Die einzige Federkiel-Stickerei Salzburgs feiert heuer ihren 40. Geburtstag. Die Werkstatt mit Sitz in St. Martin am Tennengebirge im Pongau wurde vor vier Jahrzehnten von Herbert Klieber und Walter Grübl gegründet. Inzwischen haben Philipp und Josua Klieber aus der nächsten Generation die Arbeit übernommen, während die beiden Gründer in Pension sind.
Vier Jahrzehnte Federkiel-Stickerei im Pongau
Begonnen hat die Geschichte der Werkstatt in Eben im Pongau, auf gerade einmal 16 Quadratmetern Fläche. Herbert Klieber und Walter Grübl mussten sich das Handwerk damals ohne Fachliteratur und ohne Internet selbst erarbeiten. Recherchemöglichkeiten, wie sie heute selbstverständlich sind, standen den beiden nicht zur Verfügung.
Mittlerweile liegt die Leitung der Werkstatt bei Philipp und Josua Klieber. Die ältere Generation wird dennoch weiterhin eingebunden: Bei der Restaurierung alter Gürtel holen sich Philipp und Josua Klieber den Rat von Herbert Klieber und Walter Grübl ein.
Die kunstvollen Muster, die in der Werkstatt in St. Martin am Tennengebirge auf Leder gestickt werden, entstehen nicht in wenigen Tagen. Je nach Motiv und Umfang dauert die Herstellung eines Stücks Wochen bis Monate. Die fertigen Arbeiten zieren traditionell die Ranzen von Schuhplattern, Schnalzern und Trachtenvereinen. Diese Tradition, Ranzen entsprechend zu verzieren, ist älter als die Stickerei-Werkstatt selbst und reicht damit über die vierzigjährige Geschichte des Betriebs hinaus.
Seit 2019 zählt die Federkiel-Stickerei zum immateriellen Weltkulturerbe der UNESCO. Diese Auszeichnung würdigt das Handwerk als Teil des kulturellen Erbes der Region.
Handwerk mit Federn aus dem Gefieder von Vögeln
Bei der Federkiel-Stickerei werden traditionell Kiele von Vogelfedern verarbeitet, die in schmale Streifen zerteilt und anschließend auf Leder gestickt werden. Grundsätzlich erfordert diese Technik ein hohes Maß an Fingerfertigkeit, da die Kiele im Gegensatz zu gewöhnlichem Stickgarn härter und weniger flexibel sind. Üblicherweise entstehen auf diese Weise flächige, glänzende Ornamente, die sich deutlich von anderen Stickereitechniken abheben.
In alpinen Trachtenregionen ist die Verzierung von Lederaccessoires seit langer Zeit verbreitet. Gürtel und Ranzen, wie sie etwa von Schuhplattlern, Schnalzern oder Mitgliedern von Trachtenvereinen getragen werden, dienen dabei nicht nur als praktisches Zubehör, sondern auch als sichtbares Zeichen regionaler Zugehörigkeit. Die Qualität und der Aufwand der Stickerei galten traditionell als Ausdruck von Wertschätzung gegenüber der Tracht und dem jeweiligen Brauchtum.
Die Aufnahme eines Handwerks in die Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO würdigt in der Regel nicht ein einzelnes Objekt oder einen einzelnen Betrieb, sondern die Weitergabe von Wissen, Technik und Tradition über Generationen hinweg. Grundsätzlich setzt eine solche Anerkennung voraus, dass eine Praktik lebendig gepflegt wird und nicht lediglich musealen Charakter besitzt. Für traditionelle Handwerksbetriebe bedeutet eine solche Auszeichnung häufig auch eine zusätzliche Sichtbarkeit über die jeweilige Region hinaus, ohne dass sich an den eigentlichen Arbeitsabläufen in der Werkstatt unmittelbar etwas ändert.
Der Übergang von einer Gründergeneration auf jüngere Nachfolger ist bei traditionellen Handwerksbetrieben ein wiederkehrendes Thema. Oft wird dabei nicht nur die praktische Fertigkeit weitergegeben, sondern auch das über Jahre gesammelte Erfahrungswissen, das sich kaum vollständig in Büchern oder Anleitungen festhalten lässt. Der fortbestehende Austausch zwischen den Generationen, etwa bei der Restaurierung älterer Stücke, ist in solchen Betrieben daher keine Seltenheit und trägt dazu bei, dass handwerkliches Wissen auch über einen Generationswechsel hinweg erhalten bleibt.







