In Groß-Siegharts im Waldviertel ist am Sonntag ein internationales Rollstuhltennis-Turnier zu Ende gegangen. Die niederösterreichische Stadt mit etwas mehr als 2.500 Einwohnern war Schauplatz der 37. Auflage der „Austrian Open“ sowie der erstmals ausgetragenen „Waldviertel Open“. Insgesamt nahmen 75 Spielerinnen und Spieler aus 30 Ländern teil, das Preisgeld lag bei 35.000 Dollar. Bei beiden Turnieren wurden Punkte für die Weltrangliste vergeben.
Legner scheitert erst im Finale
Für die Tiroler Tennislegende Martin Legner endete das Turnier mit einer knappen Enttäuschung. Der mehrfache Paralympics-Teilnehmer erreichte bei der Premiere der „Waldviertel Open“ das Finale, musste sich dort jedoch dem Malaysier Mohamad Yusshazwan Yusoff geschlagen geben. Legner ist Groß-Siegharts seit Jahrzehnten treu: Seit 1990 hat er an jedem Turnier am Standort teilgenommen. Die „Waldviertel Open“ waren in diesem Jahr schwächer besetzt als die traditionsreicheren „Austrian Open“.
Bei den Herren der „Austrian Open“ setzte sich Dahnon Ward aus Großbritannien durch. Die Nummer 33 der Weltrangliste bezwang im Finale seinen Landsmann Ben Bartram in zwei Sätzen. Bartram, in der Weltrangliste auf Position 15 geführt, war als Topgesetzter in das Turnier gegangen und besuchte Groß-Siegharts nach eigenen Angaben zum ersten Mal.
Im Damenbewerb der „Austrian Open“ gewann Britta Wend aus Deutschland. Sie setzte sich im Finale gegen die Japanerin Saki Takamuro durch, ebenfalls in zwei Sätzen. Takamuro war als topgesetzte Spielerin ins Turnier gestartet, konnte den Finalerfolg aber nicht für sich verbuchen.
Österreichische Bilanz gemischt
Für die heimischen Starterinnen und Starter verlief das Turnier unterschiedlich. Christina Pesendorfer schied bereits in der ersten Runde aus, ebenso Lena Lichtenegger aus Traiskirchen im Bezirk Baden. Maximilian Taucher erreichte das Achtelfinale und setzte sich dabei gegen Nico Langmann durch, Österreichs Nummer eins im Rollstuhltennis. Unter den weiteren internationalen Teilnehmerinnen und Teilnehmern waren Imane Toubal aus Algerien und Adam Berdichevsky aus Israel vertreten.
Getragen wurde das Turnier von 160 freiwilligen Helferinnen und Helfern, die den organisatorischen Ablauf über die gesamte Veranstaltungsdauer sicherstellten.
Rollstuhltennis als eigenständige Turnierserie
Rollstuhltennis wird grundsätzlich nach denselben Grundregeln wie das klassische Tennis gespielt, mit dem Unterschied, dass der Ball zweimal aufspringen darf, bevor er zurückgespielt werden muss. International ist die Sportart in einer eigenen Turnierserie organisiert, die in ihrer Struktur an die Profitouren im nicht-behinderten Tennis angelehnt ist. Turniere wie die „Austrian Open“ sind dabei Teil eines weltweiten Kalenders, in dem Ranglistenpunkte gesammelt werden, die über die Startberechtigung bei größeren Turnieren und letztlich auch bei den Paralympics mitentscheiden.
Solche Turniere sind in der Regel auf ehrenamtliches Engagement angewiesen, da neben der sportlichen Organisation auch Betreuung, Transport und Infrastruktur für Athletinnen und Athleten aus aller Welt bereitgestellt werden müssen. Gerade in kleineren Austragungsorten abseits der großen Sportmetropolen hängt die Durchführung solcher internationalen Bewerbe häufig maßgeblich von lokalen Vereinsstrukturen und freiwilligen Helferinnen und Helfern ab. Die Kombination aus sportlichem Wettkampf und regionaler Einbindung gilt in der Szene des Rollstuhltennis als typisches Merkmal vieler etablierter Turnierstandorte, zu denen auch Orte mit vergleichsweise geringer Einwohnerzahl zählen können.






