Kampf gegen Jugendkriminalität: Vorarlberg weitet Präventionsprogramm Spurwechsel aus
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Vorarlberg weitet Präventionsprogramm gegen Kinder- und Jugendkriminalität aus

In Vorarlberg wird das Präventionsprogramm „Spurwechsel“ gegen Kinder- und Jugendkriminalität im Herbst auf das gesamte Bundesland ausgeweitet. Das Projekt richtet sich insbesondere an strafunmündige Kinder sowie Jugendliche und junge Erwachsene bis 25 Jahre.

Hintergrund sind Fälle von Kinderkriminalität wie Vandalismus, Diebstähle, Gewalt und Raub. In einem Fall wurden etwa Bahnhofseinrichtungen zerstört und Fahrzeuge beschädigt; die beteiligten 12- und 13-Jährigen waren amtsbekannt.

Steigende Fallzahlen und Debatte um Strafmündigkeit

Die Anzeigenstatistik zeigt, dass die Zahl der ermittelten Tatverdächtigen bei den 10- bis 14-Jährigen innerhalb eines Jahres deutlich gestiegen ist. Kinder unter 14 Jahren sind in Österreich strafunmündig und können juristisch nicht vor Gericht zur Verantwortung gezogen werden.

Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) würde eine Senkung der Strafmündigkeit unter 14 Jahre begrüßen. Die Bewährungshilfe Neustart spricht sich für verstärkte Prävention bei Kindern und Jugendlichen aus.

Konzept des Projekts „Spurwechsel“

Das Projekt „Spurwechsel“ wurde zunächst im Bezirk Dornbirn umgesetzt und wird nun inhaltlich erweitert und auf ganz Vorarlberg ausgerollt. Abteilungsvorständin Alexandra Kargl aus dem Amt der Vorarlberger Landesregierung erläutert, dass das Programm von der Europäischen Union gefördert wird.

Im Ursprungsprojekt erhalten straffällige, unmündige Minderjährige direkt nach einer Straftat von der Polizei Informationen über ein niederschwelliges Beratungsangebot. Diese Beratung findet in der offenen Jugendarbeit statt, eine Terminvereinbarung ist nicht erforderlich. Der Name „Spurwechsel“ soll verdeutlichen, dass Kinder und Jugendliche wieder auf eine „richtige Spur“ gebracht werden sollen.

Zweigleisiger Ansatz mit Beratung und Hausbesuchen

Landespolizeidirektorin Uta Bachmann betont die Zweigleisigkeit des Programms. Eine Säule ist ein freiwilliges Angebot an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene bis 25 Jahre. Ziel ist es, eine weitere kriminelle Entwicklung zu verhindern. Die Polizei informiert dabei über offene Angebote der Jugendarbeit und verteilt Flyer oder QR-Codes, mit denen der direkte Kontakt zur offenen Jugendarbeit hergestellt werden kann.

Die zweite Säule ist eine Intervention in Form von Hausbesuchen, die sich ausschließlich an unmündige Kinder richtet. Polizei und Kinder- und Jugendhilfe, die Teil der Landesbehörden ist, bilden dafür ein Interventionsteam. Dieses Team soll bei sogenannten Schwellen-Tätern nach Hause gehen, um mit Eltern und Kindern ein Gespräch zu führen.

Ablauf der Interventionen und weitere Schritte

Laut Uta Bachmann spüren Kinder nach solchen Taten bisher oft über längere Zeit keine Konsequenzen. Ab Herbst sollen sie innerhalb kurzer Zeit, spätestens nach zehn Tagen, eine staatliche Aktion wahrnehmen. Dann besuchen Polizei und Kinder- und Jugendhilfe gemeinsam die Familien.

Die Rollen bei diesen Hausbesuchen sind klar verteilt: Die Polizei übernimmt die Rechtsaufklärung, die Kinder- und Jugendhilfe bietet sozialarbeiterische Unterstützung an. Die Entwicklung des betroffenen Kindes wird anschließend beobachtet. Zeigt sich innerhalb von sechs Monaten eine gute Entwicklung, wird die Intervention beendet. Andernfalls wird erneut interveniert und das Gespräch mit den Eltern gesucht.

Ziel des Programms ist es, dass das Kind in ein tragfähiges soziales Netz eingebettet ist, um weiter auf der sozialen Ebene arbeiten zu können. Nach Angaben von Uta Bachmann wird „Spurwechsel“ nicht aus Landesmitteln, sondern von der Europäischen Union finanziert.