Schwierige Suche nach Schuldirektoren in Tirol: Hohe Belastung und geringer Anreiz erschweren Besetzungsprozess
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Besetzung von Schuldirektionen in Tirol bleibt schwierig

In Tirol gestaltet sich die Besetzung von Schuldirektorinnen- und Schuldirektorenstellen weiterhin schwierig. Der Job gilt aktuell als wenig attraktiv, der Andrang bei mehreren jüngsten Ausschreibungen blieb gering.

Behörden, Gewerkschaft und Schulleitungen verweisen auf hohe Belastungen, begrenzte finanzielle Anreize und formale Hürden. Bund und Land haben Entlastungsmaßnahmen angekündigt, deren Wirkung noch abzuwarten ist.

Hohe Belastung im Schulalltag

Ein Beispiel für den Arbeitsalltag liefert die Mittelschule Dr. Posch in Hall in Tirol. Dort ist Martin Vettori seit über zwei Jahren mit der Schulleitung betraut. Sein Arbeitstag beginnt nach eigener Darstellung üblicherweise um 6.30 Uhr und endet nicht selten am späten Nachmittag.

In der Früh bereitet Vettori den Tag an der Schule vor, führt nach eigenen Angaben häufig Gespräche mit Lehrerinnen und Lehrern über akute Probleme und versucht, um 7.30 Uhr die Schülerinnen und Schüler im Eingangsbereich zu begrüßen. Der direkte Kontakt zu den Kindern und Jugendlichen ist ihm nach eigenen Aussagen ein großes Anliegen. Er betont die Bedeutung der persönlichen Begrüßung und sagt, ohne diese sei man als Direktor oft nur mit Fällen beschäftigt, in denen es nicht rund läuft.

Vettori trägt an seiner Schule Verantwortung für rund 240 Schülerinnen und Schüler, etwa 40 Lehrpersonen sowie weiteres Personal wie den Schulwart oder Beratungspersonal. Er nennt schwierige pädagogische Fälle, angespannte Personalressourcen und Bürokratie als belastende Aspekte seines Jobs. Seine Schule bezeichnet er als eine, die manche als „Brennpunktschule“ bezeichnen würden, lehnt einen pauschalen Stempel dieser Art jedoch ab.

Geringe finanzielle Anreize und fehlende Qualifikation

Vettori sieht sich nicht als Manager und sagt, im Vergleich zur Privatwirtschaft seien Schulleiter mehr Sekretär als Manager. Die zusätzliche Verantwortung als Schulleiter wirke sich nach seinen Angaben finanziell kaum aus: Er gibt an, brutto nur ein paar Hundert Euro mehr zu verdienen als zuvor. Laut Darstellung können Lehrpersonen mit sehr vielen Dienstjahren ein höheres Gehalt als er erreichen.

Ursprünglich hat sich Vettori nach eigenen Angaben nicht freiwillig für den Posten gemeldet. Vor etwas mehr als zwei Jahren habe „Not am Mann“ bei der Besetzung der Schulleitung bestanden, er habe es dann als wichtig angesehen, Verantwortung zu übernehmen. Offiziell ist er nicht als Direktor bestellt, sondern von der Bildungsdirektion mit der Schulleitung betraut. Grund dafür ist, dass er eine erforderliche Ausbildung nicht absolviert hat.

Als formale Voraussetzung für den Job als Schulleiterin bzw. Schulleiter gilt der Hochschullehrgang „Schulen professionell führen“ an der Pädagogischen Hochschule Tirol. In der Praxis fehlt vielen Personen dieser Lehrgang, um als Direktorin oder Direktor nominiert zu werden. Immer öfter müssen mangels geeigneter Bewerbungen Lehrpersonen der jeweiligen Schule mit der Leitung betraut werden, ohne die offizielle Qualifikation zu haben. Laut Bildungsdirektion sind in Tirol derzeit 24 Personen mit Schulleitung betraut, die diese Qualifikation nicht aufweisen. Für Vettori kommt der Hochschullehrgang wenige Jahre vor seiner Pension laut eigener Darstellung nicht in Frage.

Wenig Bewerbungen auf ausgeschriebene Stellen

Bis Anfang März waren im ganzen Land mehrere Direktionsstellen ausgeschrieben, allein im Pflichtschulbereich 21. Die Beispiele reichten von einer Mittelschule im Lechtal bis zu Volksschulen in anderen Teilen Tirols. Auf zehn dieser 21 Pflichtschul-Direktionsstellen gab es keine einzige Bewerbung, auf acht jeweils nur eine. Auf zwei der ausgeschriebenen Stellen bewarben sich je zwei Personen, auf lediglich eine Stelle entfielen drei Interessentinnen oder Interessenten. Der Andrang auf den Job als Schuldirektorin bzw. -direktor ist damit in vielen Fällen sehr überschaubar.

Die zuständige Gewerkschaft kennt das Problem seit Jahren. Peter Spanblöchl, Vorsitzender der Gewerkschaft der Pflichtschullehrerinnen und -lehrer in Tirol, nennt als Ursachen unter anderem eine hohe Bürokratie sowie ein sehr großes Kleinschulwesen im Land. An Kleinschulen sei die Belastung nach seinen Worten zum Teil doppelt so groß, in manchen Einrichtungen müssten Schulleiterinnen und Schulleiter gleichzeitig auch unterrichten.

Spanblöchl kritisiert zudem den nur geringen Zuverdienst für Schulleitungen. Wer eine durchschnittliche Schule mit vier bis sieben Klassen leite, bekomme 600 Euro brutto mehr. Mit Zulagen und Überstunden könne man als Lehrperson ebenfalls bald auf diesen Betrag kommen. Als wesentlichen Belastungsgrund nennt er auch, dass es in den wenigsten Einrichtungen Sekretariate zur administrativen Entlastung gibt.

Begrenzte Sekretariatsstellen, neues „mittleres Management“

Das Land Tirol hat zuletzt Geld für Sekretariate an Schulen bereitgestellt. Insgesamt wurden 45 Sekretariatsposten finanziert, die auf mehrere Standorte aufgeteilt sind und aus dem Landesbudget bezahlt werden. Angesichts von insgesamt 497 Schulen im Land stellt der Bericht fest, dass der Bedarf an administrativer Entlastung größer ist als durch diese 45 Posten abgedeckt werden kann.

Laut Bildungsdirektion sollen jüngste Maßnahmen von Bund und Land Entlastung für Schulleitungen schaffen. Demnächst wird an einigen Tiroler Schulen das „mittlere Management“ eingeführt, das der Bund vor kurzem beschlossen hat. Der stellvertretende Bildungsdirektor Christian Jesacher erklärt, dass in einem ersten Schritt ab Herbst größere Pflichtschulen mit mehr als 14 Klassen davon profitieren werden.

Beim mittleren Management werden laut Jesacher zahlreiche Entlastungsstunden bereitgestellt, die einer langjährigen Forderung von Schulleitungen entsprechen. Mit den zusätzlichen Ressourcen sollen Schulleitungen im Kollegium ein Führungsteam als zwischengelagerte Management-Instanz aufbauen und Aufgaben abgeben können. In Tirol betrifft das ab Herbst 25 Schulstandorte, die Ausrollung an kleineren Einrichtungen soll im darauffolgenden Schuljahr erfolgen.

Die Gewerkschaft geht für das Schuljahr 2026/27 von deutlich weniger Standorten mit mittlerem Management aus als die Bildungsdirektion. Spanblöchl äußert Skepsis, ob sich dieses Instrument stark auswirken kann, und begründet dies damit, dass damit ebenfalls eine hohe Bürokratie einhergehe.

Hürde Hochschullehrgang und anstehende Pensionierungen

Sowohl Gewerkschaft als auch Bildungsdirektion sehen im verpflichtenden Hochschullehrgang eine Hürde für künftige Schulleiterinnen und Schulleiter. Es wird gefordert, die Gestaltung des Lehrgangs flexibler zu machen. Die Ausbildung sollte demnach zumindest begleitend zu einer Bewerbung möglich sein.

Nach Angaben der Bildungsdirektion treten bis zum Schuljahr 2028/29 zwischen 20 und rund 50 Direktorinnen und Direktoren im Pflichtschulbereich in den Ruhestand, abhängig von der jeweiligen Pensionsregelung. Vor diesem Hintergrund gewinnt die Frage an Bedeutung, wie ausreichend qualifizierte Bewerberinnen und Bewerber für die Leitungsfunktionen gewonnen werden können.

Vettori und sein Team an der Mittelschule Dr. Posch hoffen darauf, dass die angekündigten Maßnahmen bald Entlastung bringen. Er betont zugleich, dass ihm die Arbeit mit den Kindern und dem Kollegium Spaß macht und ihn motiviert, jeden Tag gerne in die Schule zu kommen.