Die KPÖ und die Grünen in Graz setzen ihre Zusammenarbeit fort. Nach der Gemeinderatswahl vom 28. Juni 2026, aus der die KPÖ als klare Siegerin hervorging, präsentieren beide Parteien am Freitag, den 20. August 2026, um 12.00 Uhr im Grazer Rathaus ihre neue Koalition. Damit setzt sich ein Bündnis fort, das bereits die vergangenen fünf Jahre die Grazer Stadtpolitik geprägt hat.
Koalition wird im Rathaus vorgestellt
Bei der Wahl Ende Juni baute die KPÖ ihren Abstand zur ÖVP im Vergleich zur Gemeinderatswahl 2021 weiter aus. Für die kommende Amtsperiode bilden KPÖ und Grüne erneut eine gemeinsame Koalition, da beide Parteien zusammen über eine Mehrheit im Gemeinderat verfügen. Die Verhandlungen zwischen den beiden Parteien liefen in mehreren Untergruppen und zogen sich über rund einen Monat hin.
Vorgestellt wird die neue Koalition von Bürgermeisterin Elke Kahr, Robert Krotzer und Manfred Eber, alle drei von der KPÖ, sowie von Judith Schwentner von den Grünen. In den zurückliegenden fünf Jahren hatte die KPÖ gemeinsam mit den Grünen und der SPÖ regiert. Für die neue Periode bilden nun KPÖ und Grüne die tragende Koalition.
Wegen des in Graz geltenden Proporzsystems sind auch Parteien außerhalb der Koalition im Stadtsenat vertreten: Die ÖVP stellt zwei Stadträte, die FPÖ einen. Welche Ressorts die einzelnen Mitglieder der neuen Koalition künftig verantworten werden, soll erst bei der Präsentation am Freitag bekanntgegeben werden. Im Vergleich zur vorangegangenen Periode könnte es dabei zu Verschiebungen in der Zuständigkeit einzelner Ressorts kommen.
Proporzsystem in der Grazer Stadtregierung
Grundsätzlich unterscheidet sich die Bildung von Stadtregierungen in Städten mit Proporzsystem von klassischen Koalitionsmodellen. Während in vielen anderen Kommunen ausschließlich jene Parteien im Stadtvorstand vertreten sind, die eine Koalition eingehen, sichert das Proporzsystem auch Oppositionsparteien Sitze im Stadtsenat zu, sofern sie einen entsprechenden Stimmenanteil erreichen. Die Anzahl der Stadtratssitze richtet sich dabei nach dem Wahlergebnis der jeweiligen Partei.
Das bedeutet in der Praxis, dass eine Koalition zwar über die politische Ausrichtung und die Verteilung zentraler Ressorts wie Finanzen, Soziales oder Stadtplanung entscheidet, einzelne Stadtratsposten aber unabhängig davon an stimmenstarke Parteien vergeben werden, die nicht Teil des Regierungsbündnisses sind. Dadurch können in einem Stadtsenat mehrere Parteien vertreten sein, auch wenn nur zwei von ihnen eine gemeinsame politische Linie verfolgen und die Koalition bilden.
Verhandlungen über eine Koalitionsbildung erfolgen üblicherweise in mehreren Themenbereichen, die häufig in eigenen Arbeits- oder Untergruppen behandelt werden, etwa zu Finanzen, Wohnen, Verkehr oder Sozialpolitik. Am Ende solcher Gespräche steht in der Regel ein gemeinsames Arbeitsprogramm sowie die Verteilung der Ressorts auf die beteiligten Parteien. Die konkrete Ressortaufteilung wird dabei traditionell erst mit der offiziellen Präsentation der Koalition öffentlich gemacht.








