Überholabstände zu Radfahrern: Diskussion um Verkehrssicherheit in Vorarlberg
Beim Überholen von Radfahrern kommt es in Vorarlberg immer wieder zu gefährlichen Situationen. Polizei, Verkehrssicherheitsexperten und Interessenvertretungen verweisen auf gesetzliche Mindestabstände und auf eine steigende Zahl von Menschen, die mit dem Fahrrad unterwegs sind.
Nach Angaben des Kuratoriums für Verkehrssicherheit (KFV) sind in Vorarlberg innerhalb von drei Jahren mehr als 50 Radfahrer verletzt worden. In mehr als 40 Prozent dieser Unfälle mit verletzten Radfahrern kam es laut KFV zu Fahrerflucht; 42 Prozent der Fahrzeuglenker, die in einen Überholunfall mit Radfahrern verwickelt sind, begehen demnach Fahrerflucht.
Gesetzliche Mindestabstände und mangelnde Kenntnis
Der Mindestabstand beim Überholen von Radfahrern ist seit fünf Jahren gesetzlich geregelt. Im Ortsgebiet müssen Fahrzeuglenker beim Überholen 1,5 Meter Abstand einhalten, auf Freilandstraßen sind es zwei Meter.
Laut KFV wird dieser Mindestabstand häufig nicht eingehalten. Befragungen ergaben, dass viele Verkehrsteilnehmer die gesetzlichen Abstände nicht kennen und sich zudem oft nicht daran halten. Bei einer Messung des KFV hielten mehr als 70 Prozent der Autofahrer den vorgeschriebenen Mindestabstand beim Überholen von Radfahrern nicht ein.
Klaus Robatsch vom KFV fordert eine nachvollziehbare Regelung, die jeder Verkehrsteilnehmer versteht. Gleichzeitig wird berichtet, dass es für die Polizei sehr schwierig ist, die Einhaltung der Abstände beim Überholen zu kontrollieren.
Mehr Radverkehr, begrenzte Infrastruktur
In den vergangenen Jahren hat die Zahl der Radfahrer in Vorarlberg deutlich zugenommen. Peter Rüscher von der Verkehrspolizei erklärt, niemand habe geahnt, dass die Entwicklung bei der Zahl der Radfahrer so rasant werde. Das Sicherheitsbewusstsein der Autofahrer sei zwar gestiegen, dennoch gebe es nach seinen Angaben weiterhin extreme Unfälle.
Als Beispiel wird die Senderstraße in Dornbirn genannt, auf der ein Radfahrer über mehrere Kilometer nicht überholt werden dürfte, um den Zwei-Meter-Abstand einzuhalten. Polizei und KFV sind sich einig, dass es eigene Radfahrwege braucht und die derzeitige Radinfrastruktur nicht mehr ausreicht.
VCÖ-Umfrage zur Fahrradfreundlichkeit
Der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) führt derzeit eine Online-Umfrage zur Fahrradfreundlichkeit der Städte und Gemeinden in Vorarlberg durch. Bis zum 21. Juni können Radfahrerinnen und Radfahrer ihre Gemeinde in dieser Umfrage detailliert bewerten; die Teilnahme ist online möglich.
Nach Angaben des VCÖ nutzen rund 230.000 Vorarlbergerinnen und Vorarlberger zumindest gelegentlich das Fahrrad als Verkehrsmittel. 150.000 Menschen radeln demnach mehrmals pro Woche oder täglich. An Werktagen sind laut VCÖ vier von zehn Autofahrten in Vorarlberg kürzer als fünf Kilometer.
Die VCÖ-Umfrage soll die Situation für Radfahrerinnen und Radfahrer in jeder der 96 Vorarlberger Gemeinden abbilden, im Mittelpunkt steht dabei vor allem die Verkehrssicherheit. Nach Abschluss der Umfrage informiert der VCÖ die Gemeinden und Städte über das jeweilige Ergebnis.








