Bezirkskrankenhaus Kufstein stellt Lebensqualität von Krebspatienten in den Mittelpunkt
Am Bezirkskrankenhaus Kufstein kommen bei der Behandlung von Krebspatientinnen und -patienten standardisierte Fragebögen zur Lebensqualität zum Einsatz. Sie sollen helfen, Nebenwirkungen von Therapien früher zu erkennen und die Behandlung gezielter zu gestalten.
Die Fragebögen wurden in Zusammenarbeit mit der Medizinischen Universität Innsbruck entwickelt und gehören inzwischen zum Klinikalltag. Erstellung und Auswertung erfolgen in enger Kooperation mit der Universität, an der zur Lebensqualität von Krebspatientinnen und -patienten geforscht wird.
Lebensqualität als zentrales Therapieziel
Am Bezirkskrankenhaus Kufstein wird die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten besonders in den Mittelpunkt der Therapie gestellt. Mehr als 41.000 Menschen leben in Tirol mit einer Krebserkrankung, in Kufstein werden jährlich mehr als 1.700 Menschen mit einer Krebsdiagnose stationär und ambulant behandelt.
Die Fragebögen erfassen sowohl das körperliche als auch das seelische Wohlbefinden während der Behandlung. Sie dokumentieren unter anderem, wie es den Patientinnen und Patienten mit der Therapie geht, welche Nebenwirkungen auftreten und wie sehr diese sie belasten.
Unterstützung für Arzt-Patienten-Gespräch
Für das Behandlungsteam dienen die Bögen als Unterstützung im Gespräch mit den Patientinnen und Patienten. August Zabernigg, Leiter der Inneren Medizin in Kufstein, berichtet, dass er mit Hilfe der Angaben gezielt auf jene Punkte fokussieren kann, die die einzelne Person besonders belasten. So können Zeitressourcen im Gespräch genutzt werden, um vorrangig diese Themen anzusprechen.
Zabernigg zufolge machen sich viele Menschen während der Krebstherapie große Sorgen; auch das soziale und das Familienleben können beeinträchtigt sein. Solche seelischen und sozialen Probleme würden in vielen Routinegesprächen nicht erhoben, werden in Kufstein aber systematisch über die Fragebögen erfasst. Auf dieser Basis können Familien rechtzeitig in die Behandlung einbezogen und psychologische Unterstützungsangebote in Anspruch genommen werden.
Beispiel eines Patienten
Der Patient Josef Exenberger erhielt vor vier Jahren die Diagnose einer bösartigen Krebserkrankung des Knochenmarks und kommt derzeit einmal wöchentlich zur Behandlung nach Kufstein. Er füllt regelmäßig die standardisierten Fragebögen aus und gibt darin an, wie es ihm mit der Behandlung geht, welche Nebenwirkungen auftreten und wie sehr sie ihn belasten.
Exenberger bezeichnet die Fragebögen als sinnvoll. Beim Ausfüllen werde ihm bewusst, wo er seine Antworten ankreuze und dass die letzte Woche nicht so schlecht gewesen sei.
Wissenschaftlicher Hintergrund und Ausblick
Das Fragebogenprojekt zur Lebensqualität von Krebspatientinnen und -patienten begann in Kufstein als Forschungsprojekt und ist heute fester Bestandteil der Versorgung. An der Medizinischen Universität Innsbruck begleitet der klinische Psychologe Bernhard Holzner die wissenschaftliche Arbeit.
Holzner verweist auf zahlreiche Studien, die zeigen, dass Patientinnen und Patienten von einem verbesserten Behandlungsmanagement profitieren. Durch ein solches Management würden Nebenwirkungen früher erkannt, wodurch den Betroffenen viel Leid erspart werden könne. Weitere wissenschaftliche Projekte zur Erforschung und Verbesserung der Lebensqualität von Krebspatientinnen und -patienten sind geplant.








