Zwischenruf bei Predigt führt zu politischem Schlagabtausch in Tirol
Ein Zwischenruf des FPÖ-Nationalratsabgeordneten Christoph Steiner bei einer Predigt von Bischof Hermann Glettler im Zillertal hat zu einem deutlichen Schlagabtausch zwischen ÖVP und FPÖ in Tirol geführt. Im Zentrum stehen Fragen nach Umgangsformen, Meinungsfreiheit und möglicher künftiger Zusammenarbeit der Parteien.
Die Auseinandersetzung entzündete sich an Steiners lautstarker Kritik während bzw. nach der Predigt bei der Feldmesse im Rahmen des Gauder Fests. In der Predigt warnte Bischof Glettler unter anderem vor jenen, die „das Blaue vom Himmel versprechen“ und von einer „guten alten Zeit“ sprechen; solche Aussagen bezeichnete er als „leere Worte“.
Auslöser der aktuellen Diskussionen ist ein Kommentar Steiners zu dieser Predigt. Zwei Tage nach der Feldmesse erklärte Steiner, wenn sich der Bischof in einer Predigt politisch äußere, könne er als gläubiger Politiker nach der Predigt sagen, der Bischof wäre wohl besser Politiker geworden.
Die ÖVP reagierte mit deutlicher Kritik. ÖVP-Klubobmann Jakob Wolf erklärte, wer meine, einem Bischof den Mund verbieten zu können, habe ein völlig falsches Verständnis von Meinungsfreiheit und gesellschaftlichem Diskurs. Wer so agiere, werde in Tirol „niemals regierungsfähig“ sein.
Auch Landeshauptmann Anton Mattle (ÖVP) äußerte sich zu dem Vorfall. Er bezeichnete das Verhalten Steiners als für ihn als gläubigen Menschen völlig unpassend. Die FPÖ sei in letzter Zeit durch „eigenartiges Verhalten“ aufgefallen, so Mattle, und nannte als Beispiel den Einsatz künstlicher Intelligenz, um politische Mitbewerber schlecht dastehen zu lassen. Solches Vorgehen „gehöre sich nicht“, ebenso wenig wie Zwischenrufe bei einer Feldmesse.
Mit Blick auf mögliche künftige Regierungskoalitionen erklärte Mattle, die Frage einer Zusammenarbeit mit der FPÖ stelle sich für ihn derzeit nicht. Er begründete dies damit, dass er in einer starken Koalition mit den Sozialdemokraten arbeite.
Die FPÖ weist die Kritik zurück und wirft der ÖVP politische Arroganz vor. In einer Aussendung erklärte FPÖ-Landtagsabgeordneter Patrick Haselwanter, Kritik an öffentlichen Aussagen eines Bischofs werde nicht mehr als legitimer Teil der politischen Debatte akzeptiert. Weder Kirche noch ÖVP würden darüber entscheiden, wer regierungsfähig sei; dies entschieden einzig und allein die Wählerinnen und Wähler.
Hinweis zur Faktenprüfung
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