Das Universitätszentrum Obergurgl im Ötztal feiert heuer sein 75-jähriges Bestehen. Die Außenstelle der Universität Innsbruck wurde 1951 auf 1.940 Metern Seehöhe eröffnet und geht auf den Tiroler Wolfgang Burger zurück, der Alpinsport, Forschung und Tourismus miteinander verbinden wollte. Seit 75 Jahren betreibt die Universität Innsbruck dort die Alpine Forschungsstelle sowie einen Beherbergungsbetrieb.
Von der Skiausbildung zur Wirkstoffentdeckung
Wolfgang Burger leitete bis 1959 sowohl das Bundessportheim als auch die Alpine Forschungsstelle in Obergurgl. Im Bundessportheim absolvierten in dieser Zeit zahlreiche Skilehrerinnen und Skilehrer ihre Ausbildung. Burger, der von 1909 bis 1970 lebte, gilt als Gründer des Zentrums. Seine Tochter Eva Burger, die 1956 geboren wurde, ist mit der Geschichte des Standorts eng verbunden.
Zu den bedeutendsten wissenschaftlichen Entdeckungen am Standort zählt der Fund zweier Mikrobiologen im Jahr 1959: Sie entdeckten in einem Moor im Rotmoostal einen Mikropilz, in dem später der Stoff Cyclosporin A nachgewiesen wurde. Dieser Wirkstoff wird bis heute nach Organtransplantationen eingesetzt, um Abstoßreaktionen des Körpers zu mindern.
Langzeitforschung am Blockgletscher
Am Hochebenkar in der Nähe von Obergurgl liegt einer der am besten untersuchten Blockgletscher der Welt. Die Messungen dort begannen bereits 1938 und zählen damit zu den langjährigsten alpinen Forschungsreihen überhaupt. Nikolaus Schallhart, wissenschaftlicher Koordinator der Alpinen Forschungsstelle, ist unter anderem für Untersuchungen zuständig, wie sich Tiere und Pflanzen auf Flächen ansiedeln, die durch den Rückgang der Gletscher freigeworden sind. Dabei zeigt sich, dass sich räuberische Tierarten wie Spinnen und Laufkäfer als erste auf solchen Flächen niederlassen.
Auch die Auswirkungen der Beweidung auf die Pflanzenvielfalt werden am Standort seit 20 Jahren untersucht. Zusätzlich entnimmt Schallhart in den Sommermonaten wöchentlich Proben aus der höchstgelegenen Pollenfalle Tirols. Die Forschenden am Universitätszentrum wollen künftig Teil einer europaweiten Vereinigung für Langzeitmonitoring werden.
Neuausrichtung und heutige Nutzung
Im Jahr 2004 erfolgte unter dem damaligen Vizerektor für Forschung und späteren Rektor Tilmann Märk eine Neuausrichtung des Universitätsstandortes. Im Zuge eines Umbaus, der unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes durchgeführt wurde, entstanden Hörsäle, Seminarräume, eine Bibliothek sowie neue Laboreinrichtungen. Die Häuser des Universitätszentrums stehen unter Denkmalschutz.
Heute verfügt das Universitätszentrum über 43 Zimmer mit insgesamt 90 Gästebetten. Johann Holzknecht leitet die Einrichtung seit einem Jahr. Im Zentrum werden derzeit unter anderem Gletscher- und Klimaforschung, Geologie, Geografie, Mikrobiologie und Sportmedizin betrieben.
Hochgebirgsstationen als Forschungsinfrastruktur
Universitäre Forschungsstationen im Hochgebirge nehmen grundsätzlich eine besondere Stellung ein, weil sie Messreihen über sehr lange Zeiträume hinweg ermöglichen. Solche Langzeitdaten sind für die Klima- und Umweltforschung von hohem Wert, da sich Veränderungen an Gletschern, Böden und Ökosystemen oft erst über Jahrzehnte hinweg zuverlässig erfassen lassen. Alpine Standorte bieten zudem den Vorteil, dass Forschende Prozesse wie die Besiedelung neu freigelegter Flächen oder Verschiebungen in der Vegetation unmittelbar vor Ort beobachten können.
Die Kombination aus Forschungseinrichtung und Beherbergungsbetrieb ist bei alpinen Universitätsstationen keine Seltenheit. Sie erlaubt es, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über längere Zeiträume am Standort unterzubringen, ohne dass für jede Messung ein aufwendiger Aufstieg notwendig wird. Gleichzeitig eröffnet eine solche Infrastruktur auch die Möglichkeit, Lehrveranstaltungen, Exkursionen und praktische Ausbildungen direkt im Gelände durchzuführen. Der Denkmalschutz historischer Gebäude stellt dabei häufig besondere Anforderungen an bauliche Erweiterungen, da moderne Labor- und Seminarinfrastruktur mit dem Erhalt der historischen Bausub





