Im kleinen theater Salzburg feiert an diesem Donnerstag die Produktion „JedeFrau“ ihre Uraufführung. Das Stück versteht sich als Gedankenexperiment: Der „Jedermann“ wird darin vor dem jüngsten Gericht von einer Göttin empfangen und begleitet. Autorin und Produzentin ist Tanja Kuntze, die Regie führt Nicholas Monu. In der Hauptrolle als „Jedermann“ steht Torsten Hermentin auf der Bühne.
Neue Perspektive auf einen bekannten Stoff
„JedeFrau“ nimmt Hugo von Hofmannsthals „Jedermann“ zum Ausgangspunkt und erzählt die bekannte Geschichte aus weiblicher Perspektive. Die Produktion im kleinen theater Salzburg verknüpft dabei klassische Motive mit gegenwärtigen Fragestellungen. Thematisch geht es um tradierte Rollenbilder und religiöse Zwänge, die im Stück verhandelt werden.
Darüber hinaus greift „JedeFrau“ aktuelle digitale Phänomene auf: Deepfakes, das Bild der sogenannten Tradwives sowie die Manosphere finden sich als Bezugspunkte in der Inszenierung wieder. Damit verbindet die Produktion einen jahrhundertealten Theaterstoff mit Diskursen, die derzeit vor allem online geführt werden. Neben ernsten Themen setzt das Stück auch auf komödiantische Szenen und Lieder, die die Handlung auflockern.
Der „Jedermann“-Stoff als wiederkehrender Bezugspunkt
Hofmannsthals „Jedermann“ zählt zu den bekanntesten Stücken des deutschsprachigen Theaters und ist besonders durch die jährlichen Aufführungen bei den Salzburger Festspielen geprägt. Grundsätzlich erzählt das Werk vom reichen Jedermann, der angesichts des nahenden Todes mit seinem Leben und seiner Schuld konfrontiert wird. Diese Grundkonstellation hat den Stoff über die Jahrzehnte immer wieder zu Bearbeitungen, Neuinterpretationen und Gegenentwürfen eingeladen.
Solche Weiterentwicklungen setzen häufig an der Frage an, wessen Perspektive im Original im Vordergrund steht und welche Figuren traditionell eher am Rand der Handlung bleiben. Eine Verschiebung des Blickwinkels, etwa hin zu einer weiblichen Hauptfigur, erlaubt es, bestehende Rollenbilder und gesellschaftliche Erwartungen neu zu beleuchten, ohne die ursprüngliche Fabel vollständig aufzugeben. Kleinere Bühnen abseits der großen Festspielbühnen bieten dafür häufig Raum für Experimente, die von etablierten Formaten abweichen.
Digitale Phänomene als Theaterstoff
Begriffe wie Deepfakes, Tradwives oder Manosphere stammen ursprünglich aus Internetkulturen und haben sich in den vergangenen Jahren zu vielbeachteten gesellschaftlichen Schlagworten entwickelt. Deepfakes bezeichnen mittels künstlicher Intelligenz manipulierte Bild- oder Videoinhalte, die täuschend echt wirken können. Der Begriff Tradwife steht für ein Rollenbild, das eine bewusst traditionelle Aufgabenteilung zwischen Mann und Frau propagiert. Die Manosphere wiederum umfasst ein Netzwerk von Online-Communities, in denen bestimmte Vorstellungen von Männlichkeit verhandelt werden.
Dass solche Phänomene zunehmend auch auf Theaterbühnen aufgegriffen werden, liegt nahe: Sie berühren Fragen von Geschlechterbildern, Macht und Selbstinszenierung, die sich unmittelbar mit klassischen Stoffen wie dem „Jedermann“ verknüpfen lassen. Die Verbindung von altem Erzählstoff und aktuellen digitalen Debatten eröffnet dabei die Möglichkeit, überzeitliche Fragen nach Schuld, Verantwortung und gesellschaftlichen Erwartungen in einen zeitgenössischen Rahmen zu stellen.
Hinweis zur Faktenprüfung
Diese Informationen wurden mit KI-Unterstützung auf Basis der vorliegenden Daten gegengeprüft und sprachlich aufbereitet. Die Angaben beziehen sich auf den zum Erstellungszeitpunkt verfügbaren Informationsstand.





