Der Wiener Frauenpreis ist zum 25. Mal im Rathaus verliehen worden. Der Festakt fand im Arkadenhof statt und stand unter dem Motto „Frauen sichtbar machen“. Ausgezeichnet wurden in diesem Jahr der femchor in der Kategorie „Alltagsheldin“, die Journalistin und Autorin Ingrid Brodnig in der Kategorie „Digitalisierung“ sowie die Slawistin Katja Sturm-Schnabl in der Kategorie „Zeitzeugin“.
Drei Preisträgerinnen, drei Kategorien
Der femchor, gegründet im Jahr 2020, setzt sich lautstark für Gleichberechtigung und gegen patriarchale Strukturen ein. Er stellt Inklusion und Sichtbarkeit genderqueerer Personen in den Mittelpunkt seiner Arbeit und tritt sowohl auf Kulturbühnen als auch bei Demonstrationen auf. Das Repertoire umfasst Pop-Arrangements ebenso wie Lieder des feministischen Widerstands. Beim Festakt im Rathaus übernahm der Chor zugleich die musikalische Gestaltung.
Ingrid Brodnig wurde in der Kategorie „Digitalisierung“ geehrt. Als Expertin für digitale Themen setzt sie sich kritisch mit Phänomenen wie der sogenannten Manosphere, Incels und Deepfakes auseinander. Für ihr politisches Buch wurde sie mit dem Bruno-Kreisky-Sonderpreis ausgezeichnet, zudem war sie Österreichs „Digitale Botschafterin“ in der EU.
Katja Sturm-Schnabl erhielt den Preis in der Kategorie „Zeitzeugin“. Sie wurde 1936 als Kärntner Slowenin geboren und überlebte als Kind die Haft in nationalsozialistischen Lagern. Als Slawistin prägte sie mit ihrer Forschung zur slowenischen Kulturgeschichte Kärntens die Wissenschaft. Bis heute engagiert sie sich als Zeitzeugin für Erinnerungskultur, Menschenrechte und gegen Diskriminierung. Im Jahr 2015 wurde sie mit dem Goldenen Verdienstzeichen der Republik Österreich ausgezeichnet.
Frauenstadträtin Elke Hanel-Torsch, Mitglied der SPÖ, war bei der Verleihung im Rathaus zugegen.
Ein Preis mit langer Tradition
Der Wiener Frauenpreis wird seit 25 Jahren im Rathaus vergeben und würdigt Frauen, deren Wirken über den unmittelbaren Anlass hinaus gesellschaftliche Bedeutung erlangt hat. Auszeichnungen dieser Art sollen üblicherweise Vorbilder sichtbar machen, deren Engagement im Alltag oft weniger Beachtung findet als in den großen öffentlichen Debatten. Die Kategorien eines solchen Preises spiegeln dabei häufig unterschiedliche gesellschaftliche Handlungsfelder wider, von kulturellem und zivilgesellschaftlichem Engagement über digitale Themen bis hin zu Erinnerungsarbeit.
Gerade die Kategorie „Zeitzeugin“ verweist auf eine Funktion, die in der Erinnerungskultur eine wachsende Rolle spielt: Mit zunehmendem zeitlichen Abstand zu den Ereignissen der NS-Zeit werden persönliche Berichte von Überlebenden seltener. Institutionen und Initiativen, die sich mit Erinnerungsarbeit befassen, setzen deshalb verstärkt auf die Dokumentation und öffentliche Vermittlung solcher Lebensgeschichten, um historisches Wissen und persönliche Erfahrung für kommende Generationen zugänglich zu halten.
Auch der Bereich Digitalisierung gewinnt bei derartigen Auszeichnungen zunehmend an Gewicht. Themen wie Desinformation, Hassrede im Netz oder durch künstliche Intelligenz erzeugte Inhalte betreffen gesellschaftliche Debatten in wachsendem Maße. Journalistinnen und Experten, die sich mit den Mechanismen digitaler Räume auseinandersetzen, tragen dazu bei, solche Entwicklungen für ein breiteres Publikum verständlich zu machen und auf mögliche Risiken hinzuweisen.
Chöre und musikalische Kollektive wiederum sind in vielen Städten fester Bestandteil zivilgesellschaftlicher Bewegungen. Sie verbinden künstlerischen Ausdruck mit politischem Anliegen und treten dabei sowohl im kulturellen Rahmen als auch im Kontext von Demonstrationen und öffentlichen Kundgebungen auf. Musik dient in solchen Zusammenhängen häufig als verbindendes Element, das unterschiedliche Gruppen zusammenführt und Anliegen einem breiteren Publikum vermittelt.





