Energieautonomie bis 2050: Kontroverse Debatte über Wasserkraft und Windräder in Tirol
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Diskussion über Energieautonomie in Tirol: Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Naturschutz debattieren in Haiming

In Haiming im Bezirk Imst fand am Dienstag eine öffentliche Diskussion über die künftige Energieversorgung in Tirol statt. Beim Format „Ein Ort am Wort“ debattierten im Oberlandsaal Vertreter aus Politik, Energiesektor, Naturschutz und Bürgerinitiativen gemeinsam mit dem Publikum über Wege zur Energieautonomie.

Geisler: Über 60 Prozent erneuerbare Energie

Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler (ÖVP) erklärte, Tirol decke mittlerweile über 60 Prozent seines Gesamtenergieverbrauchs durch erneuerbare Energiequellen. Um die angestrebte Energieautonomie bis 2050 zu erreichen, sei ein Mix aus Wasserkraft, Photovoltaik, Windkraft und Biomasse erforderlich. Als konkretes Projekt wurde in diesem Zusammenhang der Ausbau des Kraftwerks Kaunertal genannt.

Wasserkraft: Vorrang für Trinkwasser und Landwirtschaft

Bürgermeisterin Michaela Ofner äußerte die Bitte, dass Wasser, das für Wasserkraftwerke entnommen wird, aufbereitet werden solle. Aus dem Publikum kam die Forderung, das Ötztaler Wasser müsse im Ötztal bleiben. Johann Neuner, Leiter für Wasserkraftprojekte der TIWAG, entgegnete, Trinkwasser und Landwirtschaft hätten wasserrechtlich stets Vorrang. Das für die Energieerzeugung genutzte Wasser werde anschließend wieder zurückgeleitet. Auf die Forderung einer Zuseherin, verstärkt in Batteriespeicher statt in Pumpspeicher zu investieren, betonte Neuner, es handle sich dabei nicht um ein „Entweder/oder“, sondern um ein „Sowohl als auch“.

Windkraft: Chancen und Vorbehalte

Florian Maringer von der Interessensgemeinschaft Windkraft verwies auf Erfahrungen aus der Steiermark, wo Windkraft im alpinen Raum auf rund 2.000 Metern Seehöhe naturverträglich betrieben werde. Martin Voggenberger, Bürgermeister und Geschäftsführer des Windparks Munderfing in Oberösterreich, berichtete, dass ein Windkraftprojekt in seiner Gemeinde die Akzeptanz der Bevölkerung gefunden habe.

Gerd Estermann von der Bürgerinitiative Feldringer Böden zeigte sich dem Windkraftausbau im Gebirge gegenüber kritisch und verwies darauf, dass im Tiroler Oberland bereits zahlreiche Wasserkraftprojekte bestünden. Windparkpläne auf den Feldringer Böden sind derzeit Gegenstand von Diskussionen. Liliana Dagostin, Leiterin der Abteilung Raumplanung und Naturschutz beim Alpenverein, kritisierte, der Bevölkerung bleibe zu wenig Zeit, sich inhaltlich mit dem Thema auseinanderzusetzen.