Offener Protestbrief gegen neue Leitung des Schauspielhauses Wien
Die Regisseurin Sara Ostertag wurde als neue Leiterin des Schauspielhauses Wien ab der Saison 2027/28 bestellt. Die Bestellung erfolgt in einer „strukturellen Partnerschaft“ mit ihrem TEATA.
Gegen diese Entscheidung richtet sich ein offener Protestbrief, der von über 500 Personen unterzeichnet wurde. Der Brief enthält eine Solidaritätsbekundung mit dem derzeitigen Leitungsteam des Schauspielhauses Wien und fordert: „Das Schauspielhaus Leitungsteam muss bleiben.“
Solidarität mit aktuellem Leitungsteam
Zu den Erstunterzeichnern des offenen Briefs zählen der Autor Doron Rabinovici, die Kulturwissenschaftlerin Sabine Kock und die künftige Direktorin des Theaters der Jugend, Aslı Kışlal. Im Schreiben wird das aktuelle Leitungsteam des Schauspielhauses Wien namentlich als Marie Bues, Martina Grohmann, Tobias Herzberg und Mazlum Nergiz bezeichnet.
Dem bestehenden Team wird im offenen Brief ausdrücklich Unterstützung ausgesprochen. Die Unterzeichnenden stellen sich damit hinter die derzeitige künstlerische Leitung des Hauses.
Verfahren und Entscheidung der Stadt Wien
Die Stadt Wien hatte die Intendanz des Schauspielhauses Wien öffentlich ausgeschrieben. Laut Büro der Geschäftsgruppe Kultur und Wissenschaft der Stadt Wien wurde für die Besetzung ein mehrstufiges Verfahren mit einer Jury durchgeführt.
Nach Darstellung der Stadt setzte sich die Schauspielhaus-Jury intensiv mit den eingereichten Konzepten auseinander und sprach schließlich eine Empfehlung für Sara Ostertag und ihr Konzept aus. Die Jury bestand aus Arne Forke (Büro der Stadträtin), Eva Kohout (Kulturabteilung der Stadt Wien), der Dramaturgin Kathrin Bieligk und Nuran David Calis, dem Schauspieldirektor des Salzburger Landestheaters.
Reaktion der Kulturstadträtin
Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler erklärte, inhaltliche Kritik sei in einer offenen und demokratischen Gesellschaft erwünscht und begrüßenswert. Zugleich sagte sie, dass Sara Ostertag und ihr Team derzeit persönlichen Angriffen und Attacken ausgesetzt seien und dass dabei ihrer Ansicht nach eine Grenze massiv überschritten werde.
Kaup-Hasler führte aus, es zeige sich, dass Frauen, die in Kulturbetrieben Führungsverantwortung übernehmen, nach wie vor angefeindet werden. Sie bezeichnete Sara Ostertag als renommierte Theatermacherin mit internationaler Erfahrung sowie besonderer Expertise in der institutionellen Arbeit und in der Freien Szene in Wien.
Laut Kaup-Hasler bringt Ostertag ein diverses Team mit und hat ein zukunftsweisendes Konzept vorgelegt. Mit der Entscheidung für Ostertag setze die Stadt Wien nach ihren Worten einen kulturpolitischen Schritt, der zwei wichtige Häuser nachhaltig stärken soll.








