Unterirdisches Theater am Mittersteig in Wien vor neuer Nutzung
Das unterirdische Theater am Mittersteig an der Grenze der Wiener Bezirke Wieden und Margareten wird nach jahrzehntelangem Leerstand voraussichtlich wieder genutzt. Am Standort Mittersteig 15 wird seit einigen Tagen erneut gebaut und gearbeitet.
Das historische Jugendstil-Theater gilt seit längerem als markanter Ort im Grätzl. Unter Anrainern wird über eine mögliche Kunst-Galerie an dieser Adresse gesprochen.
Geschichte eines unterirdischen Kultortes
Das Theater am Mittersteig wurde 1911 unter einem großen Wohnblock errichtet. Nach nur drei Jahren erfolglosem Theaterbetrieb wurde der Saal zu einem Kino mit bis zu 600 Plätzen umgestaltet, das als Kino im Ferdinand-Hof bekannt war. In den 1920er-Jahren wurde dieses an die Republik verpfändet, kurz darauf zog der Arbeiterverein Margareten ein. Ab 1930 wurde der Saal teilweise für neue Tonfilme genutzt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg soll der Ort zunächst als Bordell fungiert haben. Kurz vor Weihnachten 1969 ging im Saal das „Wiedner Grandkino“ zum zweiten Mal insolvent. Anschließend wurde der Saal zu einer Außenstelle der Stadthalle mit dem Namen „Athletic Center“ umgebaut. Die Leitung übernahm der ehemalige WAC-Fußballer Otto „Stopperl“ Fodrek, der Raum diente unter anderem dem österreichischen Boxer Hans Orsolics als Trainingsstätte.
Vom „Athletic Center“ zum Lager und Leerstand
In den folgenden Jahrzehnten erhielt der Standort immer wieder neue Funktionen. Anfang der 1980er-Jahre spielte Rainhard Fendrich im Theater am Mittersteig sein erstes Konzert. Später wurden dort Judo-Kurse für Jugendliche abgehalten, bei denen auch der Doppel-Olympiasieger Peter Seisenbacher vor Ort war. 1993 wurde der Saal noch einmal für einige Monate für Theateraufführungen genutzt.
1994 startete Theatermacher Markus Kupferblum das Projekt „Totales Theater“, das nach drei Monaten endete. Danach versuchte Hubert (Hubsi) Kramar Theateraufführungen im Joseph-Saal, die kurz und erfolglos blieben. Im Anschluss daran fiel dort der letzte Vorhang. Bis 1998 nutzte die Möbelfirma „Mala Strana“ den Saal als Lagerraum; die verfallene lila Fassade des Unternehmens blieb über Jahre als auffälliges Merkmal. Nach 1998 waren an dem Ort vor allem Graffiti-Sprayer aktiv.
Denkmalschutz und gescheiterte Projekte
Pläne, den historischen Ort zu demolieren und in eine Tiefgarage umzuwandeln, kamen nicht über das Anfangsstadium hinaus. Auch Vorhaben für ein John-Harris-Fitnesscenter im Kellerbereich wurden nicht umgesetzt. 2012 formierten sich Initiativen rund um den Architekten Harald Jahn und die Theaterregisseurin Astrid Kohlmeier gegen Pläne für einen Supermarkt in dem Bereich. Seit diesem Engagement steht der Bereich des ehemaligen Theaters am Mittersteig unter Denkmalschutz.
In den vergangenen Jahrzehnten wurde der Kellerbereich mehrfach von Spekulanten gekauft und wieder verkauft. Die grüne Bezirkspolitikerin Barbara Neuroth setzt sich seit Jahren für eine Nutzung des Areals ein.
Eigentümerwechsel und mögliche kulturelle Nutzung
Nach Recherchen wurde das „Athletik-Center“ im März 2025 von der BUWOG an die ZKS RABELLI GmbH verkauft. Bei der ZKS RABELLI GmbH handelt es sich um eine Immobilienfirma, deren Unternehmenszweck den An- und Verkauf, die Entwicklung und Verwertung von Immobilien sowie die Organisation und Durchführung von Veranstaltungen im Bereich Kunst und Kultur umfasst.
Hinter der ZKS RABELLI GmbH steht Mohammed Reza Akhavan Aghdam. Er wird als Multimillionär mit iranischen Wurzeln beschrieben, ist an 89 Firmen beteiligt und hält 45 Prozent an JP-Immobilien. JP-Immobilien verkaufte 20 Zinshäuser an Innenstadt-Adressen für 220 Millionen Euro an die Karl-Wlaschek-Stiftung. Akhavan Aghdam besitzt ein Schloss im Kamptal und nennt Autos, Wein und Kunst als Hobbys. Gemeinsam mit Freunden kaufte er die Sammlung Friedrichshof mit Aktionismus-Werken von Otto Muehl und Hermann Nitsch; für den Erwerb wird eine kolportierte Summe von elf Millionen Euro genannt.
Prominente Verbindungen zum Theater
Das unterirdische Theater am Mittersteig wurde wiederholt als Lost Place beschrieben, der auch für Untergrund-Forscher interessant war. Zahlreiche bekannte Künstler und Sportler haben Bezüge zu dem Ort. Neben Rainhard Fendrich und Hans Orsolics zählen dazu unter anderem Markus Kupferblum, Hubert Kramar, Otto Muehl und Hermann Nitsch.
Hinweis zur Faktenprüfung
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