Tiroler Wirtschaftskammer fordert höhere Bundesmittel für Lehrbetriebe
Die Tiroler Wirtschaftskammer drängt auf eine deutliche Erhöhung der Bundesmittel für die Förderung von Lehrbetrieben. Zudem werden Änderungen bei der Lehrabschlussprüfungsgebühr und bei Arbeitszeitregelungen für Jugendliche verlangt.
Vertreter der Kammer präsentierten ihre Forderungen am Donnerstag bei einem Pressegespräch in Innsbruck. Neben finanziellen Aspekten standen auch gesetzliche Rahmenbedingungen und die Berufsorientierung an Schulen im Fokus.
Forderung nach Aufstockung des Förderungstopfs
Der Basisförderungstopf für Lehrbetriebe ist derzeit jährlich mit 280 Millionen Euro dotiert und an das Arbeitsmarktservice (AMS) angeschlossen. Die Tiroler Wirtschaftskammer verlangt, diesen Topf auf 350 Millionen Euro pro Jahr zu erhöhen.
Franz Jirka, Obmann der Sparte Gewerbe und Handwerk in der Tiroler Wirtschaftskammer, bezeichnete eine Aufstockung als dringend notwendig. Er erklärte, ihm sei bewusst, dass seine Forderungen in eine Zeit fielen, in der „überall gespart werden muss“. Bei Lehrbetrieben und Lehrlingen zu sparen, wäre aus seiner Sicht das falsche Signal.
Jirka führte aus, dass Lehrbetriebe zu lange auf Fördergelder warten müssten, weil der Basisförderungstopf zum Teil schon im August ausgeschöpft sei. Bei einer dreijährigen Lehre wird die Förderhöhe aus diesem Topf nach dem jeweiligen Lehrlingskollektivvertrag berechnet; bei einer dreijährigen Friseurlehre beträgt die Förderung rund 5.500 Euro.
Lehrabschlussprüfungsgebühr und Arbeitszeitregelungen
Zusätzlich fordert die Tiroler Wirtschaftskammer, dass der Bund künftig die Lehrabschlussprüfungsgebühr übernimmt. Diese beträgt derzeit 137 Euro. Jirka verlangte in diesem Zusammenhang ein Ende von „Lippenbekenntnissen und Sonntagsreden“ der Bundesregierung zur Lehrlingsförderung.
Auch beim Jugendbeschäftigungsgesetz sieht Jirka Nachbesserungsbedarf. Derzeit sei es Jugendlichen unter 18 Jahren erlaubt, täglich nur neun Stunden zu arbeiten. Eine Erhöhung auf zehn Stunden würde nach seinen Angaben eine Vier-Tage-Woche ermöglichen. In Bezug auf die Arbeitszeitregelungen für Jugendliche forderte er, dass sich der Staat bewegen müsse.
Reaktionen aus den Branchen
Clemens Happ, Innungsmeister der Tiroler Friseure, befürchtet eine mögliche Abschaffung des Basisförderungstopfs. Man wisse, dass im Finanzministerium darüber diskutiert worden sei, sagte er. Die Regierung lobe Lehrlinge, setze aber aus seiner Sicht falsche Schritte.
Happ bezeichnete es als richtigen Schritt, wenn der Bund neben der Aufstockung des Basisförderungstopfs auch die Lehrabschlussprüfungsgebühr übernehmen würde. Dies würde seiner Aussage nach ein Signal für die Gleichstellung von Matura und Lehre setzen.
Josef Norz, Innungsmeister der Tiroler Gärtner und Floristen, forderte eine bessere Berufsorientierung in den Schulen. Aus seiner Sicht funktioniert diese nicht so, wie sie funktionieren sollte. Er sprach sich für umfassende Informationen über Lehrberufe auch in Allgemein bildenden höheren Schulen (AHS) aus.








