Scherben der Vergangenheit: Schloss Loosdorf enthüllt einzigartige Ausstellung zur Broken Collection
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Neue Ausstellung im Schloss Loosdorf rückt „Scherbenzimmer“ in den Mittelpunkt

Im Schloss Loosdorf im Bezirk Mistelbach im Weinviertel startet an einem Samstag nach dem 28. Mai 2026 eine neue Ausstellung, in der die zerstörte Porzellansammlung des sogenannten „Scherbenzimmers“ im Zentrum steht. Die Präsentation zeigt das Zusammenspiel von zeitgenössischer Kunst, Restaurierung und Forschung mit den historischen Fragmenten.

Die Ausstellung läuft bis Mitte September 2026 und bildet einen Höhepunkt des Forschungsprojekts „Broken Collection“ (2022–2026), das von der Universität für angewandte Kunst Wien gemeinsam mit Schloss Loosdorf durchgeführt und vom Wissenschaftsfonds FWF gefördert wird.

Historische Porzellanscherben als Ausgangspunkt

Schloss Loosdorf ist für sein „Scherbenzimmer“ bekannt, in dem sich eine zerstörte Porzellansammlung befindet. Kuratorin Christina Stadlbauer beschreibt diesen Raum als eine Art Installation. Im Scherbenzimmer liegen Fragmente von Vasen, Tellern, Krügen und Trinkgefäßen aus dem 17. bis 19. Jahrhundert, die aus Japan, China und Europa stammen. Auch zerschnittene Stofftapeten sind dort zu sehen.

Der aktuelle Besitzer von Schloss Loosdorf, Gabriel Piatty, führt die Zerstörung des Porzellans auf plündernde Soldaten der Sowjetarmee am Ende des Zweiten Weltkriegs zurück. Nach seinen Angaben durchsuchten Soldaten das Schloss nach wertvollen Gegenständen, fanden hinter einem vermauerten Kellerabteil eine Porzellansammlung und Silberbesteck, nahmen das Silberbesteck mit und zerstörten das Porzellan. Ferdinand Piatty suchte nach dem Abzug der Sowjetarmee das Gelände nach Porzellanscherben und -teilen ab. Die zerschnittenen Stofftapeten im Scherbenzimmer werden als Zeugnisse der Suche nach Geld beschrieben.

Dialog zwischen Forschung und Kunst

Im Zentrum der Ausstellung steht die Begegnung zwischen den historischen Fragmenten der „Broken Collection“ und neuen Arbeiten von 14 internationalen Künstlerinnen und Künstlern. Zu sehen sind Werke von Anne-Helen Mydland, Anne Xiridakis, Aureline Caltagirone, Bettina Zorn, Felix Schwentner, Graciela Faffelberger, Julia Geiszler, Julia Knappitsch, Laura Isselhorst, Lohan Blois, Lucie David, Sascha Zaitseva, Christina Stadlbauer und Soah Kim.

Die beteiligten Kunstschaffenden setzen sich mit Fragmentierung, Erinnerung, Materialität und Wiederherstellung auseinander. Kuratiert wird die Ausstellung von Christina Stadlbauer.

Ergebnisse des Projekts „Broken Collection“

Die Schau ist das Resultat von vier Jahren Zusammenarbeit zwischen Restaurierung, Wissenschaft und zeitgenössischer Kunst. Das Projekt „Broken Collection“ wird seit 2022 an der Universität für angewandte Kunst Wien gemeinsam mit Schloss Loosdorf durchgeführt und von Gabriela Krist und Paul Schubert geleitet.

Im Rahmen des Projekts wurden die Bestände des Scherbenzimmers systematisch dokumentiert, katalogisiert und gesichert. Restauratorinnen, Restauratoren und Forschende identifizierten zahlreiche Fragmente, rekonstruierten und restaurierten Objektkonvolute und konservierten exemplarisch historische Raumausstattungen wie Holzpaneele und textile Wandbespannungen. Parallel dazu entstanden internationale Workshops, wissenschaftliche Tagungen und künstlerische Arbeitsformate zu Schloss Loosdorf, durch die der Standort als Ort der Auseinandersetzung mit Keramik, Porzellan und Restaurierung international vernetzt wurde.

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