Ermittlungen zu mutmaßlich gefälschten Sprachzertifikaten in Südtirol ausgeweitet
In Südtirol ist ein Skandal um mutmaßlich gefälschte Sprachzertifikate im öffentlichen Dienst bekannt geworden. Die Finanzpolizei ermittelt, die Landesregierung hat ihre Kontrollen verstärkt und eine Arbeitsgruppe eingesetzt.
Mindestens 40 öffentlich Bedienstete sollen ein gefälschtes Sprachzertifikat vorgelegt haben, darunter Ärzte und Stadtpolizisten. In Bozen werden die Ermittlungen zu den Sprachzertifikaten weiter ausgedehnt.
Eine Person, die für eine Wach- und Schließgesellschaft arbeitete und auch in einem Bozner Spital tätig war, geriet ins Visier der Ermittler. Der Mann steht unter Hausarrest. Bei von Medizinern vorgelegten Sprachzertifikaten will die Finanzpolizei auf Unregelmäßigkeiten gestoßen sein.
Bereits im Oktober hatten zwei Ärzte und sieben Krankenpfleger wegen mutmaßlich gefälschter Sprachzertifikate ihre Arbeitsstelle im Sanitätsbetrieb verloren. Seit Dezember des vergangenen Jahres standen zudem fünf Ärzte im Visier der Bozner Staatsanwaltschaft und der Staatsanwaltschaft am Rechnungshof.
System der Zweisprachigkeitsnachweise im Fokus
Der Zweisprachigkeitsnachweis ist in Südtirol Voraussetzung für eine unbefristete Anstellung im öffentlichen Dienst. Seit 2010 kann er sowohl durch das Bestehen einer entsprechenden Prüfung als auch durch die Vorlage international anerkannter Sprachzertifikate und Studientitel erlangt werden.
Vor diesem Hintergrund wird in Südtirol politisch über das System der Zweisprachigkeitsnachweise diskutiert. Der ehemalige Meraner Bürgermeister Dario Dal Medico, der als Anwalt einige der betroffenen Ärzte vertritt, äußerte sich zu der Causa gegenüber Rai Südtirol. Er stellte laut Bericht die Prinzipien der Zweisprachigkeit nicht infrage, fordert aber neue Lösungen wie sektorspezifische Prüfungen oder gestufte Sprachzertifikate im Laufe der Jahre.
Dal Medico verweist darauf, dass bei den Zweisprachigkeitsprüfungen Hochdeutsch verlangt werde, im Alltag jedoch oft Dialekt gesprochen werde. Zudem werde in der italienischsprachigen Schule nach seinen Angaben 13 Jahre lang eine Sprache unterrichtet, die auf der Straße nie verwendet werde.
Reaktionen der Landesregierung
Landeshauptmann Arno Kompatscher (SVP) kritisierte die von Dal Medico verwendeten Bemerkungen als unpassend für die Wichtigkeit des Themas. Zugleich betonte er, dass am Grundprinzip der Zweisprachigkeitsprüfungen nicht gerüttelt werde.
Die Landesregierung teilte mit, sie habe ihre Kontrollen im Zusammenhang mit Sprachzertifikaten verstärkt und arbeite eng mit der Staatsanwaltschaft zusammen. Nach dem Auftauchen von Verdachtsmomenten seien umfassende Kontrollen durchgeführt worden, bei denen weitere Unregelmäßigkeiten aufgedeckt und der Staatsanwaltschaft gemeldet worden seien. Seither gebe es nach Angaben des Landes eine enge Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft, um alle Vorfälle aufzuklären.
Zur Analyse der Vorfälle rund um die Sprachzertifikate wurde eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Diese soll ein verbessertes Frühwarn- und Kontrollsystem entwickeln und Vorschläge erarbeiten, wie Personen, die in den öffentlichen Dienst eintreten wollen, bei der Erlangung der notwendigen Sprachkompetenz besser unterstützt werden können.
Hinweis zur Faktenprüfung
Diese Informationen wurden mit KI-Unterstützung auf Basis der vorliegenden Daten gegengeprüft und sprachlich aufbereitet. Die Angaben beziehen sich auf den zum Erstellungszeitpunkt verfügbaren Informationsstand.








