Eine Dokumentation über das Wiener Rathaus ist bei den US International Awards in Los Angeles ausgezeichnet worden. Der Film „Hinter den Fassaden des Wiener Rathauses“ von Alexander und Nadeschda Schukoff erhielt in der Kategorie „Culture & Lifestyle“ die Auszeichnung in Gold. Die Dokumentation zeigt Hintergründe zu Architektur, Geschichte und Archivbeständen des Gebäudes und ist online bei 3-Sat abrufbar.
Auszeichnung für Rathaus-Dokumentation
Produziert wurde der Film von Alexander und Nadeschda Schukoff. Die ersten Konzeptarbeiten begannen im Sommer 2021, die eigentlichen Dreharbeiten starteten 2022. Unterstützt wurde die Produktion von der Stadt Wien und der Wirtschaftskammer Wien. Bei den US International Awards in Los Angeles wurde die Dokumentation in der Kategorie „Culture & Lifestyle“ mit Gold prämiert.
Inhaltlich befasst sich der Film mit dem Wiener Rathaus, das 1883 nach einem Siegerentwurf des Architekten Friedrich Schmidt errichtet wurde. Die Fassade des Gebäudes ist mit 76 Steinfiguren geschmückt. Sie zeigen Habsburger, Allegorien der Bürgerpflichten, Wappenträger der Wiener Vorstädte sowie Vertreter bürgerlicher Berufe.
Ein weiteres Thema der Dokumentation ist die umfangreiche Sanierung der Natursteine des Rathauses. Die Restaurierungsarbeiten begannen 2012 und waren ursprünglich auf ein Jahrzehnt angelegt. Sie wurden in elf Abschnitten durchgeführt. Die Fertigstellung der Sanierung wurde 2024 gefeiert.
Der Film widmet sich zudem den weniger bekannten Bereichen des Gebäudes. Im Tiefspeicher des Rathauses lagern unter anderem Bücher, Prospekte, Plakate, Fotobücher, Rezepte und Speisekarten. Dort wird auch der gesamte Nachlass des Musikkritikers Marcel Prawy aufbewahrt, der seine Unterlagen in Plastiksackerln archivierte. Ebenfalls im Rathaus verwahrt wird der Originaltext des Wiener Walzers.
Ein Rathaus als politisches und gesellschaftliches Symbol
Rathäuser dienen in vielen europäischen Städten traditionell nicht nur als Verwaltungssitz, sondern auch als repräsentatives Symbol kommunaler Selbstverwaltung. Historistische Bauten wie das Wiener Rathaus wurden im 19. Jahrhundert oft bewusst prunkvoll gestaltet, um die Bedeutung der Stadtverwaltung und des Bürgertums sichtbar zu machen. Skulpturen und Fassadenschmuck an solchen Gebäuden greifen häufig historische Ereignisse, gesellschaftliche Gruppen oder ideelle Werte auf und sollen die Identität der Stadt widerspiegeln.
Auch die Aufbewahrung von historischen Dokumenten, Fotografien und Objekten gehört bei größeren Verwaltungsgebäuden vielerorts zum Alltag. Archive in Rathäusern dokumentieren häufig nicht nur Verwaltungsvorgänge, sondern auch kulturelle und gesellschaftliche Entwicklungen einer Stadt. Nachlässe bekannter Persönlichkeiten finden in solchen Archiven mitunter einen dauerhaften Platz, wodurch stadtgeschichtliche und kulturelle Zusammenhänge über lange Zeiträume nachvollziehbar bleiben.
Die Sanierung historischer Fassaden aus Naturstein stellt bei Gebäuden dieser Größenordnung generell eine langwierige Aufgabe dar. Witterungseinflüsse, Umweltverschmutzung und das Alter des Materials führen dazu, dass Steinoberflächen im Lauf der Jahrzehnte beschädigt werden können. Restaurierungsprojekte werden deshalb häufig in mehreren Bauabschnitten umgesetzt, um den laufenden Betrieb eines genutzten Gebäudes möglichst wenig zu beeinträchtigen. Solche Vorhaben erstrecken sich bei bedeutenden historischen Bauwerken nicht selten über viele Jahre.
Das Wiener Rathaus steht zudem im Zusammenhang mit einem bedeutenden Kapitel der österreichischen Demokratiegeschichte: 1919 wurde das allgemeine, gleiche Wahlrecht für Frauen und Männer eingeführt. Solche historischen Meilensteine werden in Verbindung mit zentralen politischen Gebäuden wie Rathäusern häufig besonders hervorgehoben, da diese Orte über lange Zeiträume hinweg Schauplätze politischer Entscheidungsprozesse waren.





