Am Dobratsch in Kärnten hat die diesjährige Greifvogelwoche begonnen. Jedes Jahr überqueren rund 6.000 Greifvögel in dieser Zeit die Landesgrenze Richtung Süden, viele von ihnen auf dem Weg in ihr Winterquartier in Afrika. Der Skywalk im Naturpark Dobratsch entwickelt sich in diesen Tagen erneut zu einem Besuchermagnet: Bis zu 2.500 Interessierte wollen das Naturschauspiel am Himmel beobachten.
Beobachtungen am Dobratsch und in Arnoldstein
Seit 20 Jahren werden die ziehenden Greifvögel am Dobratsch von Wissenschaftlern beobachtet. Es war das erste Forschungsprojekt dieser Art in Österreich. Vor allem Wespenbussarde durchfliegen das Gebiet rund um den Dobratsch, daneben werden auch Weihen, Milane, Falken sowie See- und Fischadler gesichtet.
Robert Heuberger vom Naturpark Dobratsch nennt den Zeitraum rund um den 20. oder 22. August als besonders günstig für Beobachtungen – vorausgesetzt, es hat davor schlechtes Wetter gegeben und die Bedingungen bessern sich anschließend wieder. An guten Tagen sind laut Heuberger bis zu 70 Vögel in einem Schwarm zu sehen, insgesamt können an einem einzigen Tag bis zu 1.000 Tiere durchziehen.
Aufmerksam wurde man auf den Zug Richtung Italien erstmals im Jahr 2003, als er Vogelkundlern im unteren Gailtal auffiel. Birdlife Kärnten rief daraufhin ein Greifvogelcamp in Arnoldstein ins Leben. Seither werden die Tiere dort gezählt und bestimmt. Andreas Kleewein von Birdlife Kärnten bezeichnet das Jahr 2014 als Höhepunkt der bisherigen Beobachtungen: Damals wurden mehr als 6.000 ziehende Wespenbussarde erfasst. Mittlerweile pendelt sich die Zahl wieder bei über 3.000 Individuen ein, die in den letzten Augustwochen unterwegs sind. Kleewein spricht von einem relativ konstanten Bestand, verweist aber auf einen leichten Abwärtstrend.
Geschwächte Jungtiere, die während des Zugs auffallen, werden in der Adlerarena Landskron aufgepäppelt. Derzeit befindet sich dort ein junger männlicher Wespenbussard in Pflege. Franz Schüttelkopf von der Adlerarena berichtet, der Vogel habe sich von einem leichten Anflugtrauma bereits relativ rasch erholt.
Warum der Dobratsch zum Nadelöhr für Zugvögel wird
Grundsätzlich folgen viele Greifvogelarten auf ihrem Weg in die Winterquartiere bevorzugten Routen, die sich an geografischen Gegebenheiten wie Gebirgszügen, Tälern oder Küstenlinien orientieren. Erhebungen und Bergrücken wie der Dobratsch bündeln dabei den Vogelzug, weil sie Aufwinde erzeugen, die Segelflieger unter den Greifvögeln nutzen, um ohne großen Kraftaufwand an Höhe zu gewinnen und weite Strecken zurückzulegen. Solche thermischen Aufwinde entstehen vor allem an sonnigen Tagen über erwärmten Hangflächen und ermöglichen es den Tieren, sich in Kreisen nach oben schrauben und anschließend im Gleitflug große Distanzen überbrücken zu können.
Der Wespenbussard, der am Dobratsch die häufigste beobachtete Art ist, zieht traditionell von Mittel- und Nordeuropa über die Alpen und den Mittelmeerraum bis nach Afrika. Solche Zugbewegungen sind bei vielen Greifvogelarten stark witterungsabhängig: Ungünstige Windverhältnisse oder Schlechtwetterphasen können den Zug verzögern, sodass sich nach längeren Regenperioden häufig größere Ansammlungen ziehender Vögel bilden, sobald sich das Wetter wieder stabilisiert. Dieser Zusammenhang erklärt, warum Beobachtungstermine rund um Wetterumbrüche für Vogelkundler und interessierte Laien besonders attraktiv sind.
Langjährige Zählprojekte wie jenes in Arnoldstein oder am Dobratsch liefern zudem wichtige Daten für den Naturschutz. Durch die kontinuierliche Erfassung von Zugzahlen über mehrere Jahrzehnte lassen sich Bestandsentwicklungen einzelner Arten nachvollziehen und mögliche Veränderungen frühzeitig erkennen. Solche Langzeitreihen gelten in der Ornithologie als besonders wertvoll, weil kurzfristige Schwankungen einzelner Jahre dadurch von tatsächlichen Trends unterschieden werden können.
Hinweis zur Faktenprüfung
Diese Informationen wurden mit KI-Unterstützung auf Basis der vorliegenden Daten gegengeprüft und sprachlich aufbereitet. Die Angaben beziehen sich auf den zum Erstellungszeitpunkt verfügbaren Informationsstand.





