Neuer „Rudolf Buchbinder Saal“ in Grafenegg eröffnet
In Grafenegg wird am Freitagabend der neue „Rudolf Buchbinder Saal“ erstmals seit seinem Umbau öffentlich musikalisch genutzt. Namensgeber Rudolf Buchbinder, weltweit gefeierter Pianist und Intendant des Grafenegg Festivals, wird das Eröffnungskonzert selbst am Klavier gestalten.
Der Saal ist aus der historischen Reitschule des Schlossgeländes hervorgegangen und bildet nun die dritte Veranstaltungsstätte in Grafenegg. Die Eröffnung fällt in die letzte Saison Buchbinders als künstlerischer Leiter des Festivals.
Rudolf Buchbinder und „sein“ Saal
Buchbinder zeigt sich kurz vor der offiziellen Eröffnung sehr bewegt. Er sagt, er beginne die Realität der Saalbenennung nach ihm langsam zu begreifen, empfinde es aber als schwer zu registrieren und als unglaublich, dies als lebender Künstler zu erleben. Im Hinblick auf das Eröffnungskonzert vergleicht er seine Situation mit einem Heimvorteil im Fußball, betont jedoch, das Publikum im „Rudolf Buchbinder Saal“ sei genauso kritisch wie in einem fremden Konzertsaal.
Rudolf Buchbinder ist seit Beginn von Grafenegg als musikalischem Zentrum in Niederösterreich im Jahr 2007 künstlerischer Leiter des Grafenegg Festivals. Die kommende Saison wird nach rund 20 Jahren seine letzte in dieser Funktion sein.
Neue Rolle nach Ende der Intendanz
Für die Zeit nach seiner Intendanz kündigt Buchbinder an, Grafenegg verbunden zu bleiben. Er erklärt, er gehe nicht weg und werde ab dem nächsten Jahr Präsident des Festivals sein. Dem Publikum werde er nicht verloren gehen. Zugleich betont er, er wolle sich in seiner künftigen Rolle nicht aktiv einbringen, außer auf Verlangen, und nur in beratender Funktion tätig sein, wenn es notwendig sei.
Rückblick auf Dirigenten-Ausfall
Im Gespräch wird auch ein Vorfall aus dem Vorjahr angesprochen, bei dem Zubin Mehta als Dirigent für ein Konzert ausgefallen ist. Buchbinder sagt, eine Absage tue immer weh, und bezeichnet den Moment, als Mehta nicht kommen konnte, als den aufregendsten Moment. Er berichtet, Daniel Barenboim habe sich damals bereiterklärt, spontan für Mehta einzuspringen, sei in der Nacht jedoch auf dem Weg zur Toilette gestürzt.
Leben für das Klavier
Buchbinder spielt nach eigenen Angaben seit frühester Kindheit Klavier und war mit fünf Jahren der jüngste Student an der Musikakademie. Er steht bis heute auf der Bühne und sagt, er könne sich nicht vorstellen, irgendwann nicht mehr selbst Klavier spielen zu wollen. Die Musik bezeichnet er als Lebenspartner und spricht von einem Privileg, weil sie ihn begleite.
Er berichtet, die Leute würden sagen, er sei ein Wunderkind gewesen, betont aber, er möge diese Bezeichnung nicht. Er begründet dies mit Assoziationen zu jungen Eiskunstläuferinnen und Kindern, die von ehrgeizigen Müttern gedrillt werden. Er selbst habe nie gezwungen werden müssen, Klavier zu spielen, sei vielmehr zum Klavier gerannt und habe gespielt. Auch während der Pubertät habe er keine Probleme mit dem Klavierspiel gehabt und nach eigener Aussage nie mit dem Klavier gehadert.
Auszeichnungen und Blick nach vorn
Im Laufe seines Lebens hat Rudolf Buchbinder zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter im Vorjahr in Venedig den Preis „Ein Leben für die Musik“. Er sagt, den 80. Geburtstag gesund zu erleben, sei ein Geschenk und auch eine Auszeichnung. Er äußert die Hoffnung, so lange er lebt musizieren zu können, und vergleicht sein Leben in Bezug auf das Musizieren mit dem Weltall beziehungsweise dem Universum, in dem es kein Ende gebe. Wenn etwas aus sei, müsse noch etwas nachkommen, so beschreibt er seine Sicht auf das eigene Leben.
Das Eröffnungskonzert des „Rudolf Buchbinder Saals“ wird am 29. Mai ab 20.15 Uhr live-zeitversetzt auf ORF III ausgestrahlt.








