Pflege in Kärnten: Wachsende Nachfrage, Personalnot und Debatte über Gewinne
Die Pflege gilt in Kärnten als eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen der kommenden Jahre. Bis 2050 soll sich die Zahl der über 80‑Jährigen im Bundesland verdoppeln, womit ein steigender Pflegebedarf erwartet wird.
Bereits aktuell wird von fehlenden Pflegekräften und fehlenden finanziellen Mitteln für die Finanzierung des Pflegesystems berichtet. Vor diesem Hintergrund wird intensiv über die Rolle privater Einrichtungen, die Qualität der Versorgung und die Rahmenbedingungen für Beschäftigte diskutiert.
Politische Diskussion über Gewinne in der Pflege
Der neue Landeshauptmann von Kärnten, Daniel Fellner (SPÖ), erklärte in seiner Antrittsrede, es dürfe keine finanziellen Gewinne mit der Pflege geben. Diese Aussage bezieht sich auf den zunehmenden Anteil privater Pflegeeinrichtungen. Aktuell wird ein Vorschlag der SPÖ diskutiert, wonach private Pflegeheimbetreiber in Zukunft keine finanziellen Gewinne mehr lukrieren dürfen sollen; dieser Vorschlag wird Fellner zugeschrieben.
Zu einer Diskussionssendung zum Thema Pflege in Kärnten sagte Fellner ab. Auch Gesundheitsreferentin Beate Prettner (SPÖ) nahm aus terminlichen Gründen nicht teil. In der Sendung trat SPÖ-Klubobmann Luca Burgstaller auf. Er betonte, das Wesentlichste sei die bestmögliche Qualität für Menschen in stationärer Pflege und die bestmögliche Verwendung der eingesetzten öffentlichen Mittel.
Rolle privater Träger und Finanzierung
Christian Polessnig, Berufsgruppensprecher der Alten- und Pflegeheime in der Wirtschaftskammer, erklärte, ohne private Pflegeeinrichtungen könne die Versorgungssicherheit in Kärnten nicht aufrechterhalten werden. Die Branche fordere seit Jahren, das Pflegesystem aufgrund des zunehmenden Bedarfs auch finanziell neu zu denken.
Laut Bericht wurden die Tagsätze im Pflegebereich angehoben. Polessnig sagte, die Tagsätze im Kärntner Pflegebereich zählten zu den niedrigsten Österreichs und damit könnten nur Verluste gedeckt werden, von Gewinn könne keine Rede sein. Gemeinnützige und private Betreiber seien angehalten, so zu wirtschaften, dass sich der Betrieb finanziell ausgehe. Polessnig äußerte zudem, im öffentlichen Bereich versickere seiner Meinung nach Geld und kritisierte, dass öffentliche Betreiber mit demselben Tagsatz auskommen müssten, am Ende aber Abgangsdeckungen erhielten, die von Gemeinden getragen würden. Diese Abgangsdeckungen würden die Budgets der Gemeinden belasten. Er forderte, die Diskussion über Einsparungen oder Umverteilungen im öffentlichen Bereich zu führen und sprach sich für Investitionen in eine Qualitätsoffensive in der Pflege aus.
Beschwerden und Pflegequalität
Die Pflegeanwaltschaft Kärnten bearbeitete zuletzt rund 100 Beschwerden pro Jahr aus der stationären Langzeitpflege. Pflegeanwältin Bettina Irrasch gab an, etwa zwei Drittel dieser Beschwerden stammten aus dem gewinnorientierten Bereich. Sie wertete diesen hohen Anteil als Hinweis darauf, dass dort die Pflegequalität mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht in demselben Ausmaß erbracht werden könne wie im gemeinnützigen oder öffentlichen Bereich.
Personalnotstand und Arbeitsbedingungen
Der Personalnotstand wird als eines der derzeit größten Probleme in der Pflege beschrieben. In bestimmten Regionen Oberkärntens gibt es demnach bereits zu wenig Pflegekräfte. Heimbetreiber kritisieren, dass es in einigen dieser Regionen auch an Ausbildungsplätzen fehle. Dezentrale Ausbildungszentren werden als zunehmend wichtig bezeichnet.
Die Frauenvorsitzende der Gewerkschaft Kärnten, Silvia Igumnov, fordert ein besseres Betreuungsverhältnis in der Pflege, mehr Zeit für die Patienten sowie gerechtere Löhne für die Beschäftigten. Es brauche Arbeitsbedingungen, die ein gutes und gesundes Arbeiten bis zur Pension ermöglichten. Solche Bedingungen stellten nach ihren Aussagen die Versorgungssicherheit sicher.
Vorschläge zur Weiterentwicklung der Pflegeinfrastruktur
Pflegewissenschaftler Markus Golla von der Hochschule für angewandte Wissenschaften in Krems (IMC Krems) sprach sich für einen zusätzlichen Ausbau der Hauskrankenpflege und der Übergangspflege aus. Mit betreutem Wohnen, das rund um Pflegeheime angesiedelt ist, könnten Pflegeinfrastrukturen seiner Ansicht nach besser genutzt werden.
Hinweis zur Faktenprüfung
Diese Informationen wurden mit KI-Unterstützung auf Basis der vorliegenden Daten gegengeprüft und sprachlich aufbereitet. Die Angaben beziehen sich auf den zum Erstellungszeitpunkt verfügbaren Informationsstand.








