Zwischenruf bei Feldmesse am Gauder Fest löst politische Kritik aus
Ein Zwischenruf bei einer Feldmesse im Rahmen des Gauder Fests in Zell am Ziller hat zu politischen Reaktionen in Tirol geführt. Im Zentrum der Diskussion steht der FPÖ-Nationalratsabgeordnete Christoph Steiner.
Ausgangspunkt ist die Predigt von Bischof Hermann Glettler, Diözesanbischof von Innsbruck, in der er zu mehr gesellschaftlichem Zusammenhalt aufrief und vor einfachen Antworten auf komplexe Probleme warnte.
Ablauf der Feldmesse und Inhalte der Predigt
Die Predigt von Bischof Glettler bei der Feldmesse ist auf der Homepage der Diözese veröffentlicht worden. Darin appellierte er angesichts aktueller gesellschaftlicher Spannungen für mehr Zusammenhalt. Er sagte unter anderem: „Vorsicht vor denen, die das Blaue vom Himmel versprechen“.
Glettler zitierte Aussagen wie „Mit uns wird alles besser, alles gerechter. Mit uns kommt die gute alte Zeit zurück!“ und bezeichnete diese als leere Worte. Er mahnte, vorsichtig zu sein, wenn jemand die „Klaviatur von Neid, Hass und Verlustängsten“ gegen „Sozialbetrüger“ und „Völkerwanderer“ beherrsche. Zudem betonte er: „Es gibt nicht die einfachen Lösungen!“
Der Bischof erklärte, Neid erzeuge Neid, Enthemmung führe zu weiterer Enthemmung und Hass produziere Hass, und stellte die Frage: „Wollen wir das?“. Nicht-Zuhören und Drauflos-Behaupten bezeichnete er als gefährlich. Statt „gefährlicher Abschottung in den eigenen ideologischen Blasen“ forderte er mehr Begegnung und eine gemeinsame Suche nach Lösungen. Es brauche einen Weg „weg von einem permanenten Verteufeln der Andersdenkenden und des ‚Systems‘, hin zu einer gemeinsamen Suche nach guten Lösungen“.
Darstellungen zum Zwischenruf
Die Online-Ausgabe der „Tiroler Tageszeitung“ berichtete, Steiner habe nach der Predigt von der ersten Reihe aus in Richtung Altar „Wärst besser grüner Politiker geworden“ zugerufen. Die Zeitung berief sich dabei auch auf andere Messbesucher. Zudem wurde berichtet, Zillertaler Bürgermeister hätten sich im Anschluss bei Bischof Glettler entschuldigt.
Christoph Steiner schilderte gegenüber der APA den Vorfall anders. Er erklärte, er habe vor sich hin und zu neben ihm sitzenden Parteikollegen in Bezug auf Glettler gesagt: „Wäre er doch besser Politiker geworden.“ Laut seiner Darstellung habe danach jemand aus einer anderen Sitzreihe gerufen: „Aber kein G’scheiter“. Steiner habe daraufhin gesagt: „Dann halt bei den Grünen.“ Er gab an, seine Äußerungen nicht geschrien oder lautstark gerufen zu haben.
Bischof Hermann Glettler wollte auf APA-Anfrage keinen Kommentar zu dem Vorfall abgeben.
Bewertungen durch Steiner
Steiner erklärte, die Predigt sei seiner Ansicht nach klar erkennbar auf die FPÖ gemünzt gewesen. Er sagte, auch hohe kirchliche Würdenträger könnten eine persönliche politische Einstellung haben, sollten diese aber nicht von einer Kanzel herab predigen.
Er behauptete, Glettler habe 20 Minuten lang die FPÖ abgekanzelt und diskreditiert, und bezeichnete dies als den „echten Skandal bei der Messe“. Für ihn als gläubigen und bekennenden Katholiken gehöre parteipolitische linke Agitation nach seinen Worten nicht in eine Eucharistiefeier. Dies, so Steiner, sollte der Bischof von Innsbruck verstehen und einsehen.
Reaktionen von ÖVP und Grünen
ÖVP-Landtagsvizepräsident und Fügener Bürgermeister Dominik Mainusch kritisierte den Zwischenruf. Er bezeichnete das Verhalten Steiners als „zum Fremdschämen“ und erklärte, ein solches Verhalten „gehört sich einfach nicht“. Wer wie die FPÖ auch in Tirol regieren wolle, müsse sich nach seinen Worten anständig benehmen können.
Auch die Tiroler Grünen übten scharfe Kritik an Steiner. Sie sprachen von einer verbalen Entgleisung gegenüber Bischof Glettler und bezeichneten diese als „antidemokratisch bis ins Mark“. In ihrer Kritik zogen sie einen Vergleich zu internationalen FPÖ-Vorbildern wie Donald Trump.
Landtagsabgeordnete Zeliha Arslan verwies darauf, dass Donald Trump jüngst auch den Papst angegriffen habe, aufgrund von Kritik gegen sinnlosen und unmenschlichen Krieg.
Hinweis zur Faktenprüfung
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