Trockenheit in Niederösterreich belastet Landwirtschaft, Weinbau und Grundwasser
In Niederösterreich bleibt seit geraumer Zeit flächendeckender und ausreichender Regen aus. Die anhaltende Trockenheit sorgt bei Landwirten, Winzerinnen und Winzern sowie in der Wasserwirtschaft für wachsende Aufmerksamkeit.
Prognostizierte Niederschläge sind zuletzt ebenfalls ausgeblieben. Gleichzeitig wirken sich die aktuellen Niederschlagsmengen bereits stellenweise auf das Grundwasser aus.
Staubtrockene Felder und Sorge um Frühjahrskulturen
Auf einem Feld in St. Pölten wird der Boden als staubtrocken beschrieben. Lorenz Mayr, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich und Landwirt in Steinabrunn im Bezirk Korneuburg, berichtet von einem kalten, aber nicht sehr schneereichen Winter und zu wenig Winterfeuchtigkeit auf den Feldern.
Nach seinen Angaben war es in den vergangenen Wochen und Monaten trocken, dazu habe ein starker Wind die Trockenheit um ein Zigfaches verstärkt. Frühjahrskulturen bräuchten derzeit dringend Wasser, um keimen zu können. Die im Herbst und Winter angebauten Kulturen leiden laut Mayr zum Zeitpunkt der Schilderungen noch nicht, doch wenn der Regen weiter ausbleibe, komme man „schön langsam in eine kritische Phase“.
Mayr, der Erdäpfel, Zuckerrüben, Mais, Weizen und Raps anbaut, ist von der Trockenheit selbst betroffen. Der Feldfutterbau wird als derzeit am kritischsten bezeichnet, der erste Schnitt steht an. Für eine Langzeitprognose sei es nach Einschätzung Mayrs noch zu früh. Sollten Mai und Juni relativ niederschlagsreich und kühl verlaufen, könne man beim Getreide und beim Raps einiges kompensieren. Erdäpfel, Zuckerrüben und Mais seien erst angebaut worden; entscheidend sei, wie der Ertrag im Juli ausfalle.
Maßnahmen im Feldfutterbau und Umgang mit Rekordernte
Die Landwirtschaftskammer Niederösterreich hat Maßnahmen überlegt, um im Feldfutterbau zu unterstützen. Viele Bauern haben heuer Rekordernten bei den Erdäpfeln eingebracht. Betriebe mit einem Überschuss können sich an die Landwirtschaftskammer wenden, die überschüssige Erdäpfel an Bauern vermittelt, die diese als Futter einsetzen können.
Winzer beobachten Entwicklung mit Zurückhaltung
Auch im Weinbau sorgt der fehlende Regen für Verunsicherung. Reinhard Zöchmann, Präsident des Weinbauverbands Niederösterreich und Winzer in Roseldorf im Bezirk Hollabrunn, spricht von einer guten Wasserversorgung im Winter, aber viel zu wenig Regen im Frühjahr.
Viele Rebstöcke haben sehr tiefe Wurzeln. Zöchmann weist darauf hin, dass bei einem Monat ohne Regen nach dem Austrieb mit Einbußen zu rechnen sei. Während im Feldbau bereits zahlreiche Landwirte auf hitzeresistentere Kulturen setzen, sei ein vergleichbarer Umstieg im Weinbau laut Zöchmann kaum möglich.
Im Weinbau wird daher auf Begrünungsmanagement gesetzt. Dabei werden Begrünungspflanzen in die Weingärten eingebaut. Eine niedrig gehaltene Begrünungspflanze benötigt nach Zöchmanns Angaben weniger Wasser und schützt den Boden, während eine höhere Begrünungspflanze mehr Wasser veratmet. Die Sorge im Weinbau wird derzeit noch als verhalten beschrieben, die Trockenheit ist jedoch bereits Gesprächsthema. Zöchmann rechnet damit, dass die Sorge mit jeder Woche ohne Regen zunehmen werde.
Niederschlag unter Durchschnitt, Grundwasser regional belastet
Aus Sicht der Wasserwirtschaft liegen die aktuellen Niederschlagssummen in Niederösterreich derzeit nur bei 50 bis 80 Prozent des langjährigen Durchschnitts. Martin Angelmaier, Leiter der Wasserwirtschaft im Land Niederösterreich, spricht von deutlich zu geringen Niederschlagsmengen.
Die geringeren Niederschläge wirken sich stellenweise auf das Grundwasser aus. In weiten Teilen des Landes, etwa in großen Schotterkörpern entlang der Donau, wurden laut Angelmaier bisher noch keine gravierenden Auswirkungen auf die Grundwasserstände festgestellt. Im südlichen Wiener Becken, insbesondere im Raum Wiener Neustadt, werden hingegen deutlich sinkende Grundwasserspiegel registriert.
Klimawandel verändert Wasserhaushalt
Im Zusammenhang mit dem Klimawandel ist von längeren und häufigeren Phasen mit Trockenheit und Hitze in der Zukunft die Rede. Zudem werden Phasen erwartet, in denen in relativ kurzer Zeit sehr viel Regen sehr intensiv niedergeht.
Große Wassermengen, die in kurzer Zeit fallen, können vom Boden nicht so gut aufgenommen werden. Dies hat Folgen für die Grundwasserneubildung. Die Lage auf den Feldern, in den Weingärten und beim Grundwasser wird zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht als akut beschrieben.
Einigkeit besteht bei den zuständigen Fachleuten darüber, dass es in den nächsten Tagen und Wochen dringend Regen in Niederösterreich braucht.








