Streit um höhere Ortstaxe in Wien spitzt sich zu
In Wien wächst der politische Konflikt um die geplante Erhöhung der Ortstaxe und zusätzliche Abgaben für Gäste. Vertreter der Hotellerie und die Wiener ÖVP fordern eine Rücknahme zentraler Teile der beschlossenen Änderungen.
Die Debatte findet vor dem Hintergrund einer Verschuldung der Stadt Wien von knapp 15 Milliarden Euro statt. Die Stadt plant, Gäste aus dem In- und Ausland stärker finanziell zu belasten.
Pläne der Stadt: Höhere Ortstaxe und Pönale für Tagesgäste
Am 1. September 2025 war im Rahmen des Wiener Sparpakets eine deutliche Anhebung der Ortstaxe von 3,2 auf 8,5 Prozent angekündigt worden. Diese Abgabe sollte auf das Beherbergungsentgelt ohne Umsatzsteuer angewendet und ursprünglich ab 1. Dezember 2025 wirksam werden. Die Ankündigung erfolgte durch die Wiener SPÖ-Finanzstadträtin Barbara Novak.
Parallel dazu ist eine Pönale für Tagesgäste geplant, die insbesondere per Schiff und Bus nach Wien kommen. Diese Maßnahme verzögert sich und bringt weniger Einnahmen als zunächst erwartet.
Widerstand aus der Hotellerie und Stufenmodell
Die starke Erhöhung der Ortstaxe stieß auf massiven Widerstand. Nach der ersten Ankündigung kam es zu deutlicher Kritik seitens der Branchenvertretung der Hotellerie. Ein bereits gebuchtes Hotelzimmer hätte durch die kurzfristige Erhöhung nicht nachträglich verteuert werden können, wodurch Hoteliers auf den höheren Steueranteilen sitzen geblieben wären.
Der ursprüngliche Plan einer sofortigen Anhebung hielt nur etwa eine Woche. In der Folge fand ein runder Tisch mit Vertretern der Wirtschaftskammer und der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV) statt. Danach präsentierte Finanzstadträtin Novak ein Stufenmodell: Demnach soll die Ortstaxe ab 1. Juli 2026 auf 5 Prozent und ab 1. Juli 2027 auf 8 Prozent steigen. Novak sprach von einer „fairen Lösung“, der Wiener ÖHV-Chef Alexander Ipp von einer „guten Einigung“.
Neue Kritik von ÖVP und Hotellerie
Einen Monat vor der ersten Anhebung der Ortstaxe fordert die Wiener ÖVP gemeinsam mit Hoteliervertreter Ipp neuerliche Anpassungen. Sie argumentieren, die Ortstaxe nehme der Wiener Hotellerie „die Luft zum Atmen“.
ÖVP-Stadträtin Kasia Greco formulierte drei Kernforderungen: Die für 2027 vorgesehene Erhöhung von 5 auf 8 Prozent soll abgesagt werden. Zudem sollen die Einnahmen aus der Ortstaxe nicht in das allgemeine Budget fließen, sondern vollständig dem Tourismus zugutekommen, etwa für neue Werbeformen im Wien-Tourismus. Drittens soll die Ortstaxe künftig im Buchungspreis gesondert ausgewiesen werden.
Derzeit ist die Ortstaxe im Gesamtbuchungspreis als „inklusive Steuern und Gebühren“ inkludiert. Diese Vorgabe beruht laut Darstellung im Artikel auf bundesgesetzlichen Bestimmungen.
Warnungen vor Belastung der Branche
Hauptforderung von Greco ist die Rücknahme der achtprozentigen Ortstaxe. Sie sagt, diese bringe die Hoteliers „massiv unter Druck“. Die Mehrkosten könnten ihrer Ansicht nach nicht an die Gäste weitergegeben werden, wodurch Geld für neue Investitionen in die Betriebe fehle. Greco verweist außerdem auf bereits hohe Lohn- und Energiepreissteigerungen und warnt vor einer Gefährdung der langfristigen Wettbewerbsfähigkeit Wiens.
Ipp vertritt die Auffassung, dass die Wiener Hotelbranche bei Umsetzung der zweiten Ortstaxenerhöhung an der europäischen Spitze der Abgabenlast läge. Er spricht von möglichen „fatalen Auswirkungen“ auf die Destination im Städtetourismus beim „sensiblen Pricing“ und befürchtet, dass Wien für Gäste dann weniger interessant sein könnte. Das Hotelgeschäft werde zunehmend unrentabel, sowohl für Familienbetriebe als auch für internationale Ketten, so Ipp. Die Vorstellung, dass Nächtigungsrekorde automatisch zu hohen Hotelgewinnen führten, bezeichnet er als „Mär“.
Stadt verteidigt Kompromiss und verweist auf Marktentwicklung
Im Büro von Finanzstadträtin Novak wird der im Herbst 2025 vereinbarte Kompromiss zur Ortstaxe weiter verteidigt. Die Einigung wird dort als „tragfähiger Kompromiss“ bezeichnet. Zudem wird festgehalten, dass Wien auch bei einer „moderaten Anpassung“ der Ortstaxe wettbewerbsfähig bleibe.
Im Jahr 2025 verfügte Wien über 84.600 Betten in 42.400 Zimmern von 450 Hotelbetrieben. Die Zahl der Hotels stieg gegenüber 2024 um 17 Betriebe. Im Luxussegment (5 Sterne) gab es 25 Hotels. Erstmals wurde 2025 zudem die Marke von 20 Millionen Gäste-Nächtigungen überschritten.
Hinweis zur Faktenprüfung
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