Felix Gall hat bei der Vuelta a España den dritten Gesamtrang belegt. Der 28-jährige Osttiroler ist damit der erste Österreicher, der bei der Spanien-Rundfahrt auf das Podium fährt. Für Gall ist es bereits das zweite Grand-Tour-Podium in der Saison 2026, nachdem er im Mai bereits Zweiter beim Giro d’Italia geworden war.
Enger Rückstand hinter Mas und Roglic
Die Gesamtwertung der Vuelta gewann Enric Mas aus Spanien mit einer Gesamtzeit von 70:56:58 Stunden. Auf dem zweiten Platz landete Primoz Roglic aus Slowenien mit einem Rückstand von 2:15 Minuten auf Mas. Gall komplettierte das Podium mit einem Rückstand von 2:44 Minuten auf den Gesamtsieger. Einen Etappensieg konnte Gall bei dieser Vuelta nicht einfahren, sein Gesamtergebnis beruhte auf konstanten Platzierungen über die gesamte Rundfahrt hinweg.
Tadej Pogacar, der zu den Favoriten gezählt hatte, schied durch einen Sturz aus dem Rennen aus. Gall hatte nach eigenen Erfahrungen Defizite im Zeitfahren, konnte diese jedoch in den Bergetappen ausgleichen.
Zweites Podium nach starkem Giro-Frühjahr
Bereits im Mai hatte Gall beim Giro d’Italia den zweiten Gesamtrang erreicht. Damit gelang ihm 2026 das Kunststück, bei zwei der drei Grand Tours auf dem Podium zu stehen. Der letzte vergleichbare Erfolg eines österreichischen Radsportlers auf höchster internationaler Ebene lag mit dem Podiumsplatz von Adolf Christian bei der Tour de France 69 Jahre zurück, gerechnet ab Galls Giro-Erfolg im Mai.
Unmittelbar vor der Vuelta hatte Gall die Burgos-Rundfahrt gewonnen. Es war erst sein dritter Profisieg in seiner fünften Saison beim Team Decathlon. Der ehemalige Juniorenweltmeister hatte 2023 bereits eine Königsetappe bei der Tour de France gewonnen und damit früh sein Potenzial in den Bergen gezeigt.
Rückschlag für das Team durch Sturz von Mühlberger
Gregor Mühlberger, Galls Edelhelfer und Trainingspartner, schied während der Vuelta verletzt aus, nachdem er gestürzt war. Galls Coach Stephen Barrett begleitete den Osttiroler durch die dreiwöchige Rundfahrt. Auch andere prominente Fahrer des Feldes mussten in dieser Saison mit Sturzfolgen kämpfen: Jonas Vingegaard und Tadej Pogacar befinden sich nach Stürzen in der Rekonvaleszenz, Florian Lipowitz war bereits bei der Tour de France ausgefallen.
Gall selbst blieb von schwereren Stürzen verschont und konnte die Rundfahrt bis zum Ziel in stabiler Form durchfahren. Übernächste Woche steht für ihn das WM-Straßenrennen in Kanada auf dem Programm.
Grand Tours als Prüfstein für Rundfahrer
Grundsätzlich gelten die drei großen Landesrundfahrten Giro d’Italia, Tour de France und Vuelta a España als die anspruchsvollsten Wettbewerbe im Straßenradsport. Über rund drei Wochen und mehrere tausend Kilometer verteilt entscheiden dabei nicht einzelne Tagesergebnisse, sondern die addierte Fahrzeit über alle Etappen hinweg über die Gesamtwertung. Bergetappen mit hohen Höhenmetern gelten dabei häufig als entscheidend, während Zeitfahren als eigene Disziplin oft über kleine Zeitunterschiede das Gesamtklassement mitbestimmen.
Für Kletterspezialisten wie Gall bedeutet ein Rückstand im Zeitfahren üblicherweise, dass Zeitgewinne in den Bergen erarbeitet werden müssen, um im Gesamtklassement vorne mitzufahren. Ein Team spielt bei solchen Rundfahrten ebenfalls eine tragende Rolle: Edelhelfer unterstützen den Kapitän durch Windschattenarbeit, Verpflegung und taktische Manöver, wodurch der Ausfall eines Schlüsselhelfers durch Sturz oder Erschöpfung den Verlauf einer Rundfahrt für den Kapitän erschweren kann.
Podiumsplätze bei mehreren Grand Tours innerhalb einer Saison gelten in der Szene als besonders schwer zu erreichen, da die körperliche Belastung durch zwei dreiwöchige Rundfahrten hoch ist und sich Erholungszeiten zwischen den Wettbewerben stark verkürzen. Erfolge dieser Art werden im Radsport daher international als Bestätigung konstanter Höchstform über einen längeren Zeitraum gewertet.





