In der Praterstraße 56 in der Leopoldstadt führt Thomas Edlinger seit 2019 das Restaurant „Edlingers Tempel“. Der gebürtige Salzburger setzt in seiner Küche konsequent auf heimische Zutaten, deren Herkunft er transparent benennt. Zu seinen Lieferanten zählen unter anderem Forellen aus dem Bluntautal, Schweine aus dem Tullnerfeld, Milchkälber aus dem Waldviertel und Gänse aus Steyr.
Regionale Zutaten als Markenzeichen
Edlinger verarbeitet neben Fleisch und Fisch auch Weizen, Kichererbsen und Berglinsen, die aus Wien stammen. Die Berglinsen bezeichnet er selbst als „Wienerberglinsen“. Flusskrebse bezieht er von einem Fischer vom Traunsee, der sie aus der Traun fischt. Diese Herkunftsangaben sind Teil des Konzepts, mit dem der Gastronom seine Gerichte gestaltet.
Klassische Speisen interpretiert Edlinger mit regionalen Produkten neu. So bereitet er Vitello tonnato mit geräucherten Fischen aus Oberösterreich zu, während Ceviche bei ihm mit Bachforelle aus dem Bluntautal entsteht. Aalruttenleber mariniert er roh mit Wiener Rum, Limette, Chili und Olivenöl. Auf der Karte finden sich zudem Gerichte wie Praterpilzragout mit Wildkräutern für 22 Euro, Rindsroulade mit Sommertrüffelravioli für 28 Euro und Lammbeuschel mit Topfensemmelknödel für 22 Euro. Wer es leichter mag, kann zu Wiener Falafel mit Zucchini-Zitrus-Salat um 16 Euro oder zu Vitello „Austrian Style“ um 18 Euro greifen.
Seit 18 Jahren veranstaltet Edlinger im Herbst einen Trüffelmarkt. Im Jahr 2026 findet dieser am 7. und 14. November statt. Das Restaurant hat von Dienstag bis Samstag jeweils von 11 bis 15 Uhr und von 18 bis 23 Uhr geöffnet, Kartenzahlung ist möglich.
Stationen zwischen Salzburg, den Bermudas und Wien
Bevor Edlinger nach Wien kam, sammelte er Küchenerfahrung im Hotel „Elefant“ und im Restaurant „Riedenburg“ in Salzburg. Danach arbeitete er zwei Jahre lang auf den Bermudas. In Wien half er zunächst einem Freund im Restaurant „Pan e Wien“ aus, ein Jahr später übernahm er den Betrieb selbst. Der „Tempel“ war bereits Ende der 1980er-Jahre in der Zirkusgasse ansässig, ehe das damalige Gebäude abgerissen wurde.
Herkunftsnachweise in der Gastronomie
Die genaue Nennung von Lieferanten und Produktionsregionen hat sich in der heimischen Gastronomie in den vergangenen Jahren zu einem eigenständigen Qualitätsmerkmal entwickelt. Betriebe, die auf regionale Zutaten setzen, verweisen damit häufig auf kürzere Transportwege, saisonale Verfügbarkeit und eine engere Beziehung zu landwirtschaftlichen oder fischereilichen Produzenten. Gerade bei Fisch und Fleisch gilt die Nachvollziehbarkeit der Herkunft vielen Gästen als Hinweis auf Frische und Haltungsbedingungen.
Auch die Neuinterpretation klassischer Gerichte mit regionalen Produkten ist ein verbreiteter Ansatz in der österreichischen Küche. Dabei werden traditionelle Zubereitungsarten, etwa aus der italienischen oder internationalen Küche, mit heimischen Rohstoffen kombiniert. Dies erlaubt es Küchenchefs, bekannte Gerichte neu zu interpretieren, ohne auf importierte Zutaten angewiesen zu sein.
Veranstaltungen wie Trüffelmärkte sind in der gehobenen Gastronomie ein saisonales Format, um besondere Produkte außerhalb des regulären Speiseplans anzubieten. Üblicherweise finden solche Märkte im Herbst statt, wenn die Trüffelsaison in Mitteleuropa beginnt, und richten sich sowohl an Stammgäste als auch an Interessierte, die gezielt wegen des Angebots kommen.
Der vorliegende Beitrag über „Edlingers Tempel“ wurde von Klaus Kamolz im Rahmen der Kolumne „Lokalaugenschein“ verfasst und erschien am 3. Oktober 2026. Mit diesem Artikel verabschiedet sich der Autor von dieser Kolumne.
Hinweis zur Faktenprüfung
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