Kalte Kriegszeit reaktiviert: Atombunker in Wien-Landstraße öffnet für historische Führungen
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Atombunker in Wien-Landstraße erstmals im Rahmen von Führungen geöffnet

Ein ABC-Schutzraum im dritten Wiener Bezirk ist erstmals im Rahmen von Führungen für Besucherinnen und Besucher zugänglich. Der Bunker in Wien-Landstraße wurde während des Kalten Krieges errichtet, war jedoch nie in Betrieb.

Betreiber der Führungen ist der Verein „Unter Wien“, der sich mit unterirdischen Bauten in der Stadt befasst. Vereinsvorstand Lukas Arnold leitet die Gruppen durch die Anlage.

Bunkeranlage unter Behördengebäude

Der ABC-Bunker liegt unter einem behördlichen Gebäude aus den 1970er- oder 1980er-Jahren im dritten Bezirk und sollte gegen atomare, biologische und chemische Waffen schützen. Der Zugang erfolgt über eine grüne Metalltür in einem Parkhaus. Der Schutzraum war ausschließlich für Mitarbeiter von Behörden und Unternehmen vorgesehen, nicht für die breite Bevölkerung.

Die Anlage besteht aus einem größeren und einem kleineren Bereich. Der größere Teil umfasst rund 800 Quadratmeter und war für 1.242 Personen ausgelegt. Eine angrenzende kleinere Anlage misst rund 400 Quadratmeter und war für 238 Personen vorgesehen. Für die dort untergebrachten Menschen waren Lebensmittelvorräte für einen Zeitraum von 14 Tagen geplant.

Ausstattung und geplante Nutzung

Die Auslegung sah vor, dass die Luft im Inneren des Bunkers für 14 Tage als sicher gilt. Ein großer Sandfilter sollte die Luft in diesem Zeitraum rein halten. Beim Betreten war eine Schleuse vorgesehen, in der kontaminierte Kleidung abgelegt und mindestens 60 Sekunden kalt geduscht werden sollte.

Für jede Person waren ein roter Jogginganzug, eine Decke und ein Matratzenbezug vorgesehen. Geschirr wie Häferl, Teller und Besteck sollte aus Plastik bestehen. Laut Darstellung war geplant, dass jede Person für die gesamte Aufenthaltsdauer nur eine Rolle einlagiges Toilettenpapier erhält. Im Artikel wird erläutert, dass ein normales Kelleradaptieren im Kalten Krieg nicht als ABC-Schutz ausgereicht hätte, da herkömmliche Keller nicht ausreichend gegen radioaktiven Fallout abdichtbar seien.

Während eines Vollbetriebs mit vielen Menschen rechnete man demnach mit extremer Hitze und sehr hoher Luftfeuchtigkeit in der Anlage. Der Ausnahmezustand, für den der Bunker gebaut wurde, ist jedoch nicht eingetreten.

Heutiger Zustand und Nutzung

Die unterirdische Anlage ist heute funktional nicht betriebsbereit. Der Bunker verfügt aktuell über keine funktionierende Belüftungsanlage, kein Wasser und keine Toiletten. Ein Teil der Räume wird von einer Firma als Lager genutzt.

Beim Übergang an den Verein „Unter Wien“ waren die Räume leer. Nach Darstellung im Artikel wurden sie seinerzeit weder vom Bund noch von der zuständigen Behörde eingerichtet. Lukas Arnold erhielt eine Genehmigung, Einrichtungen aus anderen Wiener ABC-Bunkeranlagen abzubauen und im nun zugänglichen Bunker wiederaufzubauen.

Heute gibt es in der Anlage unter anderem einen Aufenthaltsraum mit aneinandergereihten Bierzeltgarnituren sowie Schlafräume mit dreistöckigen, aneinandergereihten Stockbetten. In den Schlafbereichen liegen Schaufensterpuppen in oder auf den Betten. Bildmaterial zeigt Aufenthaltsräume, Schlafräume und Ausstattungsgegenstände wie Jogginganzüge, Decken, Geschirr und Toilettenpapier.

Führungen durch den Verein „Unter Wien“

Der Verein „Unter Wien“ wird als Interessensgemeinschaft zur Erforschung und Dokumentation unterirdischer Bauten beschrieben. Seit etwa einem Jahr hat der Verein einen Teil des Bunkers adaptiert und für Führungen eingerichtet. Im Rahmen dieser Angebote ist der Bunker erstmals öffentlich zugänglich.

Die Bunkerführung trägt die Bezeichnung Tour K. Sie dauert etwa 90 Minuten und ist für maximal 25 Personen ausgelegt. Der Normalpreis wird mit 25 Euro angegeben, die Tour findet jeweils am Wochenende statt.

Darüber hinaus bietet der Verein weitere Führungen an: Tour M führt in einen Wiener Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg, Tour U in einen historischen Keller mit einer Zeitreise durch 2.000 Jahre Stadtgeschichte. In einer Infobox werden für Informationen die Website unterwien.at sowie der Instagram-Auftritt instagram.com/unterwien genannt.