mumok in Wien: Neue Leitung stellt Programm und Ausrichtung vor
Das Museum Moderner Kunst (mumok) in Wien ist derzeit geschlossen, bereitet aber unter der neuen Generaldirektorin Fatima Hellberg umfangreiche Programmformate und Ausstellungen vor. Ab Freitag sollen Besucherinnen und Besucher über Workshops, Vorträge und weitere Veranstaltungen wieder Zugang zum Haus erhalten.
Hellberg, die ihr Amt im Oktober 2025 angetreten hat, arbeitet an einer Neuaufstellung des Hauses. Sie fasst ihren Kurs in drei Kernpunkten zusammen: „Wir öffnen den Prozess, den Zugang und das Haus.“
Öffnung des Hauses und neue Formate
Am Tag nach der Schließung der letzten von Karola Kraus programmierten Ausstellungen stellte Hellberg ihren Kurs vor. In der Vorwoche ließ sie die lange zugemauerten Fenster in den Ausstellungsräumen wieder öffnen und bezeichnete diesen Schritt als symbolischen Akt. Künftig sollen bei Bedarf dunkle Folien eingesetzt und Fotografie nicht in Fensternähe gehängt werden.
Hellberg beschreibt die neuen Angebote als Formate für eher intime Gruppen und nicht für tausende Menschen. Nach ihren Angaben ist die Besucherzahl nicht der einzige Indikator für Erfolg. Viele Angebote sind gratis oder kostengünstig, der Eintritt zum Prolog der Ausstellung „Terminal Piece“ ist frei.
Programmstart mit „Tolia Curriculum“
Ab Freitag, dem 22. Mai, lädt die Künstlerin Tolia Astakhishvili im mumok zum Format „Tolia Curriculum“. Dieses läuft bis 18. Juni und umfasst Workshops, Vorträge, Filmvorführungen, Lesungen und partizipative Formate für Erwachsene, Familien und Kinder. Die Programmpunkte beziehen sich auf die Vorarbeiten zu Astakhishvilis Ausstellung „Figure of the Child“.
Astakhishvili, 1974 geboren und in Tiflis und Berlin lebend, leitet im Rahmen des Programms auch Tai-Chi- und Qi Gong-Stunden. Am Samstag lädt sie in einem Open Studio dazu ein, von ihr begonnene Zeichnungen weiterzuführen. Für sie sind Kinder ein besonderes Symbol für Neugierde, Kreativität und Verletzlichkeit. Am Sonntag eröffnen Harun Farockis Einschlafgeschichten ein poetisches Format für Familien und Kinder, bei dem mit Gipsformen experimentiert werden kann.
Kommende Ausstellungen „Figure of the Child“ und „Terminal Piece“
Die Ausstellung „Figure of the Child“ von Tolia Astakhishvili wird am 20. Juni im mumok eröffnet und erstreckt sich über zwei Ebenen. Ebenfalls am 20. Juni startet die Ausstellung „Terminal Piece“, die als fünfaktige Gesamterfahrung über fünf Etagen des Hauses konzipiert ist und bis 7. Februar 2027 läuft.
„Terminal Piece“ wird von Fatima Hellberg und dem Chefkurator Lukas Flygare kuratiert. Für die Eingangsebene gestaltet die Bühnen- und Kostümbildnerin Anna Viebrock eine Präsentation auf 700 Quadratmetern. Dort werden 188 Werke aus der Sammlung des mumok gezeigt, die gemeinsam mit den Kuratorinnen und Kuratoren des Hauses ausgewählt wurden. Die Sammlung des mumok umfasst insgesamt 12.500 Objekte.
Die Hängung der Werke ist den privaten Wohnräumen der Sammler Peter und Irene Ludwig sowie Wolfgang Hahn nachempfunden. Gezeigt werden unter anderem Arbeiten von Joseph Beuys, Bruno Gironcoli, Hans Haacke, Friederike Mayröcker, Rudolf Schwarzkogler, Rosemarie Trockel und Franz West. Mithilfe des mumok Boards und privater Förderer konnte freier Eintritt zur Eingangsebene der Ausstellung zumindest bis 30. September ermöglicht werden.
Vortrag von Laurids Ortner zur Transformation des Hauses
Begleitend zum Programm spricht Architekt Laurids Ortner am Freitag im mumok unter dem Titel „Herzkammer“. Thema des Vortrags sind „die Strukturen, die sichtbar werden, wenn sich ein Haus verwandelt“. Ortner hält diesen Vortrag vier Tage vor seinem 85. Geburtstag.
Interne Veränderungen und finanzielle Unsicherheiten
Hellberg will im mumok Bürokratismen abbauen, Hierarchien verflachen und Mitverantwortung stärken. Für diese internen Veränderungen soll teilweise externe Unterstützung herangezogen werden; den Begriff „Change Prozess“ vermeidet sie dabei bewusst. Sie formuliert, ein Museum, das Neugier, Offenheit und Begegnung verkörpert, müsse diese Eigenschaften auch in der eigenen Arbeitsweise leben. In den kommenden Monaten will sie verstärkt Aufmerksamkeit auf die Arbeitsweise des Hauses legen.
Mit Blick auf die finanzielle Situation erklärt Hellberg, dass die Bundesmuseen, einschließlich des mumok, noch keine Information über die Höhe der in den kommenden Jahren verfügbaren Bundesmittel haben. Sie beschreibt dies als Moment großer Unsicherheit bei allen Beteiligten und äußert die Hoffnung auf einen Diskussionsprozess darüber, dass wirtschaftliche Krisen nicht zu höheren Zugangsbarrieren führen dürfen.
Bezug zur aktuellen Biennale
Hellberg war Mitglied der Auswahljury für den österreichischen Beitrag zur aktuellen Biennale. Sie verweist auf starke Reaktionen der ersten Tage auf den Beitrag der Künstlerin Florentina Holzinger, deren verstärkte Hinwendung zu Performancekunst und Installation als Drehpunkt in ihrer Karriere beschrieben wird. Holzinger wird seit neuestem von der Galerie Thaddaeus Ropac vertreten, Hellberg beobachtet ihre Karriere weiter.
Hinweis zur Faktenprüfung
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