen, diese Angriffe zu verhindern. Er sagte, die „Firewall“ der Polizei habe gehalten und zu keiner Zeit sei der Ablauf des ESC gefährdet gewesen; der Schutz sei zu jedem Zeitpunkt gewährleistet gewesen.
Nach Angaben der Polizei wurde massiv versucht, den ESC durch Cyberangriffe zu stören. Das Ausmaß der Angriffe wurde als sehr hoch beschrieben, die Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) war dabei stark gefordert. Staatssekretär Jörg Leichtfried sprach von einem hohen Gefährdungspotenzial durch islamistische Gruppen und Iran-nahe Terrorzellen. Auf Social-Media-Plattformen sei eine zunehmende Polarisierung und Radikalisierung wahrnehmbar gewesen, die vom Staatsschutz laufend bewertet wurde.
Reaktionen von Politik, Polizei und ORF
Laut Darstellung wurden viele Beobachter aus dem internationalen Sicherheitsbereich mit der Sicherheitsarchitektur rund um den ESC zufrieden gezeigt. Das Lob bezog sich demnach sowohl auf die sichtbaren als auch auf die im Hintergrund wirkenden Sicherheitsmaßnahmen. Michael Takács gab diesen Dank der internationalen Beobachter an alle Einsatzkräfte weiter. Er betonte zudem, die Polizei habe zu keiner Minute die tagtägliche Sicherheit in ganz Österreich vernachlässigt und sei sichtbar, bürgernah und modern aufgetreten, unter anderem über Social Media.
Innenminister Gerhard Karner bedankte sich neben der Polizei auch bei privaten Sicherheitsdienstleistern, bei Blaulichtorganisationen und bei der Stadt Wien, die er in diesem Zusammenhang als professionellen Partner bezeichnete. Er erwähnte ORF-Generaldirektor Roland Weißmann, mit dem die ersten Gespräche zur Sicherheit des ESC geführt worden seien.
ORF-Direktorin Ingrid Thurnher erklärte, dass der Eurovision Song Contest reibungslos und erfolgreich abgelaufen sei. Sie sagte, die Stimmung sei großartig gewesen und alle seien begeistert gewesen. Thurnher beschrieb den ESC als größte Musikshow der Welt und als „europäische Öffentlichkeit im Live-Format“ und bedankte sich bei allen, die an dem Sicherheitsprojekt mitgearbeitet haben.








