Männer als Teil der Lösung: Wie Österreich Gewalt gegen Frauen bekämpft
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Gewalt gegen Frauen: Experten betonen Rolle von Männern in der Prävention

In der öffentlichen Diskussion über Gewalt gegen Frauen wird verstärkt die Rolle von Männern in der Präventionsarbeit hervorgehoben. Fachleute aus Beratungseinrichtungen und Opferschutzeinrichtungen plädieren dafür, Männer stärker als aktiven Teil der Lösung einzubeziehen.

Im Jahr 2026 wurden in Niederösterreich vier mutmaßliche Femizide verzeichnet. Gewalt gegen Frauen wird dabei von Fachpersonen nicht nur als individuelles, sondern auch als gesellschaftlich relevantes Thema beschrieben.

Frühe Gewaltformen erkennen und handeln

Die Sozialarbeiterin Katharina Nickel von der Frauenberatungsstelle „Frauen für Frauen“ kritisiert, dass Gewalt gegen Frauen häufig als privates Problem gesehen wird. Sie verweist darauf, dass bei der Polizei eine Gefährdungseinschätzung vorgenommen wird, wenn sich betroffene Frauen dorthin wenden. Auf Basis dieser Einschätzung können Maßnahmen gesetzt werden.

Als frühe Formen von Gewalt werden psychische, soziale und ökonomische Gewalt genannt. Dazu zählen etwa Situationen, in denen eine Frau nicht selbst entscheiden darf, mit wem sie spricht oder wen sie treffen darf. Fachleute betonen, dass solche frühen Formen ernst genommen werden müssen, um Eskalationen entgegenzuwirken.

Als mögliche strukturelle Maßnahme wird ein Gewaltschutz nach spanischem Vorbild erwähnt, der auf einer engen Zusammenarbeit verschiedener Institutionen wie Justiz und Polizei beruht.

„Männer müssen Teil der Lösung sein“

Alexander Grohs, Vertreter des Vereins Neustart, fordert mehr Anlaufstellen für Männer. Er wird mit dem Satz zitiert: „Männer müssen Teil der Lösung sein“. Nach seinen Angaben sind 90 Prozent der Gewalttäter und -täterinnen im häuslichen Bereich Männer; er spricht von einem klaren Schwergewicht männlicher Gewalt im häuslichen Umfeld.

Grohs betont, es könne nicht sein, dass Frauen die alleinige Verantwortung dafür tragen, dass keine Gewalt gegen sie ausgeübt wird. Er berichtet, häufig die Aussage „Es sind ja nicht alle Männer so“ zu hören, verweist aber zugleich auf eine „schweigende Mehrheit“ von Männern, die sich nicht aktiv einbringt. Der Großteil der Männer sei gegen Gewalt gegen Frauen, eine stärkere aktive Einmischung könne aus seiner Sicht einen gesellschaftlichen Ankerpunkt für Veränderung bieten.

Gewalt gegen Frauen beschreibt Grohs als geprägt von Kontroll- und Besitzdenken. Einen Femizid bezeichnet er als „Gipfelpunkt der Gewalt“ und weist darauf hin, dass Gewalt gegen Frauen oft Wochen, Monate oder Jahre zuvor beginne. Aus seiner Sicht müsse bei frühen Gewaltformen angesetzt werden.

Angebote für Männer in Krisensituationen

Der Verein Neustart arbeitet mit Männern, die von Justiz oder Polizei zugewiesen werden. Laut Grohs sind viele dieser Männer zu Beginn nicht einsichtig. Viele hätten in Erziehung oder Sozialisation gelernt, stark sein zu müssen, nicht weinen zu dürfen und Probleme alleine zu bewältigen.

Im Rahmen der Arbeit bei Neustart können Männer einen Ort finden, an dem sie sich öffnen und über ihre Probleme sprechen können, ohne dass ihnen dadurch Konsequenzen drohen. Nach den vorliegenden Schilderungen nehmen die meisten Männer dieses Angebot an und erkennen darin einen Mehrwert. Es wird dargestellt, dass viele Gewalttäter keine Gewalt ausüben wollen, aber über kein anderes Handlungsrepertoire verfügen oder Gewalt von klein auf, etwa in der Familie, kennengelernt haben. Männergewalt wird als veränderbar beschrieben und nicht als unveränderliches Naturgesetz.

Im Zusammenhang mit Gewaltprävention wird gefordert, Männern klar zu signalisieren, dass es in Ordnung ist, sich Hilfe zu holen, wenn sie mit ihren Emotionen nicht zurechtkommen. Es soll vermittelt werden, dass sie nicht alleine sein müssen und dass es andere Wege als eine Gewalteskalation gibt. Grohs appelliert zudem an Männer, Gewalt in ihrem Umfeld häufiger anzusprechen, wenn sie Übergriffe durch andere Männer wahrnehmen.

Häufigkeit von Gewalt und Beratungsangebote

In Österreich ist nach den vorliegenden Angaben jede fünfte Frau von körperlicher Gewalt betroffen. Psychische und physische Übergriffe passieren demnach in allen Gesellschaftsschichten und Kulturen.

Bei akuter Gewalt oder in Krisensituationen stehen österreichweit und regional zahlreiche Anlaufstellen zur Verfügung. Genannt werden unter anderem die Frauenhelpline unter der Nummer 0800/222 555, Frauenhäuser und Gewaltschutzzentren.

Für Männer in seelischen Ausnahmezuständen werden die Anlaufstelle „Männerinfo“ mit der Telefonnummer 0800/400 777 sowie der „Männernotruf“ mit der Nummer 0800/246 247 genannt. Zudem gibt es Angebote zur Gewaltprävention beim Verein Neustart.

Hinweis zur Faktenprüfung

Diese Informationen wurden mit KI-Unterstützung auf Basis der vorliegenden Daten gegengeprüft und sprachlich aufbereitet. Die Angaben beziehen sich auf den zum Erstellungszeitpunkt verfügbaren Informationsstand.