Wiener U-Bahn-Ausbau: Streit um Finanzierung von Mehrkosten
Beim Ausbau der Wiener U-Bahn sind nach aktuellem Stand Mehrkosten von rund 300 Millionen Euro entstanden. Stadt Wien und Bund ringen darüber, wie diese zusätzlichen Ausgaben aufgeteilt werden sollen.
Die Stadt Wien hat den Bund ersucht, das Budgetloch von rund 300 Millionen Euro gemeinsam zu schließen. Die Frage der Kostenverteilung ist Teil laufender Budgetverhandlungen, zu denen das Büro von Finanzstaatssekretär Markus Marterbauer keine inhaltliche Stellungnahme abgibt.
Projekt U2xU5 mit 50:50-Finanzierung
Betroffen ist das U2xU5-Linienkreuz mit der U2-Südverlängerung zum Matzleinsdorfer Platz sowie ein U5-Streckenabschnitt vom Rathaus bis zum Frankhplatz. Für dieses Projekt wurde 2022 zwischen Stadt Wien und Bund eine 15a-Vereinbarung abgeschlossen.
In der Vereinbarung ist ein Investitionsvolumen von 2,019 Milliarden Euro festgelegt. Die Finanzierung soll demnach zu gleichen Teilen, also im Verhältnis 50:50, von Stadt und Bund getragen werden. In dem Paket sind bereits Risikozuschläge in Höhe von zehn Prozent enthalten.
Regeln für Nachverhandlungen und Lenkungsausschuss
Die 15a-Vereinbarung sieht vor, dass nachverhandelt werden soll, wenn der Baupreis-Index in drei aufeinanderfolgenden Jahren über 2,5 Prozent liegt. Über Verhandlungen zur Risiko- und Kostentragung entscheidet ein Lenkungsausschuss mit Vertretern der Stadt Wien, des Verkehrsministeriums und des Finanzministeriums.
Laut Wiener Linien besteht im Lenkungsausschuss Einigkeit, dass die Bedingungen für Verhandlungen zur Frage der Risiko- und Kostentragung erfüllt sind. Die Wiener Linien geben einen inflationsbedingten Mehrfinanzierungsbedarf von rund 300 Millionen Euro für das U2xU5-Projekt an.
Unterschiedliche Positionen zur Aufteilung der Mehrkosten
In Finanzkreisen wird eine einfache hälftige Aufteilung der 300 Millionen Euro zwischen Bund und Stadt als „so sicher nicht“ bezeichnet. Von dort wird die Position vertreten, dass nur jene Teile der Mehrkosten, die tatsächlich der Inflation zugeschrieben werden können, als Basis für eine Beteiligung des Bundes dienen sollen.
Zudem wird die Ansicht formuliert, dass Kostenposten aus dem eigenen Verantwortungsbereich wie Bauverzögerungen, Hochwasser und Probleme mit der U2-Stammstrecke vollständig selbst zu tragen seien. Gleichzeitig wird die finanzielle Lage der Republik Österreich als angespannt beschrieben.
Verschobene Inbetriebnahme und Einsparungen bei Fahrzeugen
Die Inbetriebnahme der U2-Südverlängerung zum Matzleinsdorfer Platz sowie des U5-Abschnitts Rathaus–Frankhplatz ist nach bautechnischen Schwierigkeiten und Sparmaßnahmen auf das Jahr 2030 verschoben worden. Die zuvor geplante Inbetriebnahme der neuen U5 im Jahr 2026 wurde damit ebenfalls auf 2030 verlegt.
Mit der Verschiebung müssen die ursprünglich vorgesehenen fünf fahrerlosen Züge derzeit nicht angekauft werden. Im Lenkungsausschuss zur U-Bahn-Finanzierung wird die Stadt Wien durch Vertreter von Verkehrsstadtrat Peter Hanke und Finanzstaatssekretär Markus Marterbauer vertreten.
Bereits im Herbst 2025 hatte SP-Verkehrsstadträtin Ulli Sima angekündigt, dass Gespräche mit dem Bund über die U-Bahn-Finanzierung beginnen sollen. Sie stellte dar, dass sich die damalige türkis-grüne Bundesregierung zuvor nicht verhandlungsbereit gezeigt habe. In Wien wird derzeit intensiv um die Aufteilung der rund 300 Millionen Euro an Mehrkosten beim U-Bahn-Ausbau gerungen.








