Die Bestsellerautorin Hera Lind hat am vergangenen Wochenende in Fuschl am See im Flachgau ein Treffen mit mehreren Hauptfiguren ihrer Bücher organisiert. Die Zusammenkunft fand in einem Hotel im Zentrum der Gemeinde statt. Unter den Teilnehmerinnen war Claudia Holzgartner, die Vorlage für Lind aktuelles Buch „Löwenmutter“ ist. Ebenfalls anwesend war Iris Hagedorn, die Tochter der verstorbenen KZ-Überlebenden Tamar Dreifuss, deren Geschichte Lind in ihrem nächsten Roman erzählt.
Reales Schicksal als Buchvorlage
Claudia Holzgartner wurde als junge Frau Mutter von Fünflingen. Zwei ihrer Kinder starben relativ bald nach der Geburt, die überlebenden Drillinge hatten Förderbedarf. Ihre Geschichte bildet die Grundlage für „Löwenmutter“, das in diesem Jahr mehrere Wochen lang die Bestsellerlisten anführte.
Für ihren nächsten Tatsachenroman widmet sich Hera Lind dem Schicksal von Tamar Dreifuss. Die jüdische Frau war gemeinsam mit ihrer damals fünfjährigen Tochter in einem Konzentrationslager der Nationalsozialisten interniert. Dreifuss setzte sich jahrzehntelang dafür ein, ihre Geschichte weiterzugeben und über die Lebensumstände von Jüdinnen und Juden während des Nationalsozialismus aufzuklären. Sie starb im Herbst des Vorjahres im Alter von 85 Jahren. Bei dem Treffen in Fuschl vertrat ihre Tochter Iris Hagedorn das Andenken an ihre Mutter. Der Roman über Tamar Dreifuss erscheint am 11. November unter dem Titel „Erhobenen Hauptes“.
Bücher nach wahren Begebenheiten
Hera Lind schreibt seit mehr als 15 Jahren Bücher, die auf realen Ereignissen beruhen. Seit dem Jahr 2010 stützt sie ihre Romane ausschließlich auf wahre Lebensgeschichten. Diese Ausrichtung prägt inzwischen ihr gesamtes literarisches Schaffen und unterscheidet ihre späteren Werke von früheren, stärker fiktional angelegten Büchern.
Bei Tatsachenromanen, die auf realen Biografien basieren, ist der persönliche Kontakt zwischen Autorinnen und den betroffenen Personen oder deren Angehörigen ein wiederkehrendes Element der literarischen Aufarbeitung. Solche Begegnungen dienen üblicherweise dazu, Lebensgeschichten möglichst genau nachzuzeichnen und den Betroffenen selbst eine Stimme innerhalb des Entstehungsprozesses zu geben. Gerade wenn es um Erinnerungen an die Zeit des Nationalsozialismus geht, kommt dem direkten Austausch mit Zeitzeugen oder deren Familien eine besondere Bedeutung zu, da mit dem Vergehen der Zeit immer weniger unmittelbare Zeuginnen und Zeugen zur Verfügung stehen.
Literarische Verarbeitungen von Schicksalen aus Konzentrationslagern tragen grundsätzlich dazu bei, historische Erfahrungen einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Sie ergänzen wissenschaftliche und dokumentarische Aufarbeitung um eine erzählerische Perspektive, die individuelle Lebenswege in den Vordergrund stellt. Solche Bücher werden häufig auch im Bildungskontext genutzt, um jüngeren Generationen historische Zusammenhänge über persönliche Geschichten näherzubringen.







