Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP) hat im ORF OÖ-Sommergespräch mit Chefredakteur Stefan Hartl angekündigt, dass das Land Oberösterreich den Stadtanteil am Flughafen Linz kaufen will. Zusätzlich sollen private Investoren am Flughafen beteiligt werden. Auf die Frage nach dem Zeitplan sagte Stelzer: „Heuer wäre der Plan“.
Im selben Gespräch kündigte Stelzer außerdem an, dass die Verordnungen zu Verbots- und Beschleunigungszonen für Windkraft noch in diesem Jahr beschlossen werden sollen.
Neue Eigentumsstruktur für den Flughafen Linz
Bislang ist neben dem Land auch die Stadt Linz am Flughafen beteiligt. Stelzer will diesen städtischen Anteil nun übernehmen und den Kreis der Eigentümer parallel um private Investoren erweitern. Die Ausschreibung für diese privaten Investoren soll transparent ablaufen. Im vergangenen Jahr hatte Stelzer im Sommergespräch 2025 noch erklärt, die Eigentumsverhältnisse würden wenig daran ändern, ob neue Fluglinien nach Linz kommen.
Hintergrund der aktuellen Debatte sind die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Flughafens. Die Flugverbindung Linz-Frankfurt kostet das Land bis zu 36 Millionen Euro, ihre Auslastung liegt unter den erwarteten 60 Prozent. Stelzer räumte dazu ein: „Der Flughafen hat schwere Zeiten. Es wurden auch Fehler gemacht in den letzten Jahren.“ Der Landesrechnungshof hatte zuvor festgestellt, dass der Flughafen bis 2035 weitere 28 bis 45 Millionen Euro benötigt.
Windkraft-Ausbau und offene Kritikpunkte des Rechnungshofs
Neben dem Flughafen war die Windkraft-Politik des Landes Thema des Sommergesprächs. Stelzer kündigte an, dass die Verordnungen zu Verbots- und Beschleunigungszonen für Windkraft noch heuer beschlossen werden sollen. Die OÖ-Klimastrategie aus dem Jahr 2023 ist dabei rechtlich nicht bindend. Der Landesrechnungshof hatte sechs Empfehlungen zur Klimastrategie ausgesprochen, von denen die schwarz-blaue Koalition fünf ablehnte.
In den zehn Jahren der schwarz-blauen Koalition wurde in Oberösterreich nur ein neues Windrad errichtet. Im Vergleich dazu verfügt die Steiermark bei vergleichbarer Fläche über viermal mehr Windkraft-Anlagen und eine sechsmal höhere Leistung. Derzeit laufen in Oberösterreich rund neun Windkraftprojekte in Verfahren.
Ein zusätzlicher Faktor für den künftigen Strombedarf im Land ist der Bau eines Google-Rechenzentrums in Kronstorf. Im Vollausbau wird dieses Rechenzentrum nach den vorliegenden Angaben fast so viel Strom benötigen wie alle oberösterreichischen Haushalte zusammen. Google muss den dafür nötigen Strom selbst am Markt beschaffen. Auch die Energie AG investiert in den Ausbau der Energieinfrastruktur im Land: Sie baut das Pumpspeicherkraftwerk Ebensee und erweitert zudem das Traunfall-Kraftwerk.
Windenergie im Bundesländervergleich
Grundsätzlich hängt die Zahl der Windkraftanlagen in einem Bundesland von mehreren Faktoren ab, etwa von der Ausweisung geeigneter Flächen, von naturschutzrechtlichen Vorgaben und von den Genehmigungsverfahren für einzelne Projekte. Beschleunigungszonen sollen in solchen Verfahren üblicherweise dazu beitragen, dass Anlagen in dafür vorgesehenen Gebieten schneller genehmigt werden können, während Verbotszonen bestimmte Flächen von vornherein ausschließen. Wie viele Anlagen am Ende tatsächlich entstehen, zeigt sich regelmäßig erst über einen längeren Zeitraum, da zwischen Planung, Verfahren und Baubeginn mehrere Jahre liegen können.
ORF-Finanzierung und politischer Rahmen
Im Sommergespräch äußerte sich Stelzer auch zur Finanzierung des ORF. Die ÖVP schlägt vor, die Haushaltsabgabe abzuschaffen und den ORF künftig aus dem Bundesbudget zu finanzieren. Die Haushaltsabgabe war vor drei Jahren von der ÖVP selbst eingeführt worden. Bundesweit liegt die ÖVP laut APA-Wahltrend derzeit bei 19,7 Prozent. Die nächste Landtagswahl in Oberösterreich findet 2027 statt.





