Bildungssysteme in Finnland und Estland im Fokus niederösterreichischer Delegation
Eine Delegation aus Niederösterreich hat in Finnland und Estland Bildungssysteme und wirtschaftliche Rahmenbedingungen untersucht. Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft und Bildungspolitik informierten sich in Helsinki und Tallinn über Bildungsstrukturen, Digitalisierung und Weltraumtechnologie.
Im Zentrum der Reise standen Fragen, welche Ansätze aus den nordeuropäischen Ländern für Niederösterreich relevant sein könnten. Dabei wurden sowohl schulische Modelle als auch der Einsatz Künstlicher Intelligenz und die Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft betrachtet.
Weltraumtechnologie und Wirtschaft
In Helsinki stand das Unternehmen ICEYE im Mittelpunkt, das 2018 als Start-up aus einer angrenzenden Universität heraus gegründet wurde. ICEYE wird als global am schnellsten wachsendes Weltraumunternehmen beschrieben, baut Satelliten unter strengen Sicherheitsauflagen und lässt diese über „Space X“ von Elon Musk ins All bringen. Laut Darstellung können die Satelliten durch Nebel, Wolken und Vulkanasche hindurch beobachten und bis auf 25 Zentimeter genau kartografieren. Das Unternehmensmotto wird mit „Wir verteidigen Europa aus dem All“ wiedergegeben.
Christian Moser, Vizepräsident der Wirtschaftskammer Niederösterreich und Delegationsleiter für den Bereich Wirtschaft, bezeichnet die Entwicklung von ICEYE als vorbildhaft. Er verweist darauf, dass es in Niederösterreich ähnlich gute Unternehmen gebe, auch im Bereich Weltraumtechnologie, und nennt als Beispiel Enpulsion in Schwechat. Moser hebt die Finanzierung von Ideen, die Umsetzung von Projekten und die Zusammenarbeit mit der Wissenschaft als Bereiche hervor, die in Finnland gut funktionieren und in Niederösterreich ausbaufähig seien.
Als weiteren Schwerpunkt nennt Moser den Einsatz Künstlicher Intelligenz in Estland, den er als vorbildhaft beschreibt. Künstliche Intelligenz solle seiner Ansicht nach sowohl in der Bildung als auch in der Vorbereitung in der Wirtschaft eingesetzt werden. Er bezeichnet Künstliche Intelligenz dabei als Werkzeug und nicht als Wunderding.
Finnisches Bildungssystem und Rolle der Lehrkräfte
Finnland wird als Land beschrieben, das viele Jahre lang sehr gute PISA-Ergebnisse erzielt hat und zuletzt schlechtere Ergebnisse aufweist, aber weiterhin eines der besten Bildungssysteme Europas hat. Bildungslandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister (ÖVP) besuchte im Rahmen der Reise eine Grundschule in Helsinki sowie die finnische Bildungsagentur.
Paula Paronen, Departmentleiterin der finnischen Bildungsagentur, nennt die Wertschätzung der Lehrkräfte als einen Erfolgsfaktor für das finnische Bildungssystem. Sie erklärt, dass in Finnland die hohe Kompetenz der Lehrkräfte in den Vordergrund gestellt werde und Lehrkräfte eine Master-Ausbildung haben müssen. Die hohe Professionalität der Lehrkräfte sei wichtig für das System; aufgrund dieser Faktoren hätten Lehrkräfte eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz.
Teschl-Hofmeister sieht in Niederösterreich im Hinblick auf Vertrauen in Lehrerinnen, Lehrer und Schulen Aufholbedarf. Sie fordert, die Eltern stärker einzubinden, um eine gemeinsame Einheit mit den Schulen zu bilden. Zudem meint sie, dass sich Direktorinnen und Direktoren in ihrer Autonomie mehr trauen müssten. Laut ihrer Darstellung wird die Autonomie der Schulleitungen in Finnland intensiver wahrgenommen als in Niederösterreich.
Mit Blick auf die sonderpädagogische Förderung sieht sich Teschl-Hofmeister in ihrem Ziel bestätigt, Sonderschulen in Niederösterreich zu erhalten. Sie zeigt sich beruhigt, dass in Finnland wie in Niederösterreich Wert auf Inklusion gelegt werde und es dort ebenfalls Sonderschulen gebe, auch wenn diese anders heißen. Sie beschreibt eine Form der Inklusion, bei der Menschen mit Behinderung anders unterrichtet werden als Menschen ohne Behinderung.
Estlands digital geprägtes Schulsystem
Estland wird als Land mit der weltweit höchsten Dichte an Start-up-Unternehmern beschrieben, in dem die Digitalisierung eine Hauptrolle spielt. Das stark auf Digitalisierung ausgerichtete Schulsystem habe zu sehr guten PISA-Ergebnissen geführt. Estland hat laut Darstellung mit Abstand die besten PISA-Ergebnisse Europas, weltweit liegen nur wenige Länder besser.
In Estland wird die Kindergartenzeit im Alter von vier bis sechs Jahren für Grundschulung, etwa zum Lesenlernen, genutzt. Der Schulunterricht beginnt mit sieben Jahren und findet von Beginn an selbstverständlich mit dem Computer statt. Kinder haben laut Bericht von Anfang an die Möglichkeit, schon in der Schule zu programmieren und bleiben in der Regel acht Jahre lang in derselben Schule.
In den vergangenen Monaten wurde begonnen, Künstliche Intelligenz in das estnische Bildungssystem zu integrieren. Kirke Karhus, Entwicklungsleiterin im estnischen Bildungsamt, sagt, dass Künstliche Intelligenz vorhanden ist und das Bildungssystem vor große Herausforderungen stellt. Sie erläutert, dass Künstliche Intelligenz dazu zwingt, zu überdenken, wie und was unterrichtet wird, und bezeichnet sie als Werkzeug, das zum Umdenken anregt. Die Integration von Künstlicher Intelligenz im Bildungssystem beschreibt sie als gewaltige Aufgabe. Estland nimmt diese Aufgaben laut Darstellung an.
Bildung als Standortfaktor
Teschl-Hofmeister wird mit der Aussage zitiert, Estland sei ein kleines Land mit etwa 1,3 Millionen Einwohnern und habe kaum Rohstoffe, verfüge aber über Bildung und identifiziere sich damit. Sie äußert, dass bei Einigkeit in einem Staat oder einer Gemeinschaft über die Bedeutung von Bildung etwas wie das estnische System entstehen könne.
Gleichzeitig wird berichtet, dass Estland aufgrund der hohen Digitalisierungsquote Probleme beim Finden von Fachkräften in der Wirtschaft hat. Zudem gibt es dort kein duales Ausbildungssystem mit Schule und Beruf wie in Niederösterreich.
Abschließend wird festgehalten, dass es kein bestes Bildungssystem gibt, das für alle gleichermaßen passt. Die Delegationsreise richtete den Blick auf unterschiedliche Wege, wie Bildung, Digitalisierung und Wirtschaft miteinander verbunden werden können.
Hinweis zur Faktenprüfung
Diese Informationen wurden mit KI-Unterstützung auf Basis der vorliegenden Daten gegengeprüft und sprachlich aufbereitet. Die Angaben beziehen sich auf den zum Erstellungszeitpunkt verfügbaren Informationsstand.








