Traktor-Demonstration in Wien: Bauern protestieren gegen Mercosur und fordern faire Lebensmittelpreise
In Wien haben Bäuerinnen und Bauern am Mittwoch mit einer Traktor-Demonstration auf ihre Anliegen aufmerksam gemacht. Der Protest richtete sich unter anderem an das österreichische Parlament und thematisierte faire Preise für landwirtschaftliche Produkte sowie verpflichtende Herkunftskennzeichnungen für Lebensmittel.
Der Traktoren-Konvoi fuhr vom Landwirtschaftsministerium bis zum Parlament und wurde von einem lauten Hupkonzert begleitet. Nach Schätzungen nahmen rund 50 bis 60 Traktoren aus mehreren österreichischen Bundesländern teil.
Forderungen und Kritik der Teilnehmenden
Im Mittelpunkt der Kundgebung standen Forderungen nach höheren, als fair empfundenen Erzeugerpreisen und einer verpflichtenden Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln. Der Protest richtete sich zudem gegen das geplante Mercosur-Handelsabkommen mit Staaten Südamerikas. Mitorganisiert wurde die Aktion vom Bündnis „Zukunft Landwirtschaft“, weitere Initiativen riefen ebenfalls zur Teilnahme auf.
Viele der Bäuerinnen und Bauern kamen mit Mistgabeln, Transparenten, Trompeten und Kuhglocken. Gezeigt wurde auch eine große, aus Holz geschnitzte Schachfigur mit der Aufschrift „Auf Bauer – wehr dich!“. Ein 27-jähriger Bio-Heumilchbauer aus der Steiermark, der auch Fleisch vermarktet, kritisierte laut Bericht schärfere Auflagen für heimische Betriebe im Vergleich zu Importen aus dem Mercosur-Raum.
Belastungen in der Landwirtschaft
Aus dem niederösterreichischen Marchfeld beteiligten sich Gemüsebauern an der Demonstration. Die namentlich genannten Landwirte Martin R. und Reinhart B. bemängelten die Preisgestaltung für ihre Produkte als unfair und gaben an, an einem Kilo Zwiebeln etwa 10 Cent zu verdienen. Im Zusammenhang mit einem Iran-Krieg wurden gestiegene Kosten für Dünger und Treibstoff als Belastung für die Branche beschrieben.
Laut Aussagen von Demonstrationsteilnehmern schreiben landwirtschaftliche Betriebe nur noch Minus. Sie bezeichneten sich demnach als „maximal stolz“, würden sich in der Krise aber als „Bauernopfer“ sehen. Zudem wurde Unzufriedenheit mit der Landwirtschaftskammer und dem ÖVP-Bauernbund geäußert, da sich manche Bäuerinnen und Bauern nicht ausreichend vertreten fühlen.
Reaktion des Landwirtschaftsministers
Landwirtschaftsminister und ÖVP-Politiker Norbert Totschnig bezeichnete die Forderungen der Landwirtschaft in einer Aussendung als „völlig berechtigt“. Er befürwortet einen Energiekostenausgleich für Agrardiesel als Ausgleich für Wettbewerbsnachteile heimischer Produzenten.
Zum Thema Herkunftskennzeichnung verwies Totschnig auf die Zuständigkeit der Europäischen Kommission. Man warte seit Längerem auf einen Vorschlag für eine EU-weite Herkunftskennzeichnung, die Kommission sei „schon zu lange säumig“ und müsse einen entsprechenden Vorschlag vorlegen.
Auswirkungen auf den Verkehr
Im Zuge der Traktor-Demonstration kam es in Wien zu zahlreichen Verkehrssperren. Die zentralen Anliegen der Protestierenden blieben faire Preise für landwirtschaftliche Produkte und eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln.








