Mehr psychologische Unterstützung an Schulen in Niederösterreich geplant
Die psychische Belastung von Kindern und Jugendlichen ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Fachleute und Interessenvertretungen sehen den Bedarf an schulpsychologischer Betreuung in Österreich deutlich höher als das bestehende Angebot.
In ganz Österreich wird die Schulpsychologie ausgebaut, mit besonderem Fokus auch auf Niederösterreich. Dort sollen zusätzliche Planstellen und ergänzende Angebote für Entlastung sorgen.
Hoher Bedarf an Betreuung
An der Universitätsambulanz für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie an der Universität für Weiterbildung Krems werden mittel- bis schwergradige Erkrankungen mit Leitsymptomen wie Depression, Angst, Trauma oder gestörtem Schlaf behandelt. Leiter Christoph Pieh nennt hohen Zeit- und Leistungsdruck, ständige Erreichbarkeit und Screentime als Gründe für gestiegene Belastungen bei jungen Menschen.
Österreichweit sind laut Bildungsministerium rund 250 Schulpsychologinnen und Schulpsychologen im Einsatz. Eine Psychologin beziehungsweise ein Psychologe betreut aktuell mehrere tausend Schülerinnen und Schüler, der Betreuungsschlüssel liegt damit deutlich über fachlich empfohlenen Verhältnissen. Pieh verweist auf ein Verhältnis von eins zu mehr als 5.000 und hält fest, dass es bei weitem nicht reicht.
Aus wissenschaftlicher Sicht wird festgehalten, dass die bestehenden Strukturen nicht ausreichen, um den Bedarf an Unterstützung zu decken. Die Schule wird dabei als zentraler sozialer Raum beschrieben, der eine wichtige Rolle bei frühzeitiger Unterstützung spielen kann. Pieh betont in diesem Zusammenhang: „Prävention ist immer besser als Intervention“ und weist darauf hin, dass es Ressourcen auf allen Ebenen brauche.
Situation in Niederösterreich
In Niederösterreich sind laut Bildungsdirektion derzeit 40 Schulpsychologen tätig, alle vom Bildungsministerium zugewiesenen Planstellen sind besetzt. Für das Bundesland wurden 22 zusätzliche Planstellen genehmigt, die noch im Jahr 2026 für Entlastung sorgen sollen. Aus der Abteilung Schulpsychologie heißt es, bis zum Ende des laufenden Jahres sei mit weiterer personeller Verstärkung zu rechnen.
In Niederösterreich gibt es rund 210.000 Schülerinnen und Schüler, davon etwa 120.000 Pflichtschülerinnen und Pflichtschüler. Auf eine Schulpsychologin beziehungsweise einen Schulpsychologen kommen mehrere tausend Schülerinnen und Schüler. Pro Schuljahr werden zwischen 2.200 und 2.500 schulpsychologische Gutachten erstellt, die im Gegensatz zu Gutachten in privaten Praxen kostenlos sind.
Die Terminvergabe orientiert sich an der Komplexität der Fragestellung und der Dringlichkeit des Falls. Ziel ist es, Wartezeiten so kurz wie möglich zu halten, ohne die Qualität der Beratung zu gefährden.
Stimmen von Psychotherapie, Eltern und Lehrkräften
Der Landesverband für Psychotherapie bezeichnet die Schulpsychologie als wichtige Maßnahme, die seit Langem im Schulsystem verankert ist. Zugleich wird betont, der Bedarf an schulpsychologischer Unterstützung sei weit höher als das verfügbare Angebot. Kinder und Jugendliche erlebten aktuell eine von Krisen und Umbrüchen geprägte Zeit, viele seien auf Unterstützung außerhalb der Schule angewiesen.
Nach Darstellung des Landesverbands ist die Suche nach externer Hilfe mit erheblichem Aufwand für Kinder, Jugendliche und Eltern verbunden, und Schülerinnen und Schüler erhielten oftmals nicht die erforderliche Unterstützung. Schulpsychologie könne eine wichtige erste Anlaufstelle sein, müsse dafür aber ausreichend verfügbar sein. Fachleute sehen neben einem quantitativen Ausbau auch strukturellen Anpassungsbedarf und fordern ein breiteres System an Unterstützungsangeboten – von niederschwelligen Zugängen bis hin zu spezialisierten Behandlungen.
Elternvertreter berichten von Schwierigkeiten im Alltag beim Zugang zu schulpsychologischer Unterstützung. Paul Haschka, Vertreter des Landesverbands der Elternvereine, erklärt, der Zugang sei oft unklar, wenig transparent und nicht ausreichend niederschwellig organisiert. Er beschreibt die aktuelle Situation als „Blackbox“ und äußert, man habe nicht den Eindruck, leicht einen Termin zu bekommen. Das schulpsychologische Angebot unterscheide sich seiner Ansicht nach stark je nach Schule. In vielen Fällen würden Elternvereine oder Gemeinden zusätzliche Angebote finanzieren; ohne diese Leistungen würde es nach seinen Worten nicht funktionieren.
Auch aus Sicht der Lehrervertretung reichen die bestehenden Angebote nicht aus. Demnach ist der Bedarf an psychologischer Begleitung in den letzten Jahren deutlich gestiegen. Immer mehr Kinder zeigen nach Einschätzung der Lehrervertretung emotionale, soziale oder psychische Schwierigkeiten, die über das hinausgehen, was im regulären Unterricht aufgefangen werden kann.
Claudia Andre, Vorsitzende des Zentralausschusses der Landeslehrer an allgemein bildenden Pflichtschulen bei der Bildungsdirektion, erklärt, in Akutsituationen werde meist schnell und professionell reagiert. Im Schulalltag fehle jedoch häufig die Kapazität für eine kontinuierliche und niederschwellige Begleitung. Viele Lehrpersonen geben laut Andre an, sich in belastenden Situationen zunächst selbst helfen zu müssen. Sie fordert mehr Supervisionsangebote für Lehrpersonen durch die Pädagogischen Hochschulen in Niederösterreich und Wien. Schulleiter berichten zudem anonym von gestiegenen Krankenständen im Lehrkörper, die sie auf Überlastung im Schulalltag zurückführen.
Ausbaupläne und Zuständigkeiten
Die Zuständigkeit für die Schulpsychologie liegt formal beim Bund. Aus dem Büro der niederösterreichischen Bildungslandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister (ÖVP) wird berichtet, dass bei der letzten Landesbildungsreferentenkonferenz ein Beschluss gefasst wurde. Demnach soll das Bildungsministerium gemeinsam mit den Ländern ein Gesamtkonzept für die Finanzierung von Maßnahmen erarbeiten.
Das geplante Konzept soll den Ausbau der Schulsozialarbeit, des administrativen Supportpersonals, der Schulpsychologie und des schulärztlichen Dienstes umfassen. Niederösterreich setzt zudem auf ergänzende Maßnahmen wie Schulsozialarbeit und Präventionsprogramme.
An der Universitätsambulanz in Krems an der Donau werden die Behandlungskosten für Patientinnen und Patienten zur Gänze von den Versicherungen getragen. Auch dies wird als Teil eines abgestuften Systems gesehen, in dem schulpsychologische Angebote, niederschwellige Unterstützung und spezialisierte Behandlungen ineinandergreifen sollen.
Hinweis zur Faktenprüfung
Diese Informationen wurden mit KI-Unterstützung auf Basis der vorliegenden Daten gegengeprüft und sprachlich aufbereitet. Die Angaben beziehen sich auf den zum Erstellungszeitpunkt verfügbaren Informationsstand.








