Neues Schwerpunktspital in Stockerau sorgt im Weinviertel für Diskussionen
Im Weinviertel ist eine Entscheidung für ein neues Schwerpunktspital in Stockerau im Bezirk Korneuburg gefallen. Das Projekt ist Teil einer umfassenden Gesundheitsreform und stößt in der Region auf breite Diskussionen.
Das geplante Schwerpunktklinikum in Stockerau, im Zusammenhang mit der Gesundheitsplanung als „Schwerpunktklinikum Weinviertel Süd“ bezeichnet, soll die bestehenden Spitäler in Stockerau, Hollabrunn und Korneuburg an einem Standort vereinen.
Planungen für das neue Schwerpunktspital
Das neue Schwerpunktspital in Stockerau soll rund 700 Betten und 100 ambulante Plätze bieten. Mit dem Schwerpunktklinikum Weinviertel Süd in Stockerau und dem bestehenden Landesklinikum Mistelbach, das als „Schwerpunktklinikum Weinviertel Nord“ bezeichnet wird, wären zwei große Spitäler im Weinviertel vorhanden.
Als Standort für das neue Schwerpunktspital ist die Fläche „Alte Au“ in Stockerau vorgesehen. Im Zusammenhang mit diesem Standort werden Bedenken wegen der Hochwassersituation genannt.
Bedenken in der Bevölkerung und Kritik am Standort
In der Region gibt es Kritik an der Standortentscheidung für Stockerau. Es bestehen Sorgen wegen längerer Anfahrtswege im Akutfall zur künftigen Spitalsversorgung, insbesondere im Bezirk Hollabrunn fühlen sich Menschen in Zukunft unterversorgt. Zusätzlich zur Entscheidung gegen Hollabrunn als Standort des Schwerpunktspitals soll laut Angaben die Zahl der Notarztstützpunkte reduziert werden. Daraus ergeben sich Bedenken, dass im Notfall nicht schnell genug Hilfe vor Ort sein wird.
In der Bevölkerung werden zahlreiche Bedenken zur Gesundheitsreform und zur Spitalsplanung im Weinviertel geäußert. Mehrere Personen kritisierten, dass sie zu wenige Informationen zur geplanten Gesundheitsreform beziehungsweise zum Gesundheitsplan erhielten.
Intensive Debatte bei „Ein Ort am Wort“
Über die Gesundheitsreform im Weinviertel wurde bei der ORF-NÖ-Diskussion „Ein Ort am Wort“ intensiv diskutiert. Die Veranstaltung zur Gesundheitsversorgung im Weinviertel fand im Gasthaus Retzerlandhof in Zellerndorf im Bezirk Hollabrunn statt und wurde am 26. Februar ab 19.30 Uhr live auf Radio Niederösterreich und auf ORF ON übertragen.
Ein Mitdiskutant wollte in der Sendung wissen, was aus Sicht der Verantwortlichen gegen den Standort Hollabrunn und für den Standort Stockerau spreche. Eine Frau betonte, in der Region wolle man, dass sich junge Familien mit Kindern ansiedeln und Arbeitsplätze geschaffen werden.
Argumente von Ärzten und Patientenvertretern
Gunther Leeb, Arzt in Hollabrunn und starker Befürworter eines Spitalsstandortes in Hollabrunn, kritisierte, dass Hollabrunn nicht als Schwerpunktkrankenhausstandort ausgewählt wurde. Er sagte, man brauche vom nördlichen Weinviertel etwa eine Dreiviertelstunde, um ein Klinikum zu erreichen, und sprach von einer Ausdehnung der regionalen Strukturen.
Rainer Ernstberger, ärztlicher Direktor der Kliniken Hollabrunn, Stockerau und Korneuburg, erklärte, lebensbedrohliche Akutfälle wie Schlaganfälle und Herzinfarkte könnten an den bestehenden Standorten derzeit nicht behandelt werden. Ein Gebäude mit der Bezeichnung Krankenhaus biete nicht automatisch alle medizinischen Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts.
Der als Patientenanwalt bezeichnete Michael Prunbauer stellte den Zusammenhang zwischen Behandlungsqualität und Fallzahl heraus. Er sagte, die Qualität der Behandlung nehme mit der Fallzahl zu; je weniger Patienten er behandle, desto höher sei die Chance, dass eine Komplikation auftrete.
Notarztstützpunkte und Rettungsversorgung
Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion war die Notarztversorgung. Rudolf Preyer, Mitglied der Initiative für den Erhalt des Notarztes in Retz, sagte, der Wohnort dürfe nicht über Leben und Tod entscheiden. Der Notarztstützpunkt in Retz sei notwendig und habe sich aus Notwendigkeit und nicht aus Jux und Tollerei entwickelt. Er fordert, die Entscheidung, den Notarztstützpunkt Retz zu schließen, neuerlich zu evaluieren.
Christian Fohringer, Geschäftsführer von Notruf NÖ, betonte, auch in Zukunft werde jeder Patient, der vor Ort physisch einen Notarzt benötige, einen Notarzt bekommen. Zugleich sagte er, die einzelnen Notarztstützpunkte könnten personell in Zukunft nicht mehr besetzt werden. Notfallsanitäter seien mittlerweile viel besser ausgebildet und könnten dadurch viele Notfälle eigenständig behandeln.
Gesundheitsplan 2040+ und Standortwahl
Markus Klamminger, Leiter des Expertengremiums für den Gesundheitsplan 2040+, sagte, es sei notwendig, ein Schwerpunktspital im südlichen Weinviertel zu errichten. Die Festlegung des konkreten Standorts des Klinikums sei jedoch nicht Aufgabe seines Gremiums gewesen. Er verwies dafür auf eine Standortfindungskommission. Für die Standortfindung seien laut Angaben 14 Standorte untersucht worden. Klamminger sagte, er persönlich glaube, dass der gewählte Standort sicher machbar und richtig sei.
Umfrage zur Information der Bevölkerung
Christoph Haselmayer vom Institut für Demoskopie und Datenanalyse führte für „Ein Ort am Wort“ eine Befragung von 800 Personen durch. Unter anderem wurde erhoben, ob sich die Bevölkerung ausreichend über den Gesundheitsplan 2040+ informiert fühlt. 84 Prozent der Befragten gaben an, sich eher nicht oder nicht über den Gesundheitsplan 2040+ informiert zu fühlen. Haselmayer sagte, die Politik sei über alle Parteigrenzen hinweg gefordert, die Bürgerinnen und Bürger ausreichend zu informieren.
Hinweise auf Informationsbedarf
Christof Chwojka, Geschäftsführer der Björn Steiger Stiftung, die international Rettungsleitstellen berät, sagte, es gebe viele Fehlinformationen im Gesundheitsbereich, etwa zur Frage, in welcher Zeit ein Notarzt unbedingt vor Ort sein müsse. Er sprach sich dafür aus, sich in kleineren Runden zusammenzusetzen, in denen heftig und mit viel Herzblut diskutiert werden könne. Chwojka betonte, dass sich alle Beteiligten bei „Ein Ort am Wort“ sehr intensiv eingebracht hätten und dass die Bevölkerung mehr und vor allem richtige Informationen benötige.
Hinweis zur Faktenprüfung
Diese Informationen wurden mit KI-Unterstützung auf Basis der vorliegenden Daten gegengeprüft und sprachlich aufbereitet. Die Angaben beziehen sich auf den zum Erstellungszeitpunkt verfügbaren Informationsstand.








