Klosterneuburg versieht umstrittene Straßennamen mit Zusatztafeln
In Klosterneuburg im Bezirk Tulln sind mehrere Straßennamen und eine Gedenktafel, die mit Antisemitismus in Verbindung gebracht werden, mit erklärenden Zusatztafeln versehen worden. Die Stadtgemeinde will damit nach eigenen Angaben auf eine transparente Erinnerungskultur setzen.
Eine Kommission hatte zuvor mehrere Fälle umstrittener Straßennamen geprüft. Betroffen sind die Adam-Müller-Gutenbrunn-Straße, die Pater-Abel-Straße, die Kernstockgasse sowie eine Gedenktafel für Pater Heinrich Abel in der Stiftskirche Klosterneuburg.
Hinweise auf historische Hintergründe
Die neuen Zusatztafeln sollen über die historischen Hintergründe der Namensgeber informieren. Bürgermeister Christoph Kaufmann (ÖVP) erklärte, es handle sich um Persönlichkeiten, die im kulturellen und literarischen Leben ihrer Zeit eine Rolle spielten. Zugleich enthalte ihr Wirken zeitkritische Aspekte, die die Stadt nicht unkommentiert lassen wolle.
Auf der Zusatztafel zu Pater Heinrich Abel wird festgehalten, dass er als Jesuitenpater aktiv für die Erneuerung der katholischen Frömmigkeit eintrat. Zugleich wird darauf hingewiesen, dass er sich in seinen Predigten wiederholt antisemitisch äußerte.
Formulierungen zu Antisemitismus und Verhältnis zum Judentum
Auf der Tafel in der Stiftskirche wird ergänzt, dass Pater Abels Äußerungen über Juden oft verständnislos, abwertend oder verachtend gewesen seien. Weiter heißt es dort, dass seine antijüdischen Äußerungen bedauert würden und Gott und die Juden um Vergebung gebeten werde. Zudem wird betont, es sei für Gegenwart und Zukunft wichtig, eine aufrichtige und respektvolle Beziehung mit dem „Volk des Ersten Bundes“ zu pflegen.
Die Zusatztafeln beleuchten auch die Rolle weiterer Namensgeber. Beim Priester und Schriftsteller Ottokar Kernstock wird dessen Mitwirkung an der Kriegspropaganda von 1914 bis 1918 mit teils hasserfüllten Texten dargestellt. Zudem wird erwähnt, dass er 1923 ein „Hakenkreuzgedicht“ verfasste, das von der NS-Propaganda aufgegriffen wurde, und dass er sich kurz danach von diesem Gedicht distanzierte.
Zu Adam Müller Gutenbrunn heißt es auf einer Zusatztafel, seine Werke als Schriftsteller und Journalist hätten deutschnationale und antisemitische Akzente getragen. Im Zusammenhang damit wird auf seine Funktion als Präsident der Deutsch-Österreichischen Schriftstellergenossenschaft im Jahr 1897 verwiesen, die als national und antisemitisch beschrieben wird.








