In Natschbach-Loipersbach ist Sabine Tolstiuk (ÖVP) am Donnerstag zur Bürgermeisterin gewählt worden. Sie tritt die Nachfolge von Günther Stellwag an und ist die erste Ortschefin in der Geschichte der Gemeinde. Mit ihrer Wahl steht in Niederösterreich nun erstmals die 100. Bürgermeisterin gleichzeitig im Amt.
Erste Bürgermeisterin in Natschbach-Loipersbach
Sabine Tolstiuk übernimmt die Gemeindeführung in Natschbach-Loipersbach, das im Bezirk Neunkirchen liegt. Sie ist damit die zwölfte Frau, die in diesem Bezirk das Bürgermeisteramt bekleidet. Von den 44 Gemeinden im Bezirk Neunkirchen werden rund 27 Prozent von Frauen geleitet, ein im niederösterreichischen Vergleich überdurchschnittlicher Wert.
Mit ihrem Amtsantritt ist Tolstiuk die 100. Bürgermeisterin, die in Niederösterreich derzeit im Amt ist. Landesweit werden rund 17 Prozent der 573 Gemeinden von einer Frau geführt. Mehr als vier von fünf Gemeinden bleiben damit weiterhin von Männern geleitet. Die Zahl der Bürgermeisterinnen im Bundesland hat sich zwischen 2004 und 2026 verfünffacht. Niederösterreich weist damit im bundesweiten Vergleich den höchsten Anteil an Bürgermeisterinnen auf. Österreichweit lag der Frauenanteil unter den Bürgermeistern im August 2026 bei rund zwölf Prozent, bei insgesamt 2.092 Gemeinden im gesamten Bundesgebiet.
Auch auf anderen kommunalpolitischen Ebenen in Niederösterreich sind Frauen vertreten: Der Anteil an Vizebürgermeisterinnen liegt bei rund 25 Prozent, jener an Gemeinderätinnen bei etwa 30 Prozent.
Zwei Wegbereiterinnen der niederösterreichischen Kommunalpolitik
Die Entwicklung reicht in Niederösterreich weit zurück. Bereits 1948 wurde Zenzi Hölzl (SPÖ) Bürgermeisterin von Gloggnitz und damit die erste Bürgermeisterin Österreichs überhaupt. Sie übte das Amt zehn Jahre lang aus. 1996, fast fünf Jahrzehnte später, waren österreichweit erst 20 Frauen als Bürgermeisterin im Amt.
Im selben Jahr wurde Lisbeth Kern (SPÖ) zur Bürgermeisterin der Marktgemeinde Petzenkirchen im Bezirk Melk gewählt. Sie wurde in der Folge sechs Mal wiedergewählt und stand fast drei Jahrzehnte an der Spitze der Gemeinde. Kern gilt damit als längstdienende Bürgermeisterin Österreichs. Im Februar 2026 legte sie ihr Amt zurück, die Marktgemeinde verlieh ihr die Ehrenbürgerschaft. Ihr Nachfolger in Petzenkirchen wurde Günther Sidl (SPÖ).
Kommunalpolitik als traditionell männlich geprägtes Feld
Grundsätzlich gilt die Kommunalpolitik in Österreich seit Jahrzehnten als ein Bereich, in dem Männer traditionell stärker vertreten sind als Frauen. Bürgermeisterämter werden üblicherweise über Gemeinderatswahlen oder direkt durch die Bevölkerung besetzt, wobei die Nominierung von Kandidatinnen und Kandidaten meist über die jeweiligen Ortsparteien erfolgt. Strukturelle Faktoren wie die Vereinbarkeit des zeitintensiven Ehrenamts mit Beruf und Familie werden in der kommunalpolitischen Forschung häufig als ein Grund dafür genannt, dass Frauen in vielen Gemeinden seltener kandidieren oder gewählt werden als Männer.
In den vergangenen Jahrzehnten hat sich der Frauenanteil in kommunalen Spitzenämtern in Niederösterreich dennoch spürbar erhöht, wie die Entwicklung von einer einzigen Bürgermeisterin im Jahr 1948 bis zu mittlerweile 100 gleichzeitig amtierenden Bürgermeisterinnen zeigt. Bundesweit bleibt der Anteil an weiblichen Ortschefs mit rund zwölf Prozent jedoch weiterhin deutlich unter jenem der Männer, auch wenn einzelne Bundesländer wie Niederösterreich hier eine Vorreiterrolle einnehmen.







