Wiener Clubszene erholt sich von Corona, kämpft aber mit neuer Trinkkultur und steigenden Kosten

Hinweis: Dieses Beitragsbild wurde mit künstlicher Intelligenz erstellt und dient der symbolischen Illustration. Es zeigt keine authentische Aufnahme des beschriebenen Ereignisses.

Dieses Thema Freunden empfehlen

Die Wiener Clubszene hat sich nach der Corona-Pandemie wieder auf das Niveau der Vor-Corona-Zeit zurückentwickelt. Clubbetreiber verzeichnen wieder sehr viele Veranstaltungen, wie Martina Brunner, Geschäftsführerin der Vienna Club Commission (VCC), berichtet. Gleichzeitig hat sich das Verhalten der Gäste spürbar verändert: Eine neue Generation, die als „Sober Generation“ bezeichnet wird, trinkt weniger Alkohol als frühere Generationen. Das wirkt sich unmittelbar auf den Umsatz pro Gast aus, der gesunken ist, während gleichzeitig die Kosten für Clubbetreiber durch die Inflation in praktisch allen Bereichen gestiegen sind.

Weniger Umsatz, mehr Community-Fokus

Als Reaktion auf das veränderte Trinkverhalten und die schwierigere Kostensituation setzen viele Clubs verstärkt auf sogenannte Community-Events. Veranstaltungen werden gezielt für bestimmte Gruppen konzipiert und als „Safer Space“ gestaltet, mit klaren Regeln für die Teilnehmenden. Kostenlose Angebote spielen dabei eine größere Rolle als früher.

Auch die Uhrzeiten, zu denen ausgegangen wird, verschieben sich. Viele Gäste möchten früher in den Club gehen und auch früher wieder nach Hause. Die VCC hat dazu ein Projekt mit Open-Air-Raves veranstaltet, die bereits um 14 Uhr begannen und um Mitternacht endeten. Dabei zeigte sich laut Brunner: Wenn Menschen ohnehin schon unterwegs sind, gehen sie eher in den Club, als wenn sie extra dafür aufbrechen müssten.

Ein weiteres Thema für die Branche ist die Übergabe von Clubs an die nächste Generation von Betreiberinnen und Betreibern.

Awareness-Konzepte werden zur Pflicht

Der Fokus auf Sicherheit und Awareness in der Clubszene ist nach Angaben der VCC enorm gestiegen. Gäste erwarten heute Sicherheitsstrukturen und eine klare Reaktion auf Diskriminierung. In Wien ist das inzwischen auch gesetzlich geregelt: Ab einer bestimmten Größe müssen Clubs Awareness-Personen einsetzen und über ein entsprechendes Awareness-Konzept verfügen. Diese Vorgabe stammt von der Stadt Wien.

Die VCC testet zudem ein Pilotprojekt namens „Neighbourhoods for All“ am Gürtel. Bei drei Veranstaltungen im öffentlichen Raum kommen dabei eigene Awareness-Teams zum Einsatz. Ergänzend arbeitet die VCC mit der App „SafeNow“ zusammen, über die Nutzerinnen und Nutzer per Knopfdruck Hilfe anfordern können.

Als Herausforderung bleibt zudem der öffentliche Raum bestehen: Wegen der Hitze weichen viele Menschen stärker dorthin aus, etwa auf die Donauinsel, wo es auch illegale Partys gibt. Eine Dauerherausforderung für die Szene sind außerdem Anrainerbeschwerden. Inhaltlich rückt laut Brunner unterdessen das Tanzen wieder stärker in den Mittelpunkt des Ausgehens.

Awareness-Arbeit als Teil der Nachtkultur

Awareness-Konzepte haben sich in den vergangenen Jahren in vielen europäischen Clubszenen zu einem festen Bestandteil des Veranstaltungsbetriebs entwickelt. Grundsätzlich geht es dabei um geschulte Ansprechpersonen, die im Veranstaltungsbetrieb präsent sind, um im Bedarfsfall zu vermitteln, zu deeskalieren oder Betroffene von Übergriffen und Diskriminierung zu unterstützen. Solche Teams arbeiten üblicherweise unabhängig von Sicherheitspersonal und Türsteherdiensten, da ihr Auftrag nicht auf Zutrittskontrolle, sondern auf Unterstützung und Prävention ausgerichtet ist.

Auch digitale Hilfsangebote wie Notfall-Apps sind in der Nachtökonomie mittlerweile verbreitet. Sie sollen es ermöglichen, im Bedarfsfall schnell und diskret Unterstützung zu holen, etwa wenn eine direkte Ansprache vor Ort nicht möglich oder nicht gewünscht ist. Für Clubbetreiber bedeuten verpflichtende Awareness-Strukturen zusätzlichen organisatorischen und personellen Aufwand, der zu den ohnehin gestiegenen Betriebskosten hinzukommt.

Die Verschiebung von Ausgehzeiten und der geringere Alkoholkonsum jüngerer Generationen sind Entwicklungen, die auch in anderen europäischen Großstädten diskutiert werden. Für Clubbetreiber stellt sich dabei grundsätzlich die Frage, wie sich wirtschaftlich tragfähige Konzepte mit veränderten Konsum- und Freizeitgewohnheiten vereinbaren lassen, etwa durch alternative Einnahmequellen abseits des klassisch