Die Ars Electronica hat mit ihrer Rückkehr in die Linzer Innenstadt einen Besucherrekord erzielt. Beim Festival, das von 9. bis 13. September stattfand, wurden nach Angaben der Veranstalter 125.000 Besuche gezählt. Die Veranstaltung erstreckte sich über mehr als 40 Standorte in der Stadt und stand unter dem Motto „Negotiating Humanity“.
Erstmals verteilte Ausstellung in der Innenstadt
Neu war in diesem Jahr eine Ausstellung, die auf acht Orte in der Linzer Innenstadt verteilt gezeigt wurde. Besucherinnen und Besucher konnten die einzelnen Stationen im Rahmen eines sogenannten „Festival Walks“ erkunden. Ars-Electronica-Leiter Gerfried Stocker zog am Montag eine positive Bilanz und erklärte, die Rückkehr in die Innenstadt habe sich deutlich bemerkbar gemacht. Die größere Sichtbarkeit im öffentlichen Raum habe zusätzliches Publikum angesprochen. Zuvor war die PostCity beim Linzer Hauptbahnhof die Festivalzentrale gewesen.
Festival-Managerin Veronika Liebl sprach von einer positiven Resonanz auf das neue Konzept. Laut einer Mitteilung der Ars Electronica habe die stärkere Präsenz an den mehr als 40 Standorten deutlich mehr lokales Publikum angezogen. Das nächste Festival soll erneut in der Innenstadt stattfinden und ist für den Zeitraum von 8. bis 12. September 2027 geplant.
Nach Angaben der Ars Electronica wirkten in diesem Jahr mehr als 1.200 Personen aus Kunst, Wissenschaft und Entwicklung sowie Aktivistinnen und Aktivisten aus 77 Ländern am Festival mit. Insgesamt fanden mehr als 227 Führungen mit 22 thematischen Schwerpunkten statt, die von über 2.500 Menschen besucht wurden. Am Vorabend des Festivals hatten außerdem rund 1.000 Gäste das 30-jährige Bestehen des Ars Electronica Center gefeiert.
Medienkunst zwischen Labor und Stadtraum
Die Ars Electronica zählt zu den etablierten Festivals im Bereich der Medienkunst und widmet sich seit Jahrzehnten dem Zusammenspiel von Kunst, Technologie und Gesellschaft. Solche Veranstaltungen bringen üblicherweise Forschungseinrichtungen, Kunstschaffende und Technologieunternehmen zusammen, um aktuelle Entwicklungen etwa im Bereich künstlicher Intelligenz, Robotik oder digitaler Kommunikation einem breiten Publikum zugänglich zu machen.
Grundsätzlich stehen Festivalveranstalter bei der Standortwahl vor der Entscheidung, ob Ausstellungen und Installationen an einem zentralen, oft leichter zu organisierenden Ort gebündelt werden oder ob sie über mehrere Standorte im Stadtgebiet verteilt werden. Eine Verteilung auf mehrere Orte kann die Sichtbarkeit im öffentlichen Raum erhöhen und Menschen ansprechen, die ein Festival nicht gezielt besuchen, sondern im Alltag darauf stoßen. Gleichzeitig stellt ein solches Format höhere Anforderungen an Logistik, Beschilderung und Besucherführung, da Interessierte zwischen den einzelnen Stationen wechseln müssen.
Formate wie geführte Rundgänge, wie sie bei der Ars Electronica in Form des „Festival Walks“ eingesetzt wurden, sind bei dezentral organisierten Kulturveranstaltungen ein verbreitetes Mittel, um Besucherinnen und Besuchern trotz verteilter Standorte einen roten Faden durch das Programm zu bieten. Solche Führungen ermöglichen es zudem, thematische Schwerpunkte gezielt zu vertiefen und komplexere Werke im Bereich der Medienkunst verständlich einzuordnen.
Internationale Beteiligung, wie sie mit Teilnehmenden aus 77 Ländern bei der Ars Electronica beschrieben wird, ist bei Festivals dieser Art keine Seltenheit. Wissenschaftliche Einrichtungen, Kunstuniversitäten und Technologieunternehmen kooperieren bei derartigen Veranstaltungen häufig über Landesgrenzen hinweg, um aktuelle Projekte aus Forschung und künstlerischer Praxis vorzustellen. Für Städte wie Linz kann ein solches Festival zugleich eine Gelegenheit sein, den öffentlichen Raum zeitweise für kulturelle und technologische Inhalte zu öffnen und damit über das eigentliche Fachpublikum hinaus Aufmerksamkeit zu erzeugen.








