Großangelegte Razzia gegen Raubgräber: Polizei beschlagnahmt historische Schätze in Niederösterreich und Deutschland
Dieses Thema Freunden empfehlen

Razzia gegen mutmaßliche Raubgräber in Deutschland und Niederösterreich

In vier deutschen Bundesländern und in Niederösterreich hat die Polizei am Mittwoch eine umfangreiche Razzia durchgeführt. Dabei wurden zahlreiche archäologische Gegenstände sichergestellt.

Insgesamt durchsuchten Ermittler 19 Wohn- und Geschäftsräume. Betroffen waren Objekte in Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Rheinland-Pfalz und Niederösterreich.

Bei den Durchsuchungen stießen die Einsatzkräfte auch auf historische Schusswaffen. Ein Sprecher der Landespolizeidirektion Niederösterreich bestätigte den Einsatz in Niederösterreich.

Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg informierte am Donnerstag in Stuttgart über den Fall. Den Angaben der Ermittler zufolge stehen die Beschuldigten im Verdacht, gezielt archäologisch bedeutsame Fundorte in Deutschland, Österreich und Spanien aufgesucht zu haben.

Sie sollen an diesen Fundorten Kulturgüter ausgegraben haben. Nach Darstellung der Ermittler nutzten sie dafür Metalldetektoren und nahmen teils auch Unterwassererkundungen vor. Die beschuldigten Raubgräber sollen arbeitsteilig und in wechselnden Gruppierungen agiert haben.

Durch dieses Vorgehen sollten nach Angaben der Ermittler Kunstschätze beschafft und verkauft werden. Auf die Spur der Gruppe kamen die Ermittler nach eigenen Angaben, nachdem im Juni 2025 bei zwei Tatverdächtigen eine Vielzahl archäologischer Objekte gefunden worden war.

Bewertung der Ermittler

Ermittler in Deutschland wiesen darauf hin, dass durch Raubgrabungen neben materiellem Verlust häufig ein irreversibler Erkenntnisverlust entsteht. Archäologische Fundstücke entfalteten ihren wissenschaftlichen Wert oft erst durch den sogenannten Fundkontext.

Zum Fundkontext zählen nach dieser Darstellung Lage, Schichtung und Umgebung eines Fundstücks. Gehe dieser Zusammenhang verloren, seien wissenschaftliche Auswertungen deutlich erschwert.

Lisa Schröder, Pressesprecherin des Landeskriminalamts Baden-Württemberg, betonte, illegale Sondengänge und Raubgrabungen seien keine harmlose Freizeitbeschäftigung. Wer gezielt nach archäologischen Objekten suche und diese an sich nehme oder veräußere, begehe eine Straftat.

Das Argument, Kulturgüter würden durch illegale Sondengänge gerettet, greife nach ihren Angaben nicht. Viele Fundstellen seien der Wissenschaft bekannt und würden bewusst nicht ausgegraben, um sie für zukünftige Forschungsmethoden zu erhalten.