Herbert Föttinger verabschiedet sich als Direktor der Josefstadt
Herbert Föttinger beendet mit Ende Juni seine Tätigkeit als Direktor des Theaters in der Josefstadt. Der 64-Jährige blickte bei einem Abschiedsauftritt auf zwei Jahrzehnte an der Spitze des Hauses zurück.
Am Dienstag hielt Föttinger auf der Bühne einen etwa dreiviertelstündigen Abschiedsmonolog unter dem Motto „20 Jahre Leidenschaft für das Theater in der Josefstadt“. Er beschrieb seinen Rückblick als sowohl zufrieden als auch selbstkritisch.
Bilanz von 20 Jahren Direktion
Föttinger trat 2006 die Direktion des Theaters in der Josefstadt an, nachdem er zuvor 13 Jahre lang Ensemblemitglied gewesen war. Unter seiner Leitung fanden 288 Premieren statt, darunter 70 Uraufführungen und 38 österreichische Erstaufführungen.
Die durchschnittliche Auslastung des Hauses lag in dieser Zeit bei 85 Prozent. Insgesamt kamen fünf Millionen Besucherinnen und Besucher, der Kartenerlös belief sich auf 138 Millionen Euro. Föttinger gab an, besonders dankbar für 20 Millionen Euro an eingebrachten Sponsorengeldern zu sein.
Zu Beginn seiner Direktionszeit formulierte Föttinger das Motto „Die Tradition im Griff, die Zukunft im Auge“. Er verantwortete die Generalsanierung des Haupthauses und der Kammerspiele und erweiterte das Ensemble auf 50 Personen. Zudem holte er nach eigenen Angaben hochkarätige Gäste an das Haus.
Regiearbeiten und Spielplanpolitik
Föttinger engagierte für die Josefstadt Regisseurinnen und Regisseure wie Mateja Koležnik, David Bösch und Franz Wittenbrink; Koležnik wechselte später ans Burgtheater. Zudem verpflichtete er die beiden Burgtheaterdirektoren Claus Peymann und Matthias Hartmann als Regisseure in der Josefstadt.
Wichtig sei ihm, so Föttinger, gute Arbeitsbedingungen hinter der Bühne zu schaffen. Bereiche wie die Werkstätten und der Publikumsdienst seien nicht ausgelagert worden.
Auseinandersetzung mit Geschichte und heiklen Themen
Föttinger bezeichnete es als äußerst wichtig, die Geschichte des Theaters in der Josefstadt im Nationalsozialismus aufzuarbeiten. Dazu wurden ein Symposium und eine begleitende Publikation umgesetzt. Als Stücke zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus nannte er die Visconti-Dramatisierung „Die Verdammten“, „Der Boxer“ von Felix Mitterer und „Rechnitz“ von Elfriede Jelinek.
Nach Föttingers Darstellung rückte das Theater gesellschaftspolitisch brisante Themen wie Missbrauch in den Vordergrund. So wurde etwa „Das Fest“ von Thomas Vinterberg gezeigt, das Föttinger nach eigenen Angaben trotz Widerständen programmierte.
Vorwürfe und persönliche Selbstkritik
Im Herbst 2024 sah sich das Theater mit Vorwürfen konfrontiert. Föttinger sprach von einer „Vorwurfskampagne“ rund um angeblich nicht aufgearbeitete Fälle von sexueller Belästigung im Ensemble. Zudem stand der Vorwurf eines „Klima(s) der Angst“ im Raum. Nach seinen Worten trafen ihn diese Vorwürfe sehr.
Föttinger räumte ein, dass andere möglicherweise ein anderes Gefühl zur damaligen Situation hatten als er. Er erklärte, im Nachgang „gescheiter geworden“ zu sein und viel nachgedacht zu haben. In seiner „ungebremsten Leidenschaft“ habe er Menschen überfordert und verletzt; dies bezeichnete er als Fehler und entschuldigte sich bei allen Betroffenen.
Abschied, Nachfolge und Finale
Beruflich endet Föttingers Zeit auf der Bühne am 30. Juni mit der letzten Vorstellung von Peter Turrinis Stück „Was für ein schönes Ende“. Turrini habe ihm, so Föttinger, geraten, ein Kapitän verlasse das Schiff nicht bei hohem Wellengang. Diesen Rat habe er befolgt; nun werde das „Schiff“ des Theaters in 56 Tagen in den Hafen einfahren.
Als Nachfolgerin an der Spitze des Theaters in der Josefstadt wird Marie Rötzer die Direktion übernehmen. Föttinger wünschte ihr „nur das Beste“.
Zum Abschied wurde ein Best-of-Video präsentiert, zudem fand auf der Bühne ein letztes Pressegespräch mit Föttinger statt. Das Theater legte anlässlich seines Abschieds ein eigenes „Panini“-Stickerheft auf, das sich Uraufführungen, musikalischen Highlights, den Autorinnen und Autoren sowie der Generalsanierung widmet.








