St. Veit an der Gölsen: Hochsaison für Pools testet die Grenzen der Wasserversorgung
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Verbrauchsspitzen belasten Wassernetz in St. Veit an der Gölsen

In St. Veit an der Gölsen stößt die öffentliche Wasserversorgung zunehmend an technische Grenzen, wenn der Verbrauch stark ansteigt. Die Gemeinde versorgt rund 3.900 Einwohnerinnen und Einwohner, ein großer Teil des Trinkwassers stammt aus der Brunnenanlage Wiesenbach.

Nach Angaben des örtlichen Wassermeisters ist grundsätzlich ausreichend Wasser vorhanden. Probleme treten demnach in Spitzenzeiten auf, wenn nicht genug Wasser gleichzeitig durch das Leitungsnetz transportiert werden kann.

Hoher Mehrverbrauch durch Poolbefüllungen

Der tägliche Wasserverbrauch liegt in St. Veit an der Gölsen üblicherweise bei rund 470.000 Litern, zuletzt waren es jedoch mehr als 900.000 Liter pro Tag. Bürgermeister Christian Fischer (SPÖ) führt unter anderem Poolbefüllungen im Frühjahr und Frühsommer als Grund für den Anstieg an.

Wassermeister Karl Kendler verweist darauf, dass gleichzeitige Befüllungen von privaten Pools mit Trinkwasser – mit Mengen von etwa 15.000 bis 50.000 Litern pro Pool – zu Versorgungsproblemen führen können. Pumpwerk und Drucksteigerungen arbeiten in solchen Phasen nach seinen Angaben auf Hochtouren. In höher gelegenen Ortsteilen kann es dabei zu Schwierigkeiten bei der Versorgung kommen. Gleichzeitig betont er, dass die Löschwasserversorgung über Hydranten im Ernstfall sichergestellt bleiben müsse.

Geplante Staffelung bei Pools und zentrale Entnahmestelle

Die Gemeinde will die Befüllung privater Pools künftig zeitlich und nach Gebieten koordinieren. Vorgesehen ist, dass bestimmte Ortsteile oder Katastralgemeinden zu unterschiedlichen Zeiten ihre Pools füllen. Bürgermeister Fischer setzt bei dieser Staffelung auf die Mitarbeit der Bevölkerung.

Viele private Pools sind nicht genehmigungspflichtig, der Gemeinde liegen daher keine genauen Daten vor. Poolbesitzerinnen und -besitzer werden aufgerufen, ihre Anlagen freiwillig bekanntzugeben. Die Gemeinde erhofft sich dadurch mehr Planungssicherheit und eine Entlastung des Wasserleitungsnetzes.

Auch landwirtschaftliche Betriebe in und um St. Veit an der Gölsen sind auf ausreichend Wasser angewiesen. Einige Höfe liegen nicht im öffentlichen Versorgungsbereich oder nutzen eigene Brunnen. Sinkt dort der Wasserstand, müssen laut Bericht Gemeinde und Feuerwehr unterstützen.

Landwirtschaftlicher Betrieb mit zusätzlichem Wasserbedarf

Der Milchviehbetrieb von Gerhard Zöchling in Schwarzenbach bei St. Veit an der Gölsen benötigt nach seinen Angaben täglich rund 14.000 Liter Wasser für Tiere und Milchproduktion. Er verweist darauf, dass das Vieh Trinkwasser brauche und Melkzeuge sowie Milchtank gewaschen werden müssten. Reiche der eigene Bohrbrunnen nicht aus, sei eine Situation „auf Null“ für den Betrieb eine Katastrophe.

Zöchling berichtet, dass früher nur gelegentlich Wasserlieferungen nötig gewesen seien. Heuer habe der Betrieb von Ende Dezember bis Mitte Februar täglich Wasser zuführen müssen – mit mehr als 4.000 Litern pro Tag. Der Hof hat vor fünf Jahren einen 38 Meter tiefen Brunnen errichtet, die Kosten dafür lagen laut Zöchling bei mehr als 50.000 Euro.

Die Gemeinde St. Veit an der Gölsen plant zudem eine zentrale Entnahmestelle für Landwirte beim neuen Wertstoffsammelzentrum. Diese Einrichtung soll den Betrieben eine planbare Wasserversorgung ermöglichen und zugleich das Leitungsnetz entlasten.

Regionale Unterschiede bei Grundwasserständen

Martin Angelmaier, Leiter der Abteilung Wasserwirtschaft im Land Niederösterreich, weist darauf hin, dass beim gleichzeitigen Befüllen vieler Pools die technischen Kapazitäten der Wasserversorgungsanlagen überschritten werden können. Betroffen seien unter anderem Pumpen, Behälter und Leitungen.

Angelmaier erklärt, dass regional immer wieder Engpässe auftreten, derzeit aber nicht von einem flächendeckenden Problem gesprochen werden könne. Große Wasserversorgungsanlagen seien auf längere Trockenperioden gut vorbereitet, da ihre Brunnen oft tief in die Grundwasserressourcen eingebunden seien. Dadurch sieht Angelmaier bei großen Anlagen eine hohe Versorgungssicherheit.

Die Grundwassersituation in Niederösterreich beschreibt Angelmaier als regional sehr unterschiedlich. Von rund 120 beobachteten Grundwassermessstellen befinden sich 36 Prozent im mittleren Bereich, 56 Prozent in einem niedrigen und acht Prozent in einem sehr niedrigen Bereich. Niederösterreich werde landesweit auch künftig über ausreichende Wasserressourcen verfügen, die Verteilung sei jedoch regional sehr unterschiedlich. Für kleinere Gemeinden wie St. Veit an der Gölsen bezeichnet er die Planung als besonders wichtig.

Empfehlungen und Forderungen zur Wasserversorgung

EVN Wasser teilt mit, dass es für die eigenen Kundinnen und Kunden derzeit keine Engpässe bei der Trinkwasserversorgung gibt. Die Versorgung sei auch bei längeren Trockenphasen gesichert. Gleichzeitig bestätigt das Unternehmen, dass kurzfristige Verbrauchsspitzen technische Systeme belasten können, da Pumpen, Leitungen und Speicher nur auf bestimmte Durchflussmengen und Druckverhältnisse ausgelegt sind. Überregionale Versorgungsstrukturen, Transportleitungen und Verbundsysteme werden als Schlüssel genannt, um regionale Unterschiede auszugleichen.

Der niederösterreichische Gemeindebund beobachtet die Situation nach eigenen Angaben mit großer Aufmerksamkeit. Zwar kann er nicht exakt beziffern, wie viele Gemeinden aktuell mit Engpässen zu kämpfen haben, stellt aber fest, dass Appelle zum sparsamen Umgang mit Wasser in Hitzeperioden häufiger werden. Gleiches gilt für Hinweise zur zeitversetzten Poolbefüllung. Der Gemeindebund betont den Bedarf nach mehr Bewusstseinsbildung im Umgang mit Wasser und fordert eine laufende Evaluierung der rechtlichen Rahmenbedingungen sowie klare, rechtssichere Instrumente für Gemeinden, um im Anlassfall rasch handeln zu können.

Das Land Niederösterreich empfiehlt den Gemeinden, ihre Wasserversorgung langfristig auf Krisensicherheit zu prüfen. Dafür steht der sogenannte Trinkwasserplan zur Verfügung, den bisher 23 Gemeinden umgesetzt haben. Zu möglichen Maßnahmen zählen zweite Standbeine in der Wasserversorgung, Verbindungsleitungen zu Nachbargemeinden und Anschlüsse an überregionale Versorger.

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