Die Bischof-Rudigier-Stiftung hat einen historischen Archivbestand der Tiroler Glasmalerei erworben, der nun nach Linz gelangt ist. Die Unterlagen dokumentieren die Entstehung der Gemäldefenster des Linzer Mariendoms und umfassen unter anderem Skizzen, Entwurfszeichnungen, Porträts, Fotografien, Fotoplatten sowie Schriftverkehr. Sie ergänzen die bereits vorhandenen Bestände des Planarchivs des Doms.
Neuer Bestand für das Planarchiv des Mariendoms
Der neu erworbene Archivbestand fügt sich in die Sammlungen ein, die zur Geschichte der Fensterverglasung des Mariendoms bereits vorliegen. Er enthält neben bildlichem Material auch Schriftverkehr zwischen Bischof Rudolph Hittmair, dem Dombaukomitee und der Tiroler Glasmalerei. Diese Korrespondenz gibt Einblick in die Entstehung einzelner Fenster.
So geht aus Briefen hervor, dass ein Landeshauptmann auf einer als Vorlage verwendeten Fotografie nicht freundlich dreinschaute. Auch beim sogenannten Kaiserfenster gab es Abstimmungsbedarf: Erzherzog Franz Ferdinand äußerte Änderungswünsche zu seiner Darstellung. Erörtert wurde dabei unter anderem die Frage, ob er mit sichtbaren Knien abgebildet werden sollte. Schließlich wurde ein Wappenschild vor seinen Beinen platziert.
Die 42 Gemäldefenster im Lang- und Querhaus des Mariendoms sowie die drei Rosetten entstanden zwischen 1910 und 1924 in der Tiroler Glasmalerei. Das Bildprogramm wurde wesentlich von Bischof Hittmair entwickelt. Die Fenster zeigen neben religiösen Motiven auch Persönlichkeiten, Orte und Landschaften Oberösterreichs sowie historische Ereignisse. Sie erzählen damit von der Geschichte des Dombaus und von jenen Personen, die ihn unterstützt haben.
In den vergangenen Jahren wurden die Bestände des Planarchivs des Mariendoms systematisch gesichtet, aufgearbeitet, digitalisiert und gesichert. Der nun erworbene Archivbestand der Tiroler Glasmalerei erweitert diese Grundlage um zusätzliche Quellen zur Entstehungsgeschichte der Fenster.
Glasmalerei als Handwerk und Bildmedium
Glasmalereiwerkstätten wie die Tiroler Glasmalerei fertigten im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert für zahlreiche Kirchenbauten in Mitteleuropa aufwendige Fensterprogramme an. Solche Aufträge erforderten in der Regel eine enge Abstimmung zwischen Auftraggebern, kirchlichen Gremien und der ausführenden Werkstatt, da die Motive häufig sowohl religiöse als auch regionale oder historische Bezüge herstellen sollten. Entwurfszeichnungen und Skizzen dienten dabei als Zwischenschritt zwischen der inhaltlichen Planung und der handwerklichen Umsetzung in Glas und Blei.
Fotografien und Porträtvorlagen kamen bei der Darstellung realer Personen häufig zum Einsatz, um eine erkennbare Ähnlichkeit zu erzielen. Änderungswünsche einzelner Auftraggeber oder dargestellter Personen waren bei solchen Projekten grundsätzlich keine Seltenheit, da die endgültige bildliche Darstellung oft erst nach mehreren Abstimmungsrunden feststand. Schriftwechsel zwischen Auftraggebern und Werkstätten gehören daher zu den Quellen, die spätere Einblicke in Entstehungsprozesse und gestalterische Entscheidungen ermöglichen.
Archivbestände zu solchen Bauprojekten enthalten üblicherweise neben künstlerischen Vorlagen auch organisatorische Unterlagen, etwa Korrespondenz zu Terminen, Kosten oder inhaltlichen Vorgaben. Die systematische Aufarbeitung und Digitalisierung derartiger Bestände dient in der Regel dazu, historische Bauprozesse nachvollziehbar zu dokumentieren und für die weitere kunsthistorische und kirchengeschichtliche Forschung zugänglich zu machen.





