Frühstückspension Obenauf: Inklusionsprojekt bietet 16 Menschen mit Behinderung Arbeitsplatz und Heimat
Dieses Thema Freunden empfehlen

Projekt in Unternalb setzt auf Inklusion von Menschen mit Behinderung

Zum Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung rückt ein Inklusionsprojekt der Caritas in Unternalb bei Retz im Bezirk Hollabrunn in den Fokus. Dort wird eine Frühstückspension als Tagesstätte geführt, in der Menschen mit Behinderung in verschiedenen Bereichen mitarbeiten.

Die Caritas betreibt in Unternalb das Projekt „Obenauf“, das aus einer Frühstückspension, einem Bio-Bauernhof, Wohneinheiten sowie einem Geschäft in Retz besteht. Die Organisation bezeichnet den Standort als „Ort der Begegnung“ und sieht darin einen Beitrag zur Bewusstseinsbildung.

Frühstückspension als Tagesstätte und Arbeitsplatz

In der Frühstückspension Obenauf arbeiten derzeit 16 Menschen mit Behinderung mit Unterstützung von Betreuungspersonal. Die Einrichtung ist in einem barocken Pfarrhof untergebracht, der vom Stift Seitenstetten zur Verfügung gestellt wurde. Der Pfarrhof wurde vor zehn Jahren umfassend saniert und barrierefrei umgebaut; seither wurden dort 14.000 Nächtigungen verzeichnet, ein Teil der Gäste gilt als Stammkundschaft.

Die bemalten Eier sind ein Markenzeichen des Hauses. In der Tagesstätte werden Zeichnungen auf Eiern angefertigt sowie Platten kreativ gelegt und verziert. Zusätzlich zur Beherbergung von Urlaubsgästen gibt es einen Seminarbetrieb, ein Kunstatelier und ein Bügelservice. Betreuer Thomas Winna, der von Beginn an dabei ist, berichtet, dass viele Gäste die Ruhe im Haus schätzen und in der Tagesstätte viele sehr kreative Menschen arbeiten.

Aufgabenbereiche und berufliche Perspektiven

Claudia Buchmayer arbeitet seit sieben Jahren in der Tagesstätte in Unternalb. Zu ihren Aufgaben gehört es, die Zimmer für die Gäste sauber und ordentlich zu halten. Stefanie Bader ist ebenfalls in der Frühstückspension tätig. Sie richtet das Frühstück her, bereitet Wurst-Käse-Platten zu und kocht Eierspeise mit Speck. Zudem präsentiert sie Gästen eine eigene Speisekarte mit Eiergerichten, selbstgemachten Marmeladen und hauseigenem „Crunchy Müsli“ und führt nach eigenen Angaben gerne Gäste durch das Haus.

Zum Projekt gehören neben der Frühstückspension ein Bio-Bauernhof, der ebenfalls als Werkstätte geführt wird, sowie Wohneinheiten für knapp 40 Menschen mit Behinderung. Laut Darstellung ist die Tagesstätte durch den direkten Kontakt mit Kundinnen und Kunden sowie durch unmittelbare Rückmeldungen sehr arbeitsplatznah. Aus der Tagesstätte werden immer wieder Klientinnen und Klienten an den ersten Arbeitsmarkt weitervermittelt. Betreuer Winna berichtet, dass dabei das Selbstvertrauen der Klientinnen und Klienten stark gestärkt werde; Lob von Gästen und das Fotografieren der Frühstückseier werden von ihnen bewusst wahrgenommen.

Thomas Krottendorfer, zuständig für die Einrichtungen der Caritas in der Region Weinviertel, sieht in dem Projekt einen Beitrag zur Bewusstseinsbildung und bezeichnet diesen Beitrag als besonders niederschwellig. Seitens der Caritas besteht die Hoffnung, dass das Projekt in Unternalb als Vorbild für ähnliche Initiativen an anderen Orten dienen könnte.

Österreichweites Bündnis fordert mehr berufliche Inklusion

Berufliche Inklusion war auch Thema einer Pressekonferenz anlässlich des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Dabei wurde das „Bündnis für Inklusion am Arbeitsmarkt – Chancenreich“ als österreichweites Bündnis vorgestellt. Beteiligt sind Sozialorganisationen wie Caritas, Diakonie und Lebenshilfe sowie mehrere Unternehmen. Das Bündnis warnt vor Einsparungen bei der Inklusion.

Anna Parr, Generalsekretärin von Caritas Österreich, erklärte, Österreich sei von einem inklusiven Arbeitsmarkt noch ein gutes Stück entfernt. Sie verwies darauf, dass Menschen mit Behinderungen am Arbeitsmarkt über 17 Jahre nach der Ratifizierung der UNO-Behindertenrechtskonvention weiterhin klar benachteiligt seien. Gefordert wurden mehr Angebote zur beruflichen Inklusion in allen Bundesländern, inklusive Bildung als Basis für Teilhabe sowie gleiche Chancen auch für Menschen mit höherem Unterstützungsbedarf.

In der Darstellung wird angeführt, dass nur rund 15 Prozent der Menschen mit Behinderung erwerbstätig seien und die Arbeitslosenquote von Menschen mit Behinderung doppelt so hoch sei wie im Durchschnitt. Vielen Menschen mit höherem Assistenzbedarf bleibe demnach derzeit nur eine Tätigkeit, die mit Taschengeld entlohnt wird.

Weiterführende Links