Zwiebelturm der Universität Salzburg nach historischem Vorbild rekonstruiert
Auf dem Dach der alten Universität Salzburg ist die bisherige schlichte Turmspitze durch einen rekonstruierten Zwiebelturmhelm ersetzt worden. Die Maßnahme ist Teil umfassender Arbeiten an der Dachlandschaft des historischen Gebäudes.
Die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) ließ den neuen, kupfergedeckten Turmhelm errichten, der sich über der Universitätskapelle „Sacellum“ und der Bibliothek befindet. Der Denkmalschutz begrüßte den Nachbau, der an eine rund 400 Jahre alte Turmform anknüpft.
Erneuerung wegen Bauschäden am historischen Turm
Wind und Wetter hatten dem Dach der Universität Salzburg über Jahrzehnte zugesetzt. Bei der Neueindeckung des Universitätsdaches im Vorjahr zeigte sich der schlechte Zustand des Turms über der Universitätsbibliothek: Er war stark von Holzwurm befallen und nicht mehr sturmsicher.
Die Balken des Turms waren großteils gut 400 Jahre alt. Nach Angaben des technischen Leiters der BIG in Salzburg, Bernhard Paradeiser, war ihre Erneuerung unvermeidlich. Bei der Rekonstruktion wurde möglichst viel altes, gegen Wurmbefall behandeltes Holz wiederverwendet, während neue Balken die statische Festigkeit des Turms sicherstellen.
Historische Vorbilder und denkmalpflegerische Einordnung
Archiv-Recherchen im Salzburg Museum und das Salzburg-Panorama von Hubert Sattler dienten als Grundlage für die ursprüngliche Turmform. Diese Unterlagen zeigten, dass der Turm vor rund 400 Jahren ein Zwiebeldach hatte. Eine Bildlegende bezeichnet den Zwiebelturm als historisch exakt rekonstruiert; auf dem Panoramagemälde Sattlers ist der Turm deutlich zu sehen.
Denkmalpfleger Conny Cossa vom Bundesdenkmalamt erklärte, die Verbindung einer notwendigen Turmreparatur mit einer Rekonstruktion sei eine Gelegenheit, die es wohl nur einmal im Leben gebe. Zugleich wies er darauf hin, dass die Denkmalpflege Rekonstruktionen normalerweise mit Skepsis betrachte.
Kosten und Zeitplan für die Dachsanierung
Der erneuerte Turm auf dem Dach der alten Universität kostete nach Angaben von Bernhard Paradeiser 150.000 Euro. In dieser Summe sind Nebenarbeiten wie Transportkran, Hub, restauratorische Arbeiten, Statik und Planung enthalten. Ein Autokran hob die fertig mit Kupferblech gedeckte Turmzwiebel auf das Dach.
Insgesamt investiert die BIG laut Paradeiser rund 2,2 Millionen Euro in die Dachlandschaft der alten Universität. Eine Bildlegende nennt eine neu einzudeckende Dachfläche von 5.000 Quadratmetern Kupferblech. Das Vorhaben soll bis 2028 abgeschlossen werden. BIG-Generaldirektorin Christine Dornaus beschreibt die Bundesimmobiliengesellschaft in diesem Zusammenhang als Hausherrin, die in Jahrhunderten plant und denkt.
Architektur, Symbolik und fehlende Glocke
Der erneuerte Turm ist achteckig. Im Beitrag wird erläutert, dass im Christentum die Zahl Acht für die Auferstehung Jesu steht und die acht Ecken theologisch mit „Auferstehung“ und „Unendlichkeit“ verbunden werden. Die Zwiebel auf dem Oktogon wird als Symbol für eine brennende Kerze erklärt. Eine Bildlegende hält zudem fest, dass das vergoldete Marienbild auf der Turmspitze genau nach Osten weist.
Die Glocke der alten Universität befindet sich nicht mehr in der Stadt Salzburg. Sie läutet inzwischen in einer Kapelle in Bischofshofen im Pongau.
Zeitkapsel im neuen Turmhelm
Beim Einbau des kupfergedeckten Turmhelms wurde eine Zeitkapsel integriert. Darin befinden sich eine Tageszeitung, Münzen und ein aktueller Bericht. Die Universitätspfarre steuerte einen Bericht sowie Meinungen von Studierenden bei. Seelsorger Christian Wallisch-Breitsching von der Universitätspfarre wird dazu im Zusammenhang mit der Zeitkapsel zitiert.
Das Gebäude der Universität Salzburg, das zum Weltkulturerbe gezählt wird, wurde laut Bildlegende 1622 von Fürsterzbischof Paris Lodron gegründet. Die jüngsten Arbeiten am Zwiebelturm sind Teil der laufenden Erneuerung der historischen Dachlandschaft.








