Gustav Klimt: Anatomie der Kunst – Die Verbindung von Medizin und Malerei in Wiener Ausstellung enthüllt
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Ausstellung „Gustav Klimt und die Medizin“ im Josephinum in Wien

Im Josephinum in Wien ist die Ausstellung „Gustav Klimt und die Medizin. Bilder zum Fluss des Lebens“ zu sehen. Die Schau thematisiert den Einfluss der Medizin auf das Werk Gustav Klimts.

Die Ausstellung läuft vom 26. März bis 28. Juni 2026 im Josephinum in der Währinger Straße 25, 1090 Wien. Gezeigt werden rund 25 originale Zeichnungen und Reproduktionen.

Im Mittelpunkt steht der Zusammenhang zwischen medizinischem Wissen und künstlerischer Darstellung. Laut den bei einer Pressekonferenz geäußerten Einschätzungen von Markus Müller, Rektor der Medizinischen Universität Wien, war Gustav Klimt häufig in anatomischen Einrichtungen tätig und studierte im Seziersaal die menschliche Anatomie. Christiane Druml, Direktorin des Josephinums, stellte Klimts anatomische Studien in eine Reihe mit historischen Künstlern, die Anatomie erlernten, um den menschlichen Körper möglichst originalgetreu darstellen zu können.

Kurator der Ausstellung ist Tobias G. Natter. Ein Schwerpunkt des Konzepts liegt auf dem Werk „Die Medizin“, einem der drei Fakultätsbilder Klimts, das ursprünglich für den Festsaal der Universität Wien vorgesehen war. Das Bild stieß auf Widerstand in der Wissenschaft und wurde dort nie gezeigt. In der Ausstellung wird die Komposition beschrieben: Die Figur der Hygieia wendet sich mit kaltem Blick von einer Säule aus gekrümmten Menschen und Todesmasken zur Rechten ab, während links eine schlafende nackte Frau ihren Arm in Richtung der Menschenkette ausstreckt. Natter betonte, dass in „Die Medizin“ weder große medizinische Innovationen noch Heilkunst oder Prophylaxe dargestellt seien.

Die Schau greift zudem technische Entwicklungen wie neue Mikroskope auf, die Künstlern neue Darstellungswelten eröffneten. Im Artikel wird erläutert, dass goldene Muster in Klimts „Danaë“ und das Fischauge in „Wasserschlangen I“ als Formen gedeutet werden, die an Eizellen erinnern. Die in der Ausstellung gezeigten Originalzeichnungen und Skizzen enthalten Darstellungen nackter Körper und befassen sich auch mit Anfang und Ende des Lebens. Markus Müller stellte in diesem Zusammenhang einen Bezug zwischen Klimts Gesamtwerk und der Beschreibung unbewusster Sexualität sowie zu Überlegungen Sigmund Freuds her.

„Die Medizin“ ist heute nicht mehr im Original erhalten. Alle drei Fakultätsbilder Klimts fielen während der NS-Zeit einem Brand zum Opfer und blieben in ihrer Gesamterscheinung nur als farblose Aufnahmen erhalten. Im Josephinum befindet sich eine verkleinerte Schwarz-Weiß-Reproduktion von „Die Medizin“. Seit 2024 ist das Werk in übergroßer, kolorierter Form am Anna-Spiegel-Forschungsgebäude am Campus der Medizinischen Universität Wien zu sehen, wofür das Bild mithilfe künstlicher Intelligenz eingefärbt wurde.

Offene Punkte

Nicht gesichert ist, in welchen konkreten Zeiträumen und wie häufig Gustav Klimt im Seziersaal Anatomie studierte. Die Deutung bestimmter Muster in den Werken „Danaë“ und „Wasserschlangen I“ als Eizellen sowie der Zusammenhang zwischen Klimts Werk und unbewusster Sexualität basieren auf im Artikel wiedergegebenen Interpretationen im Ausstellungskontext. Ebenfalls als Einschätzung zu werten ist die kunsthistorische Einordnung von „Die Medizin“; sie stellt keine objektiv festgelegte Kategorie dar.