Studie untersucht Wirtshaussterben und Betriebsnachfolge in Kärnten
In Kärnten wird das sogenannte Wirtshaussterben wissenschaftlich erforscht. Anlass sind unter anderem Entwicklungen in kleinen Landgemeinden, in denen kaum mehr ein Gasthaus zu finden ist.
Im Bundesland gibt es derzeit rund 3.500 Gastronomiebetriebe. Ein Forschungsschwerpunkt liegt auf der Frage, wie Betriebsübergaben in der Gastronomie gelingen können und warum Übernahmen häufig scheitern.
Kirchenwirt in Finkenstein als Forschungsstandort
Der Kirchenwirt in Finkenstein am Faakersee war lange ein klassisches Dorfgasthaus. Der Betrieb wurde zu einem Steakhaus mit überregionalen Gästen umgestaltet.
Gastwirt Ludwig Graber, 59 Jahre alt, war eine treibende Kraft dieser Umgestaltung. Hinter der Schank betreibt er ein Forschungsbüro, von dem aus er im Rahmen seiner Masterarbeit an der FH Burgenland Ursachen für Probleme bei Betriebsübernahmen in der Gastronomie untersucht.
Graber geht der Frage nach, ob es ein Gastrosterben oder Wirtshaussterben gibt. Er analysiert, warum Betriebsübernahmen häufig scheitern und wie sich junge Personen, die neu in die Gastronomie einsteigen, erfolgreich etablieren können.
Zwischenergebnisse zu Generationenfragen
Zu Grabers Forschung zu Betriebsübergaben liegen erste Zwischenergebnisse vor. Demnach neigt die ältere Generation dazu, bei Übergaben häufig einschreitend mitzuwirken.
In den Zwischenergebnissen werden Aussagen wie „Früher war es besser und es hat funktioniert, es ist gegangen“ als weitergegebene Glaubenssätze beschrieben. Graber erklärt, seine Generation müsse lernen, die jüngere Generation im Betrieb eigenständig arbeiten zu lassen und eigene Ideen im Wirtshaus umzusetzen.
Er möchte seine Forschungsergebnisse künftig nutzen, um als Mediator bei Gesprächen zu Betriebsübergaben zu helfen. Ziel seiner Arbeit ist es, gemeinschaftliche und nachhaltige Lösungen für familiengeführte Unternehmen zu unterstützen. Für seinen eigenen Betrieb ist in den nächsten Jahren eine Betriebsübernahme geplant; ob seine beiden Söhne den Betrieb übernehmen werden, ist offen.
Betriebsnachfolge im Landgasthaus Falle
Im Landgasthaus Falle in Lind ob Velden ist für das kommende Jahr eine Betriebsübernahme durch die nächste Generation vorgesehen. Die beiden Töchter der Betreiberfamilie sollen den Betrieb übernehmen.
Sabrina Haas-Falle wird eine der künftigen Wirtinnen sein. Sie gibt an, den Betrieb gemeinsam mit ihrer Schwester in der fünften Generation weiterführen zu wollen. Verena Falle erklärt, sie und ihre Schwester hätten eine Liebe zur Gastronomie entwickelt.
Nach ihren Angaben hatten beide nie den Gedanken, nicht in die Gastronomie zu gehen. Sie berichten, keinen Druck verspürt zu haben, den Betrieb zu übernehmen, und selbst entscheiden zu dürfen.
Die Eltern zeigen sich stolz, dass ihr Lebenswerk weitergeführt wird. Peter Falle sagt, er wolle keine allgemeinen Ratschläge für Betriebsübergaben geben. Er äußert die Ansicht, dass das eigene Vorleben der Betriebsführung ein Grund sein könne, warum Kinder den Betrieb übernehmen möchten.








