Demokratie im Mittelpunkt bei Eröffnung der Bregenzer Festspiele
Bei der Eröffnung der Bregenzer Festspiele haben Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Kulturminister sowie Vizekanzler Andreas Babler (SPÖ) die Bedeutung der Demokratie betont. Beide stellten in ihren Reden bei der Veranstaltung das Thema Demokratie in den Mittelpunkt.
Die Bregenzer Festspiele gelten als großes kulturelles Ereignis und wurden zugleich als Rahmen für politische Appelle genutzt. Die Intendantin der Bregenzer Festspiele, Lilli Paasikivi, führte durch die Eröffnungsfeier.
Appell zur Verteidigung der liberalen Demokratie
Alexander Van der Bellen sprach in seiner Eröffnungsrede über die freie, liberale Demokratie. Er bezeichnete sie als tägliche Übung, die mit der Bereitschaft beginne, zuzuhören. Die liberale Demokratie werde nach seinen Worten schwach, wenn vergessen werde, dass auch der sogenannte politische Gegner ein Mensch mit Sorgen, Hoffnungen, Familie und Würde sei. Er betonte, die liberale Demokratie müsse verteidigt werden.
Der Bundespräsident ging auf historische und gesellschaftliche Entwicklungen ein. Österreich habe sich nach Katastrophen immer wieder neu erfinden müssen, sagte er. Freiheit, Frieden und Wohlstand seien Errungenschaften und keine Selbstverständlichkeiten. Als Beispiele nannte er Meinungsfreiheit, Wahlfreiheit, eine unabhängige Justiz und die Gleichheit aller vor dem Gesetz.
Mit Blick auf soziale Netzwerke sprach Van der Bellen über die Verbreitung von Empörung. Es sei leicht, Wut zu schüren und Vertrauen zu zerstören, schwieriger sei es hingegen, Lösungen zu finden und Menschen zusammenzubringen. Unterschiede müssten seiner Ansicht nach Platz haben, ohne in Verachtung umzuschlagen. Mehrheiten sollten entscheiden können, ohne Minderheiten zu demütigen. Kompromisse seien kein Verrat, sondern Zeichen von Reife und Verantwortung. Die von ihm beschriebenen Bedingungen seien heute nicht immer gegeben.
Van der Bellen verglich Österreich mit einer Opernproduktion, bei der keine Geschichte von einer einzigen Stimme erzählt werde. Für eine Oper brauche es Orchester, Chor, Solistinnen und Solisten, Menschen auf und hinter der Bühne sowie ein Publikum. Österreich sei kein Soloprojekt, sondern ein Zusammenspiel, das Regeln, Taktgefühl und Mut brauche. Politische Kultur beginne in jedem und jeder und zwischen den Menschen. Er forderte dazu auf, sich in Respekt zu üben, und erklärte, Respekt sei ansteckend, dagegen solle man sich nicht impfen. Abschließend sagte er: „Ich wünsche mir ein Österreich, das auf unsere freie, liberale Demokratie nicht nur stolz ist, wenn sie bequem ist, sondern ich wünsche mir ein Österreich, das sie auch verteidigt, wenn es anstrengend wird.“ Zudem hielt er fest: „Wir gehören zusammen, weil wir alle Österreich sind.“
Warnung vor Resignation und Ruf nach mutiger Demokratie
Andreas Babler warnte in seiner Rede davor, zu resignieren. Zukunft entstehe dort, wo Menschen gestalten, sagte er. Kunst helfe dabei, genauer hinzusehen und zu reflektieren. Sie könne Fragen stellen, auch wenn eine Gesellschaft insgesamt noch keine Antwort geben wolle. Mitunter treffe ein Stück den Nerv einer Zeit, noch bevor diese Zeit bereit sei, sich ehrlich zu betrachten.
Babler verwies auf zahlreiche aktuelle Herausforderungen und meinte, er hätte wie viele andere eine ganze Liste von Themen, worüber man sich derzeit den Kopf zerbrechen sollte. Er nannte in diesem Zusammenhang globale Konflikte, die näher rückten. Wissenschaftliche Erkenntnisse würden infrage gestellt, die Klimakrise werde von mächtigen Akteuren ignoriert, Menschenrechte und Völkerrecht würden zunehmend als Schwäche dargestellt. Digitale Kommunikation vertiefe gesellschaftliche Gräben. Viele Menschen dürften zwar wählen, glaubten aber nicht mehr daran, mit ihrer Stimme etwas bewegen zu können.
Als Antwort auf diese Entwicklungen sprach sich Babler klar gegen einen Schwenk ins Autoritäre aus. Stattdessen brauche es eine mutige und selbstbewusste Demokratie.
Festspiele als kulturelle und politische Bühne
Die Bregenzer Festspiele begannen den Angaben zufolge vor etwa 80 Jahren. Mitte der 1940er Jahre starteten sie mit zwei Schotterschiffen und einigen hartnäckigen Personen. Heute wird die Bregenzer Seebühne als größte Seebühne der Welt beschrieben. Die Festspiele gelten als Bühne einer großen Inszenierung am See und zugleich als Bühne für einen politischen Appell.
Im Rahmen der Festspiele werden auch inhaltliche Bezüge zum Thema Demokratie und gesellschaftlichem Zusammenleben hergestellt. Auf der Werkstattbühne wird das Stück „YUM“ gezeigt, das die Metapher liefert, dass alle am gedeckten Tisch sitzen, während sichtbar werde, dass die Welt aus dem Gleichgewicht geraten sei. Zudem wird Giuseppe Verdis Oper „La Traviata“ als Beispiel dafür angeführt, was passiere, wenn es an Mitgefühl fehle.
Die gemeinsame Botschaft von Bundespräsident und Vizekanzler wird so zusammengefasst, dass die Festspiele nicht nur ein kulturelles Großereignis seien, sondern auch daran erinnerten, dass an Demokratie gearbeitet werden müsse.





